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Musikfestival in Frankfurt: Für „Atmosphères“ öffnet die Alte Oper ihre Pforten für die Bürger der Stadt

In den knapp 30 Konzerten dreht sich alles um György Ligetis neunminütiges Orchesterwerk „Atmosphères“.
Filmszene aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick. Foto: Tele_5 (Tele_5) Filmszene aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick.
Frankfurt. 

Stephan Pauly, Intendant und Geschäftsführer der Alten Oper, ausgiebig schwärmt ausgiebig von den musikalischen Schwarmbildungen: „Die besondere Eigenart von Ligetis Komposition ist die Erzeugung einer wirklich großen, sich bewegenden Klangwolke. Das ist wahnsinnig beeindruckend, egal, ob man das Werk schon kennt oder es das erste Mal hört. Mit einem Riesenorchester erzeugt Ligeti eine gigantische Wolke aus Klang im Raum, die sich bewegt, größer und kleiner wird, sich verschiebt, sich verschattet und verbindet. Millionen von Noten prasseln auf den Hörer ein. Dieser zentrale Vorgang hat uns interessiert.“

Alle dürfen mitmachen

Wer diese Klangwolken live erleben will, hat direkt am Samstag zur Eröffnung die beste Gelegenheit dazu. Das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter Titus Engel wird das Werk im großen Saal spielen, aber zuvor gibt es eine kreative Mitmachaktion, die sich an alle Interessierten wendet: Auf die Ausgestaltung von John Cages „Musicircus“ freut sich Pauly ganz besonders. Das Werk wollte er schon oft aufs Programm setzen, doch nie habe es so gut gepasst wie jetzt.

Bereits um 11.45 Uhr versammeln sich alle angemeldeten Klangfreunde auf dem Opernvorplatz: „Jeder Mensch, der Lust hat, ob klein oder groß, jung oder alt, ob musikalisch begabt oder nicht wirklich jeder kann mitmachen und gemeinsam in der Alten Oper Klänge erzeugen. Ob man singen, sprechen, trommeln will oder ein Instrument spielen, oder einfach Krach machen . . . egal“, so Pauly. Sogar Gesangsensembles und ganze Gruppen können sich für den Musicircus anmelden.

Der so entstehende Zircus-Musik-Schwarm zieht dann ein in die Alte Oper, bespielt das ganze Haus und endet schließlich vor der Großen Bühne, um sich Ligetis „Atmosphères“ anzuhören. Auf diese Weise würden gleich zwei unterschiedliche Klangwolken entstehen, freut sich der Intendant: „Zum einen die aus dem Chaos und der Kreativität erzeugte, von ganz vielen Frankfurtern und Frankfurterinnen erschaffen, und zum anderen das supergesteuerte Wolkenobjekt von Ligeti, gespielt vom wunderbaren Opern- und Museumsorchester.“

Es sei geplant, dass erst mal das Orchesterstück Ligetis erklingt, dem konzentriert zugehört werde, während beim großen Finale alle dabei seien. Was erwartet er? Ergebe sich dann aus den zwei Klangwolken ein ausgewachsenes Musikgewitter? Stephan Pauly lacht, man werde sehen.

Ein zweiter Schwerpunkt, auf den der umtriebige Chef der Alten Oper hinweist, ist der raumgreifende Vortrag von Olivier Messiaens Schwesternwerk „Catalogue d’oiseaux“ mit dem Pianisten Pierre-Laurent Aimard. Während Ligeti sich mit Phänomenen der Wolkenbildung beschäftigte, war es bei dem ornithologisch begeisterten Messiaen die Leidenschaft für Vogelstimmen, die er in seiner Musik künstlerisch überformte.

Aimards Idee sei es gewesen, das Werk an drei unterschiedlichen Orten zu spielen, jeweils zu den Zeiten, an denen die beschriebenen Vögel am intensivsten singen. Am 23.September beginnt er zum Sonnenaufgang um 6.30 Uhr sein erstes Konzert im 38. Stock des Opernturms. Die Fortsetzung spielt er um 11 Uhr im Gesellschaftshaus des Palmengartens und beendet den Zyklus um 17 Uhr in den Faust-Vogelhallen im Zoo.

Die Besucher würden dort direkt neben den Vitrinen mit den Vögeln sitzen, erklärt Pauly. Und durch einen abgetrennten Vorhang zum Außengehege die Geräusche der gefiederten Bewohner wahrnehmen: „Man hört also das Vogelstück von Messiaen und ganz gedämpft im Hintergrund echte Vogelstimmen.“ Der Andrang ist groß, zwei der drei Konzertteile sind ausverkauft.

Filmkonzert mit Livemusik

Das gilt auch für den Höhepunkt des Musikfests, Stanley Kubricks Film mit Live-Musik „2001 – A Space Odyssey“ am 22. September. Der Run auf das Filmkonzert unter dem versierten Dirigat von Frank Strobel und dem HR-Sinfonieorchester ist immens. Dass Kubrick Ligetis „Atmophères“ in seinen Film einbaute, ohne den Komponisten zu fragen, möchte der Intendant nicht uneingeschränkt bestätigen. Da müsse man den Fachmann fragen: Jan Harlan, der lange als Executive Producer und enger künstlerischer Begleiter von Stanley Kubrick an dessen Filmen mitarbeitete. Er stellt sich nach dem Konzert im „Talk an der Bar“ Besucherfragen.

Ein weiterer Höhepunkt des Musikfests wird die Mitmachaktion „Great Barrier Reef“ am 24. September auf dem Opernplatz sein, die in Zusammenarbeit mit dem Mousontourm Ergebnisse des finnischen Theaterkollektivs „Other Spaces“ mit Freiwilligen präsentiert. Am 30. September erklingt Ligetis „Atmosphères“ ein letztes Mal, diesmal interpretiert von den Bamberger Symphonikern.

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