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Fulminante Show im Friedrichstadt-Palast

Zum Schluss wird die schöne Tänzerin mit dem prächtigen Federschmuck verspeist - als Marzipanbild auf einer riesigen Premierentorte im Berliner Friedrichstadt-Palast. Auch die neue Show ist zum Staunen.
Bunter geht es kaum. Foto: Britta Pedersen Bunter geht es kaum. Foto: Britta Pedersen
Berlin. 

Modemacher Jean Paul Gaultier hüpft ausgelassen auf der riesigen Bühne des Friedrichstadt-Palastes in Berlin. Das begeisterte Publikum applaudiert stehend und minutenlang bei der Premiere der neuen Show in Europas größtem Revue-Theater am Donnerstagabend.

Gaultier hat die rund 500 Kostüme für „The One Grand Show” - die bislang teuerste Produktion des Hauses an der Friedrichstraße - entworfen.

Lack und Leder, immer wieder Federn, Matrosenlook, Durchsichtiges, Quietschbuntes, Pickelhauben, glitzernde Hirschgeweihe - was der 64-Jährige aus Paris nun in der deutschen Hauptstadt präsentiert, ist überbordend, surreal, witzig und kaum auf einen Blick zu erfassen. Für ihn werde ein Traum wahr, hatte Gaultier schon vorab geschwärmt. Nun freut sich der Meister der Haute Couture und sagt laut Palast, mit der Show „werden meine Kreationen aufs Fantastischste zum Leben erweckt”.

In der „traumhaften Zeitreise” mit Akrobatik, Tanz und Gesang wirken rund 100 Künstler aus 26 Nationen mit, wie Intendant Berndt Schmidt hervorhebt. „In diesen Zeiten ist die Show ein Zeichen für Freiheit und Offenheit.” Alle seien unterschiedlich, „aber alle eine geschlossene Einheit”. Ins Publikum ruft Schmidt: „Verteidigen Sie die Vielfalt, wenn nötig.”

Es beginnt mit einer donnernd lauten Undergroundparty in einem verlassenen Revuetheater, das auch ein Ufo mit Bullaugen sein könnte. Der Gast in Schottenrock und schwarzer Lederjacke, gespielt von Echo-Preisträger Roman Lob, staunt. Die einstige Theaterdirektorin (Brigitte Oelke) beschwört alte Zeiten. Bei der Suche nach dem einen Menschen, der alles bedeutet - The One - verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart.

Es gibt fast alles: wabernden Nebel, sphärische Klänge, wehende Vorhänge, schwebende Tänzer. Raffiniert werden die technischen Möglichkeiten der Bühne vorgeführt, die sich schon mal in einen grünlich schimmernden See mit echtem Wasser verwandelt. Für die Inszenierung zeichnet Roland Welke verantwortlich. Die Lichteffekte hat sich Peter Morse ausgedacht, der laut Palast schon für Michael Jackson, Madonna und Barbra Streisand gearbeitet hat.

„Bravo”-Rufe heimst vor allem Akrobatin Valérie Inertie ein. Die aus Kanada stammende Künstlerin wirbelt spektakulär in einem Reifen umher oder hängt an schwebenden Tüchern. Ein Raunen geht auch durchs Publikum, als die Bazaliy Sisters weit oben vom Trapez durch die Luft fliegen.

Und als dann noch die berühmte Girlreihe mit 32 Tänzerinnen die langen Beine hochreißt, gibt es fast kein Halten mehr. Die Kostüme der Grazien scheinen hauptsächlich aus winzigen schwarzen Dreiecken zu bestehen.

Im ausverkauften Haus mit etwa 1900 Plätzen sitzen Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nebst Ehefrau ebenso wie Conchita Wurst, Dieter Hallervorden, Nana Mouskouri, Katharina Thalbach und Klaus Wowereit.

Elf Millionen Euro hat die Produktion gekostet, die nun zwei Jahre laufen soll. Durch den Kartenvorverkauf seien bereits zwei Drittel der Produktionskosten eingespielt, sagte Intendant Schmidt. Es ist die fünfte Show in seiner Verantwortung. Der heute 52-Jährige hatte 2007 die Leitung des Hauses übernommen.

Der Friedrichstadt-Palast war 1984 als DDR-Prestigebau im damaligen Ost-Berlin eröffnet worden. Karten waren heiß begehrt. Hier entstand auch die legendäre Unterhaltungsshow „Ein Kessel Buntes” fürs DDR-Fernsehen.

Noch vor knapp zehn Jahren stand die einstige DDR-Institution mit Millionenverlusten vor dem Aus. Heute ist der Friedrichstadt-Palast mit rund 700 000 Besuchern jährlich die am besten besuchte Bühne der Hauptstadt.

(Von Jutta Schütz, dpa)
Bilderstrecke Fulminante Show im Friedrichstadt-Palast
Bunter geht es kaum. Foto: Britta PedersenJean Paul Gaultier hat Spaß mit Nana Mouskouri (l) und Amanda Lear. Foto: Maurizio GambariniImmer in Bewegung. Foto: Britta Pedersen
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