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Theater: Freispruch für die rote Zora

Von Regisseur Ulf Goerke macht die Sozialkritik der Vorlage im Staatstheater auch fürs junge Publikum verständlich.
Die rote Zora und ihre Bande unterhalten prächtig. Foto: janehlers.net Die rote Zora und ihre Bande unterhalten prächtig.

Vielleicht sollten die hiesigen Politiker mal wieder ins Staatstheater gehen. Denn das, woran sie trotz hochbezahlter Berater regelmäßig scheitern, die Leute für ihre Sache zu begeistern, das wird ihnen gerade in Darmstadt vorgemacht. Wenn Hubert Schlemmer als einfacher Fischer Gorian vor sein Publikum tritt und dieses vor die Wahl stellt, die Jugendlichen zu bestrafen, die aus reiner Not die Bürger eines kroatischen Küstenstädtchens bestohlen haben, oder sie freizusprechen und stattdessen die Gesellschaft auf die Anklagebank zu setzen, dann schallt ihm bei der zweiten Alternative uneingeschränkte Zustimmung entgegen. Wohl keiner der überwiegend sehr jungen Demokraten im Saal lässt seinen Arm unten, wenn es darum geht, der „Roten Zora und ihrer Bande“ die Zukunft nicht zu verbauen.

Die Sozialkritik zu vermitteln, die in dem 1941 veröffentlichen Jugendbuchklassiker des deutschen Schriftstellers Kurt Kläber alias Held steckt, ist Ulf Goerke in seiner Inszenierung der eigenen Bühnenfassung demnach bestens gelungen. Sie wird allerdings auch stark und manches Mal aufdringlich in den Vordergrund gerückt. Immerhin sind Themen wie Kinderarmut, Korruption und soziale Ungerechtigkeit bis heute aktuell.

Doch auch diejenigen aus der Zielgruppe der Jungen und Mädchen ab fünf Jahren, die nur an kurzweiliger Unterhaltung interessiert sind, kommen in den 80 Minuten, auf die der Wälzer komprimiert wurde, auf ihre Kosten. Zwar sind der Kürzung kleinere Ungereimtheiten geschuldet, und natürlich fehlt die Zeit, die Charaktere differenzierter darzustellen. Der Konkurrenzkampf zwischen Banden-Neuzugang Branko (Oliver Konietzny), der zu Beginn der Geschichte seine Mutter verliert, und seinem hinterhältigen Rivalen Duro (Béla Milan Uhrlau) klingt beispielsweise nur kurz an. Dafür wurde in anderen Bereichen mehr investiert.

So unterlegt ein live aufspielendes Musiktrio (Timo Willecke, Daniel Malkmus, Nicolai Bernstein) nicht nur das aus dem Original bekannte Uskokenlied mit einer Melodie, sondern muss auch für den einen oder anderen Scherz herhalten. Zora etwa, sympathisch dargestellt von Yana Robin la Baume, schickt die Instrumentalisten kurz mal aus der Rolle fallend weg, als diese den Gang der Dinge stören.

Das Bühnenbild und damit in der Anfangsszene den Marktplatz lässt Norbert Bellen von einer Brücke mit zwei kleinen Rundbögen dominieren, die, einmal um 180 Grad gedreht, zur Burg und geheimen Wohnstatt der Bande wird. Graffiti geben der Mauer den modernen Touch, auf den ansonsten weitestgehend verzichtet wird.

Doch obwohl vieles besser funktioniert, als man hätte planen können – an einer Stelle scheitert auch dieses in seiner Gesamtheit gelungene Unternehmen: Der eher peinlichen Darstellung von Meeresgetier durch Menschen können selbst die Kleinsten nichts abgewinnen.

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