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Der Computer schlägt zurück: Frankfurts Museum für Kommunikation zeigt die PC-Spiele-Schau

Das Frankfurter Museum wirbt mit der „schmerzhaftesten Ausstellung der Welt“. Aber nur ein Spiel tut weh, alle anderen sorgen für Teamwork und Spaß.
Erinnert ein wenig an den amerikanischen Präsidenten-Wahlkampf: „Reden“ heißt dieses Computerspiel der Künstlergruppe „Fur“, die jetzt im Frankfurter Museum für Kommunikation ausstellt. Thema der Schau ist die gegenseitige Beeinflussung von Computer und Computernutzer. Erinnert ein wenig an den amerikanischen Präsidenten-Wahlkampf: „Reden“ heißt dieses Computerspiel der Künstlergruppe „Fur“, die jetzt im Frankfurter Museum für Kommunikation ausstellt. Thema der Schau ist die gegenseitige Beeinflussung von Computer und Computernutzer.

Das Computerspiel schlägt zurück und bestraft gnadenlos jeden Fehler mit realen Schmerzen. „PainStation“ heißt folgerichtig das schon 16 Jahre alte Spiel des Künstlerduos „Fur“. Zwei Personen legen ihre linken Hände auf Metallplatten und nutzen ihre rechten Hände für ein virtuelles Tischtennisduell. Wer den Ball verfehlt, spürt kurz darauf in der linken Hand entweder einen Hitzeschub, einen Stromstoß oder einen Peitschenhieb.

Freilich ist die Teilnahme erst ab 18 Jahren erlaubt, und es gibt Warnungen vor der „PainStation“. Die ist ohnehin die Ausnahme im Frankfurter Museum für Kommunikation, die anderen neun Spiele kommen ohne Strafen aus. Alle Spiele wurden ausgedacht von den „Fur“-Mitgliedern Volker Morawe und Tilman Reiff, die einst an der Kölner Kunsthochschule für Medien studiert haben und inzwischen Mittvierziger sind.

Vereinsamung der Spieler

Mit ihren Installationen bewegen sie sich zwischen Kunst und Spiel, Medienkritik und Unterhaltung. Konkret bekämpfen sie die Vereinsamung der Computerspieler und die Beschränkung auf mentales oder visuelles Erleben. Die Spiele des Duos indes sind auf alle Sinne gerichtet, bis hin zum Schmerz – auch als Reaktion auf die zahlreichen Ballerspiele.

Den Ausstellungstitel „No Pain no Game“ kann man frei übersetzen mit dem altmodischen Spruch „Ohne Fleiß kein Preis“. Auf 500 Quadratmetern will das Duo „Kunst physisch erfahrbar machen – und zwar jenseits der Komfortzone“, so die freche Ankündigung der Schau, die bis 5. März nächsten Jahres läuft. Der Besucher soll mitmachen, nicht nur schauen; etwas wagemutig muss er also schon sein. „Wir halten die Schwelle bewusst niedrig, locken über Spiele die Menschen an und bringen sie zum Nachdenken“, resümiert Volker Morawe.

Das Spiel „Amazing“ etwa ist ein Labyrinth, das mittels hoher Töne nach allen Seiten gekippt wird. So singen abwechselnd zwei oder vier Personen und bringen damit die Kugel nach und nach an ihr Ziel. Das ist nur im Teamwork möglich, gelingt aber sogar mit wildfremden Menschen und macht obendrein Spaß.

Auf ein konkretes Gegenüber angelegt ist die „Facebox“, laut Künstlerduo „das kleinste soziale Netzwerk der Welt“, natürlich eine Anspielung auf „Facebook“. Zwei Personen stehen sich Auge in Auge gegenüber, aber abgeschirmt von der Umgebung. Nun sollen sie sich locker miteinander unterhalten; aber die ersten Sätze zeigen, wie hohl die „Facebook“-Einordnung von Freunden ist. „Wir wollen Menschen zusammenbringen, sie sollen wieder miteinander kommunizieren“, sagt Morawe.

Die Schau verspricht neben Spaß auch Erkenntnisgewinn. So hängt eine Lampe im Museum, die man nur über das Internet einschalten kann, von überall auf der Welt. Doch ausschalten lässt sie sich lediglich im Museum, an einem banalen Knopf. Ein Beispiel für die nicht unproblematische Vernetzung von Häusern, vom Kühlschrank über Heizung, Licht und Backofen bis zum Babyphone. Was aber, wenn das Babyphone gehackt wird und nun als Spion für Diebe funktioniert, die sich aus der Ferne die häuslichen Wertsachen anschauen?

Kondition der Besucher

Schließlich hat das Künstlerduo sogar an die Kondition der Besucher gedacht. Bei „Snake Pit“ werden zwei Schlangen auf einem großen quadratischen Feld mittels Gaspedalen von allen vier Seiten angetrieben. Wer die Richtung ändern will, muss rasch zum nächsten Gaspedal wetzen. Dieser „HyperWurm“ sorgte 1979 für Furore, rote Augen und müde gedaddelte Daumen. In der neuen Variante aber ist schweißtreibender Körpereinsatz gefragt – der bekanntlich nicht schadet.

Mit diesen 10 Spielen war das Künstlerduo auf Einladung des Goethe-Institutes seit 2014 in osteuropäischen Großstädten unterwegs. Nun wäre eine Tour durch Deutschland und Westeuropa wünschenswert – auch hier gibt es viele Menschen, die viel zu viel Zeit mit öden Computerspielen verbringen.

 

Museum für Kommunikation, Frankfurt, Schaumainkai 53. Bis 5. März 2017, dienstags bis freitags 9–18 Uhr,
samstags und sonntags 11–19 Uhr. Eintritt 3 Euro. Telefon (069) 6 06 00. Internet www.mfk-frankfurt.de

 

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