Graffiti als Inspirationsquelle

Von Dierk Wolters Es sind schäbige Straßenecken und Schallplattenhüllen, die den Maler zu seinen meist quadratischen Werken anregen und Geschichten erzählen. Manche seiner Bilder haben eine comicartige Anmutung: Jan-Christian Pohl im Newsroom der "Frankfurter Neuen Presse".	Foto: Rainer Rüffer Manche seiner Bilder haben eine comicartige Anmutung: Jan-Christian Pohl im Newsroom der "Frankfurter Neuen Presse". Foto: Rainer Rüffer

Wenn Jan-Christian Pohl durch die Straßen Frankfurts läuft, richtet er seinen Blick nicht auf die blitzblanken Vorzeigeecken der Stadt, sondern dorthin, wo Graffiti auf Häuserwänden prangen oder wo Unrat in dunklen Ecken liegt. Kurz: dorthin, wo das Leben Spuren hinterlassen hat. Pohl ist stets auf der Suche nach Inspirationen, denn er malt täglich. Wohl acht Stunden arbeitet er in seinem Atelier im Frankfurter Osthafen, sichtet, was er gesehen und mit der Kamera, die er auf seinen Stadtgängen stets mitführt, festgehalten hat. Sein Archiv ist der Urquell für seine Bilder: Quadratische Werke im Format von einem mal einem Meter, oder kleine Bilder von gerade einmal 18 mal 24 Zentimetern, letztere eine Art Experimentier-Forum für das Amalgamieren von Farben, Formen und Motiven, die er überall findet: in Zeitschriften, Katalogen oder im Internet. Indem Pohl sie auf Aluminium bannt, bemalt und in neue Bildkontexte stellt, entstehen Miniaturen von einem oft surrealen Sog. Die größeren seiner Bilder erinnern nicht von ungefähr an Schallplattenhüllen. Deren Cover waren es, die den leidenschaftlichen Musikhörer Pohl inspirierten, quadratische Leinwände zu bemalen. Das Format bildet die sehr offene Klammer, die seine Werke zusammenhält.

Aus vielen Farbschichten bestehen die Gemälde. Manche, mit silberner Farbe überzogen, offenbaren von der Seite ganz andere Eindrücke als von vorn: eine Affenfratze oder ein eingeritztes Anarcho-A: Pohl verwendet solche Chiffren aus der Street Art auf eine sehr freie und geradezu assoziativ willkürliche Weise. Pohl möchte Geschichten erzählen – jedoch sind seine Gemälde keine geschlossenen Erzählungen mit Anfang und Ende.

Fülle von Anspielungen

Sie eröffnen in ihrer unendlichen Verspieltheit, der Fülle der Anspielungen und der manchmal comicartig witzigen und dann wieder farbabstrakten Komposition Räume, in denen man sich frei bewegen kann – zusätzlich animiert vielleicht durch die eigenwilligen Titel, die Jan-Christian Pohl seinen Bildern verpasst: "What do you feed your Donkey on?" (Womit fütterst du deinen Esel) oder "Glowworm Wasteland" (Glühwürmchen-Brachland) etwa heißen zwei seiner 1-mal-1-Meter-Gemälde, die im Newsroom dieser Zeitung ausgestellt sind.

Mehrmals hinzuschauen lohnt sich bei seinen Bildern immer. Denn Pohls Werke zeigen auf den ersten Blick oft etwas anderes als auf den zweiten. Von "Türen" spricht der Maler selber, die der Betrachter öffnen könne – um so von einer Ebene zur nächsten zu wandern. Und womöglich eine Geschichte zu finden.

Über Jahre ist die Pohl’sche Text- und Bildsammlung zu einem privaten Archiv angewachsen. Die Gemälde des Künstlers, der in Frankfurt von der Galerie Arte Giani im Main-Building (Taunusanlage 18) vertreten wird, greifen tief in diesen unerschöpflichen Fundus hinein.

Besichtigungen bis 7. Januar im Verlagshaus der "Frankfurter Neuen Presse", Frankenallee 71–81, Frankfurt. Termine nach Vereinbarung unter Telefon (069) 75 01 44 01.

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199016
Graffiti als Inspirationsquelle
Es sind schäbige Straßenecken und Schallplattenhüllen, die den Maler zu seinen meist quadratischen Werken anregen und Geschichten erzählen.
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17.12.2012
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