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Klassik: Gábor Boldoczki lässt die Trompete singen

Von Böhmische Musik unaufdringlich gespielt: Der Trompeter Gábor Boldoczki und das Orchester „Prague Philharmonia“ gastieren bei „Pro Arte“ in der Alten Oper.
Gut integriert: der Trompeter Gábor Boldoczki inmitten der Musiker von „Prague Philharmonia“ in der Alten Oper. Foto: Ansgar@Klostermann.net Gut integriert: der Trompeter Gábor Boldoczki inmitten der Musiker von „Prague Philharmonia“ in der Alten Oper.
Frankfurt. 

Trompeten sind die Glanz- und Gloria-Instrumente unter den musikalischen Werkzeugen. Sie rufen in den Kampf, künden vom Sieg und preisen den Herrscher. Es geht aber auch anders. Man kann auf der Trompete auch singen, den Klang gestalten und sich in ein Ensemble einordnen. Das hängt ab vom Spieler und, natürlich, von der gespielten Literatur. Gábor Boldoczki ist ein solcher Sänger auf der Trompete. Und ein Teamplayer, ein subtiler Gestalter, einer, der geschmeidig phrasiert, als würde er einen Text formulieren, der auch gerne leise spielt und seinen Instrumenten wohlige Wärme entlockt, anstatt sich mit gleißendem Geschmetter in den Vordergrund zu spielen. Instrumente im Plural, weil der bei Reinhold Friedrich ausgebildete Ungar gleich drei Mitglieder der Trompetenfamilie mitbrachte: ein „normales“ in Es, eine die Geläufigkeit fördernde Piccolo-Trompete und ein weiter mensuriertes und deshalb weicher und tiefer klingendes Flügelhorn. Alle nacheinander erklangen in Johann Nepomuk Hummels Introduktion, Thema und Variationen f-Moll op. 102, original ein Stück für Oboe, hier vorteilhaft transkribiert und klanglich ausgeweitet.

Künstlerische Migration

Aber der Reihe nach. Die rund 20 Streicher des sich „ Prague Philharmonia“ nennenden Kammerorchesters aus Prag nahmen auf der sehr großen Bühne in der fürs Programm zu großen Alten Oper Platz. Geleitet vom Konzertmeister (Jan Fišer) begannen sie mit der kurzen G-Dur-Sinfonie von Franz Benda, einem Zeitgenossen der Bach-Söhne. Sie führte ein in einen Abend voll böhmischer Musik; böhmische Musikanten sind zwar sprichwörtlich, vor allem in der Blasmusik-Tradition – eine entsprechende Schule hat sich im 18. Jahrhundert jedoch nicht herausbilden können, da die Musiker nach Wien oder Mannheim oder in andere damalige Metropolen zogen, um dort besser bezahlte Beschäftigung zu finden. Johann Baptist Vanhal, ein Zeitgenosse Joseph Haydns, ist ein weiteres Beispiel für diese künstlerische Migration; aus seiner Feder erklangen eine Sinfonia g-Moll und ein Kontrabasskonzert F-Dur, das Boldoczki für diesen Zweck aufs Flügelhorn transponierte.

Die Prager gefielen durch ihre Klangkultur und das sehr einheitliche Spiel. Sie hatten das Programm zuvor auf CD eingespielt (Sony Classical); entsprechend „saß“ es. Die Perfektion ergab sich jedoch nicht aus allabendlicher Wiederholungs-Routine, sondern aus merklicher Musizierlust und Vertrautheit mit dem Stil. Allenfalls die Höhen gerieten auf den Stahlseiten ein bisschen scharf. Für plötzliche Stimmungswechsel sorgten in beiden Konzerthälften kleine Stücke von Antonín Dvorák (Notturno op. 40, zwei Walzer op. 54); hier bewiesen die Musiker zudem, dass man auch ohne Dirigenten gemeinsame Pizzicati perfekt auf den Punkt bringen kann!

Sensationsfreier Abend

Boldoczki hatte zuerst ein Trompetenkonzert Es-Dur von Johann Baptist Neruda gespielt und sich mit einer schönen, gänzlich unprätentiösen Interpretation eingeführt. Solche Abende beweisen, dass auch sensationsfreie, die Musik in den Mittelpunkt stehende Konzerte ihren Zauber entfalten können. Darunter mag der Publikumszuspruch leiden, der Musik- und Konzertkultur tut es gut. Viel Beifall!

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