Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 26°C

Lesung im Mousonturm: Heinz Strunk stellt in Frankfurt seinen Roman „Jürgen“vor

Der Hamburger Autor Heinz Strunk geht mit seinem siebten Roman „Jürgen“ auf Lesetour und macht dabei auch im Frankfurter Mousonturm Station.
Wenn Heinz Strunk in seinen Romanen über Männer schreibt, sind es meist schwer ramponierte Existenzen und Außenseiter. Und so trägt auch sein neuestes Buch „Jürgen“ autobiografische Züge. Wenn Heinz Strunk in seinen Romanen über Männer schreibt, sind es meist schwer ramponierte Existenzen und Außenseiter. Und so trägt auch sein neuestes Buch „Jürgen“ autobiografische Züge.
Frankfurt. 

Wen es nun schlimmer getroffen hat, ist schwer zu beurteilen. Jürgen jedenfalls ist Pförtner in einer Tiefgarage und verlebt mit seiner bettlägerigen, ziemlich dominanten Mutti seine angegrauten Tage. Seinen Frust bekommen die Kuscheltiere aus Kindheitstagen ab. Bernd ist Sachbearbeiter in einem Saatzuchtunternehmen und aufgrund mysteriöser familiärer Schicksalsschläge ganz allein mit sich und seinem Rollstuhl, auf den er seit vielen Jahren angewiesen ist. Seinen Frust bekommt vor allem Jürgen ab. Jürgen und Bernd haben sich nicht gesucht, aber gefunden, und wenn sie sich nicht streiten, schweigen sie sich an. Diese Freundschaft ist das einzige, was ihnen das Leben geschenkt hat. Immerhin.

Zwielichtige Agenturen

Bisher nicht abbekommen haben beide, wen wundert es: Frauen. Jürgen hatte zwar letztens regen SMS-Verkehr mit Manuela, aber nur bis zum Date, danach war auch der abrupt beendet. Doch sie sind Profis, zumindest was die Theorie angeht, und in der Praxis soll sich das endlich auszahlen. Ihre verzweifelte Jagd nach ein bisschen Liebe treibt sie in die Fänge von zwielichtigen Partnervermittlungsagenturen, erst in eine Bar in der Nähe, dann in ein Hotel in Breslau. Doch weder hier noch dort stehen die Zeichen auf Erfolg, stattdessen wird ihre Freundschaft einer ernsthaften Belastungsprobe unterzogen. Es geht um alles oder nichts, in ihrem Falle: wenig oder rein gar nichts.

Nach dieser ausführlichen Zusammenfassung sollte klar sein, wer sich diese moderne Abenteuergeschichte ohne Abenteuer ausgedacht hat, denn es gibt in der deutschen Gegenwartsliteratur kaum jemanden, der die Inspektion des beschädigten Mannes von allen Seiten und zu allen Zeiten so konsequent und beinahe besessen betreibt wie Heinz Strunk. In seinem neuen, mittlerweile siebten Roman „Jürgen“ steht wieder eine schwer ramponierte Existenz im Mittelpunkt, eine typische Verliererfigur mit geringen Chancen auf Besserung der Lage. Wieder einmal ist Hamburg-Harburg Ort des Grauens. Nehmen wir einmal das letzte, zu Recht für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierte Werk „Der goldene Handschuh“ über den Serienmörder Fritz Honka heraus, so reiht sich der Rest zu einem sechsbändigen Fortsetzungsroman über das Leben als Außenseiter mit autobiografischen Zügen. Chronologisch sortiert ist die unter verschiedenen Pseudonymen erlebte Odyssee des 1962 in Hamburg-Harburg als Mathias Halfpape geborenen Heinz Strunk dann so zu lesen: die Kindheit und Jugend in „Junge rettet Freund aus Teich“ (2013) und „Fleckenteufel“ (2009), seine Zwanziger in „Fleisch ist mein Gemüse“ (2004), die Dreißiger in „Die Zunge Europas“ (2008), die frühen Vierziger in „Heinz Strunk in Afrika“ (2011), die späten Vierziger nun in „Jürgen“.

Eine Leidenssaga in sechs Teilen, Fortsetzung nicht ausgeschlossen, komplette Neuverfilmung ebenso. Bisher hat sich dieses Strunk-Prinzip der literarischen Komplettausschlachtung ein und derselben Elendskreatur als äußerst erfolgreich herausgestellt, doch wie lange wird das noch funktionieren?

Erste Ermüdungserscheinungen setzen bereits beim Lesen von „Jürgen“ ein. Irgendwie hat Strunk schon alles erzählt, was es zu diesem loserhaften Typus Männlein zu erzählen gibt, doch das ist nur ein Problem. Die Komik ist längst nicht mehr auf Augenhöhe mit der Tragik, die Charakterisierungen bleiben oft oberflächlich und stereotyp, die Beschreibungen grob und ungenau, platte Sprüche („Ladys First, James Last“) wechseln mit phrasenhaften Wiederholungen und drögen, seitenlangen Exkursen in die Flirt-Ratgeberliteratur nach der Copy-&-Paste-Methode. Am meisten stört allerdings, dass dem Scheitern und den Scheiternden der Rest Würde genommen ist. Ein Roman auf ihre Kosten: Ich-Erzähler Jürgen Dose und Kumpel Bernd Würmer treten als depperte Knallchargen mit Abo fürs Straucheln und Hinfallen auf, Anteilnahme oder gar Mitleid mit den „armen Willis“ will sich da nicht einstellen. Selbst so schlichte Gemüter wie die beiden haben eine komplexere und engagiertere Aufbereitung ihrer deprimierenden und trostlosen Situation verdient.

Ist das vielteilige Jammerlappendrama nun mit „Jürgen“ zu Ende erzählt? Hoffen wir es für uns und Heinz Strunk.

 

Mousonturm Frankfurt, Waldschmidtstraße 4, 8. Mai, 20 Uhr. Eventuell Restkarten zu 20,80 Euro an der Abendkasse. Telefon (069) 4 05 89 50. Internet www.mousonturm.de

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse