Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Heavy Metal: Hart, härter, am härtesten

Im Hartmetall-Triumvirat sind sie noch effizienter: „Five Finger Death Punch“, „In Flames“ und „Of Mice & Men“ beschallen im Mini-Festival-Format optimal die Frankfurter Festhalle.
Ivan L. Moody von der amerikanischen Metalband „Five Finger Death Punch“ vollführt an seinem Totenkopf-Mikrofonständer mitunter auch stimmliche Akrobatik. Foto: Sven-Sebastian Sajak Ivan L. Moody von der amerikanischen Metalband „Five Finger Death Punch“ vollführt an seinem Totenkopf-Mikrofonständer mitunter auch stimmliche Akrobatik.

Als vor Dekaden Hardrock und Heavy Metal den Planeten eroberten, galt es für die Vertreter des Genres noch gewisse Regeln und Rituale zu beachten: Mindestens einen, wenn nicht gar mehrere Instrumentalvirtuosen innerhalb der Band, selbstverliebtes Posen mit Langhaarmähnen und meterlange Soloeinlagen mit bis zu einer Viertelstunde mussten als Pflicht auf der To-Do-Liste abgehakt werden. Als sich von den 80er Jahren an dann neue Musikergenerationen als noch härter erwiesen, schwanden diese einst wie in Stein gemeißelten Gebote.

Nordische Helden

Beim aktuellen Dreier in der Frankfurter Festhalle von „Five Finger Death Punch“ und „Of Mice & Men“ aus den Vereinigten Staaten und „In Flames“ aus Schweden lässt sich begutachten, was aus den früheren Gesetzmäßigkeiten wurde. Wobei das offizielle Ranking bei der Tour durch Deutschlands Konzertarenen „Five Finger Death Punch“ und „In Flames“ als Doppel-Headliner, „Of Mice & Men“ als Special Guests listet.

Als besserer Anheizer schon alles im Griff hat das kalifornische Quartett „Of Mice & Men“. Im kompakt harten Sound mit gelegentlichen Reminiszenzen an die von Sangeskollege Corey Taylor angeführten Formationen „Slipknot“ und „Stone Sour“ kommt das ausgezeichnet melodische Songwriting von „Of Mice & Men“ optimal zur Geltung. Dass der 2012 hinzugekommene Bassist Aaron Pauley die Mikrofonpflichten des 2016 ausgeschiedenen Austin Carlile übernommen hat, schlägt zumindest für nicht Eingeweihte nicht weiter zu Buche.

Etwas anders liegt der Fall bei den 1990 vom längst ausgeschiedenen Gitarristen Jesper Strömblad im schwedischen Göteborg gegründeten „In Flames“. Erst im März bespielte das mit Bassist Bryce Paul und Keyboarder Örjan Örnkloo bei Konzerten um Vokalist Anders Fridén und Gitarrist Björn Gelotte erweiterte Kernquartett in einer grandiosen Show das Offenbacher Capitol. Überzeugte in gemütlicher Atelierskulisse zwischen Sofas, Sesseln und Hockern mit zusätzlichem Streicherquartett und erheblich geglätteter Stilistik. Doch schon seinerzeit wurden in einschlägigen Foren mehrheitlich Stimmen laut: Die Fangemeinde bevorzugt ihre nordischen Helden, wenn es in wesentlich härterer Gangart ordentlich zur Sache geht.

Exakt das vollziehen „In Flames“ in opulenter Hightech-Kulisse, wo sich Schlagzeug und Keyboards auf meterhohen Quadern platzieren. Es folgt ein ausführlicher Repertoire-Querschnitt aus zwölf Studioalben in nicht immer exzellenter Klangqualität, der mit „Drained“ noch hinter geschlossenem Vorhang startet und nach knapp zwei Dutzend Songs mit „The End“ sein Finale findet. Dabei erweist sich vor allem Anders Fridén einmal mehr als eloquenter Frontmann, der auch mit lockeren Plaudereien die Fans zu unterhalten versteht.

Rhythmisches Kraftwerk

Regelrecht mit Spannung erwartet wird nach längerer Umbaupause der Auftritt von „Five Finger Death Punch“ aus Las Vegas, Nevada. Als nach dem ausführlichen Intro mit den ersten Takten des exzellenten Riff-Rock-Krachers „Lift Me Up“ endlich der Blick auf einen in der Luft schwebenden Riesentotenschädel und zwei nicht minder imposante gekreuzte Baseballschläger freigelegt wird, empfehlen sich „Five Finger Death Punch“ als würdiger Headliner und Höhepunkt des Mini-Festivals. Ivan L. Moody, auch „The Ghost“ genannt, erweist sich als stimmlich so flexibel wie zu Glanzzeiten: Sämtliche Register zieht der nach Hooligan-Art gekleidete Moody, auf dessen rechtem Auge in roter Farbe ein Handabdruck prangt.

Sologitarrist Jason Hook und Rhythmusgitarrist Zoltan Bathory sorgen in verschlungener Feinabstimmung für eine niemals zum Selbstzweck gereichende Virtuosität. Bassist Chris Kael und Schlagzeuger Jeremy Spencer unterfüttern die Mixtur aus Hardrock und Alternative Metal als kongenial aufeinander abgestimmtes rhythmisches Kraftwerk. Zumal sich „Five Finger Death Punch“ auch noch als stilistisch überaus flexibel empfehlen. Sie lassen es krachen, wo es nötig erscheint, geben aber auch im Akustikteil mit dem Duo Moody und Hook ein 1-A-Bild ab.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse