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Alte Oper: Gregory Porter, ganz geschmeidig am Mikro

Von Der New Yorker Soulsänger Gregory Porter stellte in der Alten Oper mit der „Neuen Philharmonie Frankfurt“ sein Nat-King-Cole-Projekt vor.
Den Dirigentenstab von Vincent Mendoza vor Augen, singt Gregory Porter in der Alten Oper melancholische Lieder. Foto: Wonge Bergmann (Wonge Bergmann) Den Dirigentenstab von Vincent Mendoza vor Augen, singt Gregory Porter in der Alten Oper melancholische Lieder.
Frankfurt. 

Senkrechtstartern wie Porter oder dem Briten Jamie Cullum kann man schon mal mit Vorsicht begegnen. Marotten wie Porters Ballonmütze mit Schlauchschal haben etwas Kauziges, bis der Erfolg ein Markenzeichen daraus macht. An der Qualität eines Abends ändern solche trivialen Randumstände nichts.

Das Niveau war dank der Sangeskunst Gregory Porters sehr hoch. Veranstalter Karsten Jahnke collagierte ihn und sein kleines Begleitorchester (Piano, Kontrabass, Drums) mit der „Neuen Philharmonie Frankfurt“ (Leitung: Vincent Mendoza).

Das Programm kreiste um den legendären Nat King Cole (1919 bis 1965), den schwarzen Pianisten, der auch in Spielfilmen bis hin zu „Citizen Kane“ auftrat. Vor allem aber war er ein anschmiegsamer Sänger und Vorbild swingender „Crooners“ wie Frank Sinatra und Bing Crosby. Die krochen samtweich ins Mikro: daher der Name.

Klar, dass Coles Mega-Erfolg „Nature Boy“ (von Eden Ahbe nach einem jüdischen Lied) so wenig fehlte wie „Smile“ von Charlie Chaplin. Melancholie allenthalben? Nicht ganz. Los ging es mit „Mona Lisa“, einem Film-Evergreen nach dem Szenenmotto: Sing die Schnulze „Mona Lisa“, um Resistenza-Kämpfer vor der Krauts-Patrouille zu warnen. Coles sonorer Bass war perfekt für romantische Balladen. Porters Bariton ist es immer noch.

Es folgten „But Beautiful“ und „L-O-V-E“ („. . . very, very, extraordinary . . .“), Coles Song im Klippen-Rhythmus „Quizas, Quizas, Quizas“ und insgesamt drei Porter-Titel („When Love Was King“, „I Wonder Who My Daddy Is“, „No Love Dying“). Dazwischen: „Dance Ballerina Dance“, Sinatras Weicheier-Ertüchtigung „Pick Yourself Up“, „Miss Otis Regrets“ (weil sie gelyncht wird und den Lunch verpasst) und „The Lonely One“. Den Abschluss machten ein „Christmas Song“ und Chaplins universelles „Smile“: Lächle, lächle trotz alledem!

Die Streicher-Dominanz war keine Alte-Oper-Zutat, sie dominierte schon bem späten Nat King Cole. Seinen Jazz und das Piano versteckte der zuletzt im Studio, ohne Namensnennung. Porter wiederum, Zwei-Meter-Mann im eleganten Smoking (und Schal), verbarg alle Botschaft hinter geschmeidigen Fassaden, kontrollierte seinen warmen Bariton aber, wie ein Kritiker schrieb, bis ins letzte Flimmern des Timbres und die feinste Synkope der Phrasierung, als wäre es gar nichts.

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