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Handy aus für den „Gitarrengott”: Jack White in Berlin

Wenn es heute überhaupt noch einen „Gitarrengott” gibt, dann ist es wohl Jack White. In Berlin erfüllt der US-Amerikaner auch höchste Erwartungen - bei der Einweihung einer neuen Konzert-Location.
US-Musiker Jack White mag keine Smartphones auf Konzerten. Foto: Adam Warzawa US-Musiker Jack White mag keine Smartphones auf Konzerten.
Berlin. 

Der Schauplatz des mit Spannung erwarteten Berliner Konzerts von Bluesrock-Großmeister Jack White - eine Premiere: In der funkelnagelneuen Verti Music Hall lässt es der Sänger und Gitarrist am Freitagabend ordentlich krachen.

Und noch etwas ist ungewohnt beim Auftritt des 43-jährigen US-Amerikaners: Die inzwischen bei Live-Gigs unvermeidlichen Handys - sie fehlen. White hatte seinen Fans - rund 4000 in der frisch eröffneten Halle - klare Vorgaben gemacht: Sie mussten ihre Smartphones am Eingang in spezielle Taschen stecken, die sich magnetisch verschlossen. Dies sollte endlich mal wieder ein Konzert werden, bei dem die Band von der Bühne aus nicht auf eine Wand von Mobiltelefonen mit Foto- und Filmfunktion starrt.

Der Stimmung tut es keinen Abbruch - die Besucher packen ihre Handys ohne Murren in die grünen Futterale und genießen einen Auftritt, der es in sich hatte. Mit seiner hervorragenden vierköpfigen Band - zwei Keyboarder, ein Bassist und eine kraftvoll zu Werke gehende Schlagzeugerin - bietet White eine ausgewogene Mixtur aus Liedern seiner drei Soloalben sowie Songs, die er mit den White Stripes und den Raconteurs populär gemacht hatte, etwa „Button To Button”, „Steady As She Goes” oder - na klar, zum Abschluss - die ewige Stadion-Rockhymne „Seven Nation Army”.

Wer Gitarrenrock für abgehalfert oder gar tot hält, wird mit den wilden Soli und kernigen Riffs von Jack White zwar nicht zwangsläufig vom Gegenteil überzeugt werden, könnte aber immerhin ins Grübeln geraten. Denn wenn es heute noch einen „Gitarrengott” der Sorte Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page oder Prince gibt, dann ist es wohl dieser experimentierfreudige Virtuose aus Detroit.

Auch auf seinem im März erschienenen Album „Boarding House Reach” wurde White diesen Erwartungen gerecht - dank einer Platte, die rau und ungehobelt klang, aber eben auch mutig das Stilspektrum Richtung Elektro-Funk, Hip-Hop, gar Jazz erweiterte. Mit „Connected By Love” und „Over And Over And Over” warf die Platte mindestens zwei neue Live-Klassiker ab - beide spielt White auch in Berlin.

Dass solche Alben riesigen Erfolg haben - sowohl das Solodebüt „Blunderbuss” (2012) als auch „Lazaretto” (2014) und zuletzt „Boarding House Reach” erreichten Platz 1 der US-Albumcharts -, ist im Grunde erstaunlich. Denn weder White noch seine Musik sind angepasst und glatt genug für den Massengeschmack.

In Berlin zeigt der mittlerweile in Nashville lebende Musiker jedenfalls ausgiebig, warum er zu den besten Gitarristen der Rockgeschichte zählt und als besonders charismatischer Sänger gilt. Auch wenn er sich mit Ansagen und Geplauder zurückhält - Jack White ist durchaus in der Lage, die Rampensau zu geben, zum Mitklatschen aufzufordern und seine Soli zu zelebrieren. Nach knapp zwei Stunden Konzert mit allerbestem Sound - diese Bewährungsprobe hat die Verti Music Hall schon mal bestanden - feiern sich eine erschöpfte Band und ein begeistertes Publikum gegenseitig.

Weitere Konzerte von Jack White: 13.10. München, Zenith; 14.10. Dortmund, Warsteiner Music Hall

(Von Werner Herpell, dpa)
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