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Filmkritik: "Meine Zeit mit Cézanne": Genie der Malerei zweifelt an sich selbst

Von In „Meine Zeit mit Cézanne“ gibt die französische Filmemacherin Danièle Thompson Einblicke in die Freundschaft, die Paul Cézanne mit Emile Zola verband.
Der Maler Paul Cézanne (Guillaume Gallienne, vor der Staffelei) porträtiert seinen Freund, den Schriftsteller Emile Zola (Guillaume Canet). Der Maler Paul Cézanne (Guillaume Gallienne, vor der Staffelei) porträtiert seinen Freund, den Schriftsteller Emile Zola (Guillaume Canet).

Eine innige Freundschaft, die von der Kindheit bis in das Erwachsenenalter reicht, ist eine Seltenheit. Den Maler Paul Cézanne (Guillaume Gallienne) verband mit dem Schriftsteller Emile Zola (Guillaume Canet) eine solche. Im Jahr 1888 besucht Paul Cézanne seinen alten Freund in dessen herrschaftlichem Haus in Médan, unweit von Paris. Hier blicken die beiden Künstler auf die vergangenen Jahrzehnte zurück. Während Paul Cézanne der Sohn wohlhabender Eltern ist, wächst Emile Zola als Kind italienischer Einwanderer in dem beschaulichen Aix-en-Provence auf. Als junge Männer zieht es die beiden in das aufregende Paris. In der Metropole widmen sie sich ihrer Kunst.

Doch während Emile Zola bald mit seinen Romanen Erfolge feiert, bleibt Paul Cézanne die Anerkennung seiner Malerei versagt. Er geht zurück nach Aix-en-Provence. Mit seinem Elternhaus hat der kompromisslose und leicht reizbare Mann schon längst gebrochen. Während der besonnene Emile Zola gesellschaftliches Ansehen genießt, nimmt kaum jemand von Paul Cézanne Notiz. So wird der schwierigen Künstlerpersönlichkeit auch wiederkehrend die Teilnahme an Ausstellungen des Pariser Salons verwehrt…

In vielen Rückblenden erzählt die Regisseurin und Drehbuchautorin Danièle Thompson von der fast fünfzig Jahre andauernden, konfliktreichen Freundschaft zwischen Zola und Cézanne. Aber besonders dramatisch wird es deswegen nicht. Vielmehr plätschert Thompsons biografisches Drama gemütlich vor sich hin. Reizvoll wäre es, wenn der Film mehr über die Kunst Cézannes mitteilen würde. Aber Thompson bleibt an der Oberfläche. Warum der Künstler mit vielen seiner Arbeiten so unzufrieden war, dass er sie zerstören musste, bleibt unklar. Und Cézannes Begegnungen mit erfolgreichen Malern wie Auguste Renoir oder Camille Pissaro finden nur am Rande statt. Fast nüchtern ist die Erzählung. So erstaunt sogar eine Szene ob ihrer Emotionalität, in der Cézannes Lebensgefährtin (Sabine Azéma) sich lediglich als Model behandelt sieht und nicht als geliebte Frau. Wobei es zudem verwundert, dass die Auftritte von starken Frauenfiguren so selten in dem Film zu sehen sind.

Ja, der Blick wird zu sehr auf Cézanne gelenkt. Zwar wird er von Guillaume Gallienne absolut glaubhaft verkörpert. Dennoch betrübt es, wenn sämtliche Zutaten eines Films nicht das gleiche hohe Niveau erreichen wie dessen detailreich ausgestattete Kulissen. Sie hat der Kameramann Jean-Marie Dreujou in wunderbar farbenreiche Bilder gefasst. In ihnen rückt die Lebenszeit Cézannes (1839–1906) verblüffend nah. Annehmbar

 

Frankfurt: Cinema, E-Kinos

 

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