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Fantasy-Film: Guillermo del Toro möchte „Mitgefühl mit dem Monster“

In der Geschichte aus der Zeit des Kalten Kriegs verliebt sich eine taubstumme Frau in ein Meereswesen, das in einem Aquarium gefangen gehalten wird.
Der Wasser-Mann (Doug Jones) aus dem Amazonas wird in einem unterirdischen Aquarium im Amerika der 60er Jahre gefangen gehalten. Er soll in den Weltraum geschickt werden. Fotos: 20th Century, dpa Der Wasser-Mann (Doug Jones) aus dem Amazonas wird in einem unterirdischen Aquarium im Amerika der 60er Jahre gefangen gehalten. Er soll in den Weltraum geschickt werden. Fotos: 20th Century, dpa

Schon mit seinem Erstlingsfilm „Cronos“ fand Guillermo del Toro (53) bei den Filmfestspielen Cannes Aufmerksamkeit. Vier Jahre später folgte das Hollywood-Debüt mit dem Horrorwerk „Mimic – Angriff der Killerinsekten“. Nach den Comic-Verfilmungen „Blade II“ und „Hellboy“ gab es für sein Drehbuch zu dem Fantasy-Spektakel „Pans Labyrinth“ eine Oscar-Nominierung, und auch jetzt steht der Filmemacher wieder auf der Oscar-Kandidatenliste. Sein „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, über die Liebe zwischen einer taubstummen Putzfrau und einem gefangenen Amphibien-Wesen, ist für 13 Oscars vorgeschlagen und damit Favorit bei den Academy Awards. Mit dem Regisseur, der in Guadalajara geboren wurde, unterhielt sich Dieter Oßwald.

Senor Del Toro, wie schwierig ist es, Hollywood von solch einem poetischen Projekt zu überzeugen?

GUILLERMO DEL TORO: Ich hatte das Projekt mit eigenem Geld drei Jahre lang entwickelt. Dieses Konzept bot ich dann lediglich einem einzigen Studio an, nämlich Fox Searchlight, mit denen ich bereits gute Erfahrungen gemacht hatte. Am Ende meiner Präsentation haben alle geheult, worauf mir fast die Stimme versagte. Es ist ein Mythos, wonach Hollywood nur von Geschäftsleuten bestimmt wäre. Wenn man eine bewegende Story hat und diese richtig vermittelt, dann findet man auch Unterstützung.

Gab es keine Bedenken wegen der Altersfreigabe?

DEL TORO: Überhaupt nicht. Ich sagte von Beginn an: Sally Hawkins masturbiert. Es gibt Sex-Szenen zwischen ihr und der Kreatur. Es wird ganz klar ein Film mit einem „R-Rating“ – das wurde problemlos akzeptiert.

Welchen Stellenwert hat „Shape of Water“ für Ihre Karriere?

DEL TORO: Dieses Projekt musste ich unbedingt machen. Meine bisherigen neun Filme hatten alle irgend etwas mit meiner Kindheit zu tun. Jetzt bin ich 53 Jahre alt, da wurde es höchste Zeit, endlich mal einen erwachsenen Film zu machen. Es ist ein Film über die Liebe, was für mich bedeutet, seinen Partner so zu mögen, wie er ist. Ohne Anspruch auf Perfektion der Persönlichkeit, ohne Wunsch, ihn zu ändern.

Welche Bedeutung hat das titelgebende Wasser als Metapher?

DEL TORO: Wasser nimmt immer die Form an, in der es sich befindet. So sanft es auch sein kann, ist es zugleich die stärkste, verformbarste Kraft des Universums. Gilt das nicht ebenso für die Liebe? Auch die Liebe kann jede Form annehmen, ob für einen Mann, eine Frau oder eine Kreatur. Ich mag Filme, die befreiend sind und sagen: Es ist gut so, der zu sein, der du bist.

Sie haben einmal gesagt, dass Monster Sie schon als Kind begeistert haben. Wie wirkt sich das auf diesen Film aus?

DEL TORO: Im Märchen gibt es zwei Varianten. Die eine behauptet: Monster sind böse, deine Eltern sind gut. Deswegen musst du ihren Anweisungen stets folgen. Die andere besagt: Vergiss die Regeln, sei einfach verrückt. Ähnliches gilt beim Horrorfilm. Die einen warnen vor Monstern, weil alles Fremde stets Gefahren bringt. Die anderen sagen, die heile Familienwelt ist gar nicht so idyllisch, wie sie tut. Diese zweite Variante hat mir schon immer besser gefallen. Ich möchte Mitgefühl mit dem Monster haben. Als ich Boris Karloff zum ersten Mal in „Frankenstein“ sah, war er für mich wie der Messias. Seit dieser Zeit haben Monster meine absolute Sympathie. Sie sind einfach so, wie sie sind. Man kann sie ganz einfach verstehen – im Unterschied zu Menschen, hinter deren charmanter Maske sich oft Abgründe auftun.

Wie bekommen Sie die Ideen für Ihre fantastischen Welten? Liefern Träume gute Vorgaben?

DEL TORO: Schlaf ist schrecklich für mich. Ich kenne lediglich einen einzigen Traum. Der allerdings verfolgt mich seit meiner Kindheit: Ich kann unter Wasser atmen. Meine Ideen entspringen meiner Unfähigkeit, mich zu langweilen. Wenn ich in einem Restaurant sitze und nebenan einen roten Fleck auf dem Tischtuch sehe, denke ich mir sofort ein Mordszenario dazu aus. Aus diesem Grund darf meine jüngste Tochter nie spät nach Hause kommen! Wenn sie zehn Minuten über der Zeit ist, male ich mir bereits das gesamte Kidnapping aus und erwarte den Anruf der Entführer.

Wie entsteht so ein Monster?

DEL TORO: Am Anfang entstehen Entwürfe aus Ton. Diese Figuren stelle ich auf meinen Schreibtisch und umkreise sie mit einer Lampe, um alle Schatten zu sehen. Schatten sind später enorm wichtig, weil sie wie Mimikfalten wirken. Beim Gesicht sind Millimeter am Mundwinkel entscheidend, um das richtige Gleichgewicht zwischen Mensch und Amphibien-Wesen zu bekommen. Für den letzten Schliff gaben die Frauen bei mir zu Hause den Ausschlag: Mehr Hintern oder weniger? Genügend Sixpack? Breitere Schultern oder schmalere? Ich wollte eine Kreatur, in die man sich verlieben kann.

Das Flüstern des Wassers

Vom 15. Februar an in den Kinos

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