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Frankfurter Winterfestival „White Nights“: Horror in der Nachbarschaft

Von Sogar ein Schocker von „Taxidriver“-Autor Paul Schrader läuft bei den „White Nights“ im Frankfurter Kino Metropolis. Dort gibt es lauter rohe Botschaften.
Das, was die beiden Kinder in Chris Peckovers Schocker „Safe Neighborhood“ sehen, deutet nicht auf eine sichere Nachbarschaft hin. Der australische Regisseur hat sich für seine Gruselgeschichte die Winterzeit mit verschneiten Häusern und Straßen ausgesucht. Bilder > Das, was die beiden Kinder in Chris Peckovers Schocker „Safe Neighborhood“ sehen, deutet nicht auf eine sichere Nachbarschaft hin. Der australische Regisseur hat sich für seine Gruselgeschichte die Winterzeit mit verschneiten Häusern und Straßen ausgesucht.

In einer idyllischen Vorstadtsiedlung kriecht eine junge Frau blutend durch den Schnee. Die Babysitterin Ashley, gespielt von Olivia DeJonge, hatte nicht damit gerechnet, von einer Bande verrückter Killer überfallen zu werden – ausgerechnet an Weihnachten. Da mutiert das Fest der Liebe im Handumdrehen zum Fest der Hiebe. Der Horror-Thriller „Safe Neighborhood“ ist ein typischer Beitrag für das Frankfurter Fantasy-Filmfest, das üblicherweise im Frühjahr und Sommer Angstschweißperlen garantiert. Weil die Sonderausgabe im Winter 2015 unter dem Titel „White Nights“ aber für süß klingelnde Kassen sorgte, steht nun die zweite Auflage ins Haus.

Hunde verspeisen Hunde

Mag es am Wochenende des 21. und 22. Januar immer noch stürmen oder schneien, die Genre-Fans werden ins Frankfurter Metropolis-Kino pilgern, um sich an zehn höllisch heißen Deutschlandpremieren zu wärmen. Darunter findet sich die Gangster-Farce „Dog eat Dog“, der Comeback-Versuch des mittlerweile 70-jährigen Veteranen Paul Schrader. Der einstmals gefeierte Autor („Taxi Driver) und Regisseur („Cat People“) schien nach einer Serie von Misserfolgen im ewigen Eis verschollen. Nun will Schrader die Karriere im Herbst seines Lebens auftauen, mit einer Geschichte über drei Ex-Sträflinge, die von einem Mafia-Boss angeheuert werden, das Baby eines Rivalen zu kidnappen. Die Buchvorlage stammt von dem ehemaligen Bankräuber Eddie Bunker, der als Schauspieler in Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ auftrat. Die skurrilen Dialoge und gewalttätigen Bild-Collagen drängen einen Vergleich mit dem Tarantino-Stil auf, wissen jedoch auf ihre eigene, originelle Weise zu gefallen. In den Hauptrollen haben Nicolas Cage und Willem Dafoe sichtlich Spaß am gepflegten Irrsinn.

Dracula hat Erben

Die beiden US-Stars sind nicht nur für exzentrische Auftritte bekannt, sondern haben in der Vergangenheit auch schon mal den einen oder anderen Vampir gespielt. Draculas Erben tummeln sich in diesem Jahr reichlich auf den „White Nights“. Ein besonders gefräßiges Exemplar der Gattung Blutsauger begegnet einer Truppe von Nachtwächtern in „The Night Watchmen.“ Entgegen der Tradition trägt dieser Spitzzahn allerdings keinen schwarzen Umhang. Ganz am Puls der Zeit orientiert, kommt er als Horror-Clown verkleidet. Regisseur Mitchell Altieri huldigt den monströsen Splatter-Spektakeln der 80er Jahre und inszenierte eine temporeiche, nicht ganz ernst gemeinte Geisterbahnfahrt.

Einen schwarzen Untoten hat es seit den Tagen des Trash-Films „Blacula“ (1972) nur selten gegeben. In Michael O’Sheas Erstlingsfilm „The Transfiguration“ bekommt die afro-amerikanische Gemeinde endlich einen würdigen Nachfolger. Milo (Eric Ruffin) ist vierzehn Jahre alt und lebt mit seinem älteren Bruder in einem heruntergekommenen Viertel von Queens. In der Schule wird er gemobbt, zu Hause flüchtet er sich in Grusel-Videos. Es dauert nicht lange, bis blutleere Leichen seinen Weg pflastern. Steckt in Milo ein echter Vampir oder die gequälte Seele eines Serienkillers? Eric Ruffins zurückgenommenes, unter die Haut gehendes Spiel zählt in jedem Fall zu den Höhepunkten des Festivals.

Mit seiner Vampir-Komödie „Fünf Zimmer, Küche, Sarg“ hat der Neuseeländer Taika Waititi vor drei Jahren einen Hit gelandet. Dass sein Gespür für komische Käuze und grotesken Humor keine Ausnahme war, bestätigt Waititi mit „Hunt for the Wilderpeople“. Der aufmüpfige Teenager Ricky hat bereits diverse Pflegefamilien verschlissen. Seine letzte Chance ist das Hinterwäldler-Ehepaar Bella und Hec. Nach einem durchaus harmonischen Beginn ereignet sich ein unvorhergesehener Zwischenfall, und Ricky muss mit seinem Ziehvater Hec vor einer Horde von Kopfgeldjägern flüchten. Ein groteskes Abenteuer im neuseeländischen Busch nimmt seinen Lauf, wobei das glänzend besetzte Schauspielduo Julian Dennison und Sam Neill („Jurassic Park“) eine Dschungel-Prüfung der abgehobenen Art ablegt.

Gänzlich überirdisch zeigt sich Ex-Vampir Kellan Lutz („Twilight“) beim Kampf gegen Aliens im Science-Fiction-Kracher „The Osiris Child“. Weitaus bodenständigeren Nervenkitzel liefert „The Invisible Guest“, die spanische Variante des Hollywood-Hits „Gone Girl“. Als der Unternehmer Adrián (Mario Casas) in einem Hotelzimmer aufwacht, findet er die Leiche seiner Geliebten im Bad. Sie wurde ermordet, und alle Beweise sprechen gegen ihn. Dennoch beteuert Adrián seine Unschuld. Die erfolgsverwöhnte Anwältin Virginia (Ana Wagener) setzt alles daran, den Kopf ihres Mandanten aus der Schlinge zu ziehen. Aber kann sie ihm trauen? Die Antwort lässt das verschachtelte Krimi-Puzzle lange offen und erweist dem großen Geist Alfred Hitchcocks eine würdige Reverenz.

Unheilvolle Befehle

Auch Publikumsliebling Alice Lowe, gefeiert als Schauspielerin an der Seite von Simon Pegg („Hot Fuzz“), verneigt sich in ihrem Regiedebüt vor einem Gänsehaut-Klassiker. „Prevenge“ erinnert in seinen aufregendsten Momenten an „Rosemary’s Baby.“ In beiden Schockern geht es um eine unheilvolle Schwangerschaft. Nach einer Gräueltat, die gleich zu Beginn drastisch ins Bild gesetzt wird, erwartet die Witwe Ruth (gespielt von Alice Lowe selbst) nichts mehr vom Leben. Ausgenommen das Kind, das in ihrem Leib heranwächst. Die Beziehung zu dem Ungeborenen geht weit über normale Mutterliebe hinaus. Ruth spürt, wie ihr der Fötus Befehle erteilt, denen sie akribisch nachgeht. Dass es sich dabei nicht um frohe Botschaften eines künftigen Heilands handelt, steht bei einem solchen Prunkstück der Fantasy-„White-Nights“ außer Frage.

 

Fantasy-Filmfest „White Nights“. Kino Metropolis, Eschenheimer Anlage 40, Frankfurt. 21. Januar ab 14 Uhr, 22. Januar ab 13.30 Uhr. Karten vorab zu 10 Euro unter Telefon (069) 95 50 64 01.
Internet www.fantasyfilmfest.com

 

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