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Hessen bei Kunst-Biennale ganz weit vorn

Doppelgewinn für Hessen bei der Kunst-Biennale in Venedig. Anne Imhof aus Frankfurt und Franz Erhard Walther aus Fulda erhalten die wichtigsten Auszeichnungen. Und noch eine Hessin wird mitgeehrt.
Die Preisträgerin und Künstlerin Anne Imhof spricht. Foto: Felix Hörhager Die Preisträgerin und Künstlerin Anne Imhof spricht. Foto: Felix Hörhager
Wiesbaden/Venedig. 

Goldmedaillen für Kunst aus Hessen: Bei der Biennale in Venedig - einer der bedeutendsten Kunstausstellungen der Welt - haben Anne Imhof aus Frankfurt und Franz Erhard Walther aus Fulda die beiden wichtigsten Preise gewonnen. Imhof gestaltete den deutschen Pavillon, der den Goldenen Löwen als bester nationaler Beitrag bekam. Walther wurde mit dem Goldenen Löwen als bester Künstler ausgezeichnet.

Die Kuratorin des Pavillons, Susanne Pfeffer, kommt ebenfalls aus Hessen: Sie ist die Direktorin des Museums Fridericianum in Kassel, stammt aus der Region Fulda. In den Heimatstädten der Geehrten wurde die Nachricht von den Gewinnen mit Begeisterung aufgenommen. Der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) sprach von einem „großartigen Erfolg”.

Im deutschen Pavillon zeigt Imhof (39) eine etwa fünf Stunden lange bedrückende Performance. Unter dem Titel „Faust” spielt sie mit den Themen Macht und Ohnmacht, Willkür und Gewalt, Widerstand und Freiheit. Durch das monumentale Gebäude wurden dicke Glasböden gezogen, Hunde stehen in einem Zwinger vor dem Pavillon.

Ihr Beitrag stehe für „das Recht, anders zu sein”, sagte Imhof in ihrer Dankesrede. Er stehe auch für die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. Der deutsche Pavillon wurde in der NS-Zeit von den Nazis umgestaltet und für ihre Propaganda genutzt. Die Jury lobte die „kraftvolle und verstörende Arbeit”.

Walther (77) zeigt in Venedig ein großformatiges Werk aus Textil und Stahlplatten. Seine Arbeiten hätten einen „radikalen und komplexen Charakter”, so die Jury. Walther ist bekannt für seine Kunst, bei der der Betrachter teilhaben kann. „Wenn Sie nun in die Ausstellung gehen, können sie (in dem Werk) aktiv werden. Es ist also für Sie alle möglich, ein Kunstwerk zu werden”, sagte Walther in seiner Rede.

Am Rande der Schau sagte der 77-Jährige, er freue sich über die Anerkennung unter all den jungen Künstlern auf der Biennale. Es gebe in der Kunst nichts Größeres zu erreichen. „Welchen Preis soll ich jetzt noch bekommen?”

Kunstminister Rhein gratulierte den Gewinnern. „Ich freue mich sehr, dass mit Anne Imhof und Franz Erhard Walther gleich zwei ehemalige Studenten der Frankfurter Städelschule und der Offenbacher Hochschule für Gestaltung auf einer der wichtigsten Kunstausstellungen der Welt für ihre Arbeit ausgezeichnet wurden”, sagte er laut Mitteilung.

Der Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) nannte den Sieg von Imhof und Walther eine herausragende Ehre für seine Stadt. Er wies darauf hin, dass Imhof in Fulda aufwuchs. Schon vorher habe er zu beiden Kontakt gehabt. „Und natürlich waren wir schon sehr stolz darauf, dass beide so prominent auf der Biennale vertreten sind. Aber dass jetzt beide noch in dieser herausragenden Weise ausgezeichnet werden, ist natürlich für eine Stadt wie Fulda ein herausragendes kulturelles Ereignis”, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Man werde sich nun etwas einfallen lassen, um die Freude über den Gewinn den Künstlern gegenüber gebührend zum Ausdruck zu bringen.

Die Würdigung der Fuldaer Künstler in Venedig verstehe die Stadt auch als Ansporn, die örtliche Kunstszene aktiv zu unterstützen und das Wirken der beiden Preisträger auch vor Ort zu würdigen, sagte Wingenfeld laut Mitteilung. Es gebe ohnehin schon Überlegungen für eine große Walther-Retrospektive im Rahmen der Feiern zum 1275-jährigen Bestehen Fuldas im Jahr 2019.

Auch der Kasseler Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) sieht im Goldenen Löwen für den deutschen Pavillon eine Auszeichnung für seine Stadt. „Der Gewinn macht mich ein bisschen stolz”, sagte Hilgen, der selbst nach Venedig gereist war, der Deutschen Presse-Agentur. Die Arbeit von Pfeffer und Imhof sei „ganz hervorragend”. „Das hat allerhöchsten Respekt verdient.” Nach ihrer Rückkehr nach Kassel werde die Stadt den Erfolg von Pfeffer gebührend würdigen. „Wir sind stolz und freuen uns darauf, wenn Susanne Pfeffer im kommenden Jahr ihre kuratorische Arbeit im Kasseler Fridericianum fortsetzen wird”, sagte er laut einer Mitteilung der Stadt.

Die 57. Kunst-Biennale öffnete am Samstag für das Publikum. Zu der Schau werden bis zum 26. November eine halbe Million Besucher erwartet. In der Hauptausstellung unter dem Titel „Viva Arte Viva” (etwa: Es lebe die Kunst, sie lebe) zeigen etwa 120 Künstler aus 51 Ländern ihre Werke, darunter neben Walther drei weitere deutsche Künstler. Neben der Hauptausstellung präsentieren mehr als 80 nationale Pavillons die Beiträge ihrer Länder.

(dpa)
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