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Ausstellung: Frankfurts B 3 Biennale des bewegten Bildes eröffnet

Ein fünftägiges Festival und eine länger laufende Ausstellung vereinen Kunst, Film und digitale Technologie. Zur Eröffnung der „B 3 Biennale“ gibt es eine Projektion auf die Fassade der Städtischen Bühnen in Frankfurt.
Recht skurril geht es in den Video-Arbeiten der „B 3 Biennale des bewegten Bildes“ zu. Die Themen kreisen um Geschichte, Politik und das Begehren. Recht skurril geht es in den Video-Arbeiten der „B 3 Biennale des bewegten Bildes“ zu. Die Themen kreisen um Geschichte, Politik und das Begehren.
Frankfurt. 

Zwei Männer tanzen Tango. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Aber die Männer passen nicht in den pompösen Saal. Sie tanzen in Polizeiuniformen, samt Pistolen, Schlagstöcken und Helmen. Das skurrile Video des Spaniers Carlos Aires dauert rund vier Minuten – genug Zeit, um über den Tango zu sinnieren, einem Mix aus lateinamerikanischer, europäischer und afrikanischer Musik. Und er war einst ein Tanz für Männer in Bordellen.

So ist der Film ein kleines Lehrstück über Geschichte, Politik und das sich ändernde Verständnis von Begehren. Diese drei Themen stehen jetzt im Zentrum der Frankfurter „B 3 Biennale des bewegten Bildes“. Das bewegte Bild ist populär, es ist „die treibende Kraft des 21. Jahrhunderts“, meint Bernd Kracke, der Präsident der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Allein auf YouTube werden täglich mehr als eine Milliarde Stunden Videos gesehen. Für diesen Trend hatte Kracke ein Gespür und gründete 2013 die „B 3 Biennale“. Die findet jetzt zum dritten Mal statt, von Mittwoch an mit einem fünftägigen Festival und einer bis 20. Dezember laufenden Ausstellung.

Rund 250 internationale Akteure aus den Bereichen Kunst, Medien und Technologie versammeln sich dazu in Frankfurts „verbotener Stadt“. So hieß lange der Gebäudekomplex, den die Deutsche Bank in den 50er Jahren in der Nähe der Hauptwache erbaut hat. Hier durfte kein normaler Kunde hin, hier tagten die Vorstände von Deutschlands größtem Kreditinstitut.

Sucht und Sehnsucht

Dieser Komplex spiegelt auf 5000 Quadratmetern Fläche den Muff und den Machtwillen der Zeit, mit verwinkelten Gängen und vielen kleinen holzvertäfelten Räumen. Aber die Banker sind ausgezogen, der Bau muss bald vier neuen Hochhäusern weichen. Statt über Geld wird nun für kurze Zeit über Politik geredet, denn die Kunst war noch nie so politisch wie heute. Allein das Festival bietet 60 Vorträge, Konferenzen und Filme. Und die Leitschau „On Desire. Über das Begehren“ meint nicht nur die Erotik, sondern jede Form von Verlangen, Sehnsucht oder gar Sucht. Rund 70 Künstler aus 20 Ländern wurden von der Kuratorin Anita Beckers ausgewählt – die Frankfurter Galeristin kennt sich bestens in der Videoszene aus.

Doch für den Betrachter wird der Rundgang durch das erste und zweite Obergeschoss zur Schnitzeljagd, da es noch an den Schildern hapert. Aber sei’s drum. Sehen sollte man Candice Breitz’ zweiteiligen Beitrag über Sexarbeiterinnen in Kapstadt. Eine mutige Weltpremiere, wie andere Beiträge auch. Joscha Steffens etwa bezieht sich in seiner Videoinstallation auf das einzige elektronische Spiel, in dem Frauen eine Rolle spielen.

Und der Amerikaner Johannes de Young hat im vierminütigen Video „Raft“ eine moderne Version des gewaltigen Bildes „Das Floß der Medusa“ geschaffen, das Théodore Géricault 1819 gemalt hatte. Rund 200 Jahre später geht es wieder um Aussätzige auf einem Boot, um das sich der Betrachter so wild dreht, dass er fast die Orientierung verliert.

Etliche Filme laufen im nahen Festivalkino Cinema, etwa „Moving Mountains“ von Yang Fudong. Der Chinese erzählt von einem Mann, der partout einen Berg verrücken will – auch bei uns ist die Redewendung geläufig vom Glauben, der Berge versetzt.

China ist heuer einer der „B 3“-Schwerpunkte, neben Israel und Toronto. Jonas Mekas wiederum wird als „Pate des amerikanischen Avantgardekinos“ geehrt. Den Roman des fast 95-Jährigen hat Städelschul-Professor Douglas Gordon verfilmt.

Schmissiger Kommentar

Die zweite Ehrung gilt Ingvild Goetz, der großen deutschen Sammlerin von Videokunst. So gibt es auch einen Rückblick auf ältere Werke. Nicht zu vergessen Federico Solmis neue und 110 Meter lange Projektion auf die Fassade von Schauspiel und Oper – ein bissig-schmissiger Kommentar zum Weltgeschehen.

B 3 Biennale

Festival in Frankfurt: 29.11. bis 3.12., täglich 9–21 Uhr. Eröffnung heute 19.30 Uhr mit Solmis Projektion vor Schauspiel/Oper (Willy-Brandt-Platz);
Leitausstellung „On Desire“: Frankfurt, Junghofstraße 5–9, 29.11. bis 20.12., täglich 9–19 Uhr. Eintritt 12 bis
20 Euro. Katalog 26 Euro.
Telefon (069) 80 05 90.
Internet www.b3biennale.com

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