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Gute Zäune, gute Nachbarn: Ai Weiwei in New York

Als Student lebte Ai Weiwei einst in New York. Zurück in China wurde er politisch verfolgt und gleichzeitig zum Kunst-Superstar. Jetzt revanchiert sich der Künstler bei seinem geliebten New York mit einer riesigen öffentlichen Schau - und wird natürlich politisch.
Seine Skulptur „Vergoldeter Käfig” hat Ai Weiwei unweit des Trump Towers aufgestellt. Foto: Richard Drew Seine Skulptur „Vergoldeter Käfig” hat Ai Weiwei unweit des Trump Towers aufgestellt.
New York. 

Anfang der 80er Jahre kam Ai Weiwei nach New York, als Einwanderer und junger Kunststudent. „Ich wohnte damals in New York wie viele, viele junge Künstler, vielleicht 60 000.

In den 80er Jahren war es nicht einfach, hier Künstler zu sein, die meisten von uns haben mehrere unterschiedliche Jobs gleichzeitig gemacht, aber es war trotzdem die Stadt, in der jeder Künstler sein wollte.” New York habe ihm viel beigebracht. „Es ist eine Stadt, in der man sich nie als Fremder fühlt, es gibt so viele unterschiedliche Menschen hier, und niemand kann die Anwesenheit des anderen hinterfragen, jeder hat seine eigene Integrität, es ist eine großartige Stadt.”

Weil sein Vater krank wurde, ging Ai Weiwei in den frühen 90er Jahren nach China zurück, wo er später politisch verfolgt, verschleppt und inhaftiert wurde. Sein Pass wurde ihm abgenommen und erst 2015 zurückgegeben. Seitdem lebt er in Berlin - aber New York hat ihn nie losgelassen. Sobald er seinen Pass zurückbekommen habe, sagt Ai Weiwei, habe er mit der Planung begonnen, um der Stadt seine bislang größte öffentliche Kunstausstellung zu präsentierten: „Good Fences Make Good Neighbors” (Gute Zäune machen gute Nachbarn) startet am 12. Oktober an mehr als 300 öffentlichen Orten der Millionenmetropole.

Die Schau sei „der Höhepunkt von Ai Weiweis bisherigem Schaffen”, sagt Nicholas Baume, Chef des Vereins Public Art Fund, der die Ausstellung organisiert und sich selbst zum 40. Jubiläum des Vereinsbestehens geschenkt hat. Und New York sei die „perfekte Leinwand” für das Werk des Künstlers, lässt Bürgermeister Bill de Blasio ausrichten.

„Ich habe lange gezögert, denn ich liebe diese Stadt so sehr, dass ich nicht einfach nur irgendeine Skulptur hinstellen wollte”, sagt Ai Weiwei. „Ich wollte etwas machen, um wirklich meinen Respekt und meine Liebe zu zeigen.” Wie so häufig entschied sich der 60-jährige Aktivist für politisch motivierte Kunst, diesmal rund um die Themen Migration, Flüchtlinge, Mauern und Zäune, mit denen er sich schon häufiger beschäftigt hat. An den Central Park, unter den Torbogen im Washington Square Park und in den Flushing Meadows Corona Park im Stadtteil Queens beispielsweise stellte er meterhohe Metallzaun-Skulpturen.

„Bei Zäunen geht es immer um Identität, um das Verständnis von uns selbst und unsere Haltung gegenüber anderen”, sagte Ai Weiwei bei der Vorstellung der Ausstellung am Dienstag, nachdem er wie stets die anwesenden Journalisten bei der Pressekonferenz zunächst mit seinem Handy vom Podium herunter fotografiert hatte. „In dieser Zeit der dramatischen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen sind das noch viel dringendere Themen.” Gerade die USA nähmen viel zu wenige Flüchtlinge auf. „Die Flüchtlingskrise ist eine globale, humanitäre Krise. Meiner Meinung nach sollten die größten und mächtigsten Länder des Westens viel mehr Verantwortung in dieser Krise übernehmen.”

All das sagt Ai Weiwei vor einer der wohl auffälligsten Skulpturen der Schau: „Vergoldeter Käfig”, ein meterhoher runder und vergoldeter Metallkäfig, direkt am Südende des Central Parks. Drei Straßenblöcke weiter südlich ragt der Trump Tower in die Höhe, von seiner Luxuswohnung aus kann US-Präsident Donald Trump - wenn er sich denn wieder einmal in seiner Heimatstadt aufhalten sollte - direkt darauf schauen. „Dieses Projekt ist für die Menschen der Stadt gemacht”, sagt Ai Weiwei. „Natürlich, wenn er ein Bewohner der Stadt ist, dann ist Präsident Trump herzlich eingeladen, sich an dieser Skulptur zu erfreuen. Ich habe sie auch extra goldfarben gemacht, um ihm eine Freude zu machen.”

(Von Christina Horsten, dpa)
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