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Harfouch sieht im Theater feudalistisches System

Corinna Harfouch spielt in Zürich am Schauspielhaus die Irrenärztin Mathilde von Zahn in Dürrenmatts „Die Physiker” unter der Regie von Herbert Fritsch. Wiederaufnahme am 11. Februar.
Corinna Harfouch 2017 in Frankfurt am Main bei der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises in der Alten Oper. Foto: Frank Rumpenhorst Corinna Harfouch 2017 in Frankfurt am Main bei der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises in der Alten Oper.
Zürich. 

Die Schauspielerin Corinna Harfouch (63) sieht das Theater als „das letzte feudalistische System”. „Wenn man miteinander ins Boot springt und losfährt, zu arbeiten beginnt, gilt noch immer: Meuterei ist Untergang. Der Kapitän ist nicht absetzbar. Und vielleicht ist das sogar richtig”, sagte die Charakterdarstellerin der „Neuen Zürcher Zeitung”.

„Jede Produktion hat sechs Wochen Zeit, und in der Zeit muss der ganze Prozess passieren.” Der Termindruck sei groß, da könne es keine Umwege geben. „Du musst dem vertrauen, der vorne sitzt.” Das führe aber eben auch zu „patriarchalen Strukturen”.

Mit Blick auf die #MeToo-Debatte sagte Harfouch: „Es geht um Macht und Machtmissbrauch und vor allem um die Scham der Frauen, darüber zu reden.” Sie merke nach wie vor auch im Kollegenkreis, „wie man sich weiterhin über die Frauen lustig macht”. „Ich würde mir wünschen, dass wir jenseits von Sensationen und Voyeurismus die Gelegenheit ergreifen, um über unser Zusammenleben zu reden.”

Harfouch zog Parallelen zur Politik: „Die Neoliberalisten haben es dem Theater abgeschaut, wie man sich mit seinem ganzen Sein und Körper einer Sache komplett zu Verfügung stellt. Aber man macht das, weil man die Sehnsucht nach einer Grenzerfahrung hat. Das ist natürlich eine ausnutzbare Hingabe. Aber es muss sich etwas ändern: Die Ausbeutung der Leidenschaft am Theater ist enorm.”

(dpa)
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