Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 29°C

Die Frankfurter „Galerie“ zeigt „Postcards from Venice“: Friedensgrüße aus der Stadt an der Lagune

Joe Tilson hat einen Wohnsitz in Venedig. Und von dort aus versendet er per Post die Heiterkeit. Eine Auswahl seiner Karten ist in der Frankfurter „Galerie“ zu sehen.
Joe Tilsons „Finestra veneziana“ zeigt ein Fenster am Ponte Lungo.	Abb.: DG Joe Tilsons „Finestra veneziana“ zeigt ein Fenster am Ponte Lungo. Abb.: DG
Frankfurt. 

„Natürlich hat sich Venedig verändert. Aber die Kunst nicht!“ Der britische Pop-Künstler Joe Tilson weiß, wovon er spricht. Er liebt die Lagunenstadt seit mehr als sechs Jahrzehnten. Immer hat sie ihm Glück gebracht. 1956 heiratete er hier seine Frau, die Bildhauerin Joslyn Morton. 1964 kam der Erfolg mit der Biennale, zu der er als einziger Brite eingeladen war. Seit 15 Jahren hat er einen Wohnsitz mitten in der Serenissima. Vor seiner Haustür erlebte er, wie sie zum touristischen Massenliebling wurde, wie ihre Schönheit zur Kulisse verkam. Dennoch verehrt er sie wie beim ersten Kennenlernen, bewundert ihre Kirchen, Paläste und dort besonders die maurischen Mosaikfußböden. „Die Verbindung zwischen Orient und Okzident drückt genau die Harmonie aus, die der Welt heute fehlt“, sagte er ein wenig resigniert bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Frankfurt.

Heilige Maria der Wunder

Seine Erkenntnis übersetzt der 88 Jahre alte Brite in friedvolle Kunstbotschaften und verschickt sie auf riesigen, mehr als ein Meter mal ein Meter großen Postkarten. Rund 50 dieser „Postcards from Venice“ und andere Werke mit dem Schwerpunkt Venedig sind jetzt in der Galerie angekommen. Die Leinwände zeigen prachtvolle Kirchen wie Santa Maria dei Miracoli ebenso wie Profanbauten, die Tilson mit plakativem Strich in orientalische Fliesenmuster einbettet. Sie ragen aus witzigen, überdimensionierten Sperrholzumschlägen heraus, verraten den gelernten Zimmermann, der auch heute noch ohne Assistenten arbeitet. Kleine Diptychen, „Stones of Venice“ betitelt, sind eine Hommage an Tilsons Bruder im Geiste, den viktorianischen Architekturkritiker John Ruskin. Auch er war ein glühender Verehrer der Lagunenstadt, verfasste ein dreibändiges Werk über venezianische Architektur, das zu Tilsons Lieblingslektüre zählt.

Schönheit und Weisheit

In den schön anzusehenden Grüßen aus der Lagunenstadt, die in den vergangenen zehn Jahren entstanden, steckt wohl viel Altersweisheit. Denn so versöhnlich waren Tilsons Botschaften nicht immer. Nach dem Studium am Londoner Royal College of Art stritt er in den 60er Jahren mit seinen Wegbegleitern Richard Hamilton, Peter Blake und Allen Jones für den Brit Pop, die englische Variante der Pop Art, malte mit realistischen Bildern gegen die damals gängige Abstraktion an. Doch 1970 distanzierte sich der Skeptiker von der Bewegung, die mit schön gemalten Labels zunehmend dem Konsum huldigte. Er habe lieber Regeln gebrochen, sagt er heute, als zur Anpassung aufzufordern. Als Künstler blieb er Ästhet, malte weiterhin gegenständlich, beschäftigte sich mit weltanschaulichen Fragen. Immer noch verweisen zweidimensionale Buchstaben in seinen reliefartigen Arbeiten auf die Spielereien der Pop Art. Auch die Umschläge als ironisch aufgeblähte Alltagsgegenstände wurzeln stilistisch in der Kunst der 60er.

Die Ausstellung wandert anschließend nach London in die Marlborough Fine Arts Gallery, wo Tilson schon 1962 ausstellte. „Noch vor David Hockney“, wie er stolz bekennt. „Die Zeiten werden wieder besser werden“, resümiert er. „Das wird vielleicht 30 Jahre dauern. Ich werde es nicht mehr erleben“, schätzt Tilson, in Zeitmaßen, die eher zu Venedig als ins schnelllebige Frankfurt passen.

 

„Die Galerie“, Grüneburgweg 123, Frankfurt. Bis 17. Juni, montags bis freitags 9–18 Uhr, samstags 10–14 Uhr. Telefon (069) 97 14 710. Internet www.die-galerie.com

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse