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Stalburgtheater: Ich Pascha, du Jane: Neues Stück „Captain’s Dinner“

Von Michael Herl erzählt in seinem neuen Stück „Captain’s Dinner“ im Frankfurter Stalburg-Theater eine moderne Robinson-Crusoe-Geschichte.
Undine Schmiedl und Andreas Wellano erproben die Möglichkeit, auf einer Insel zu stranden und nur noch zu zweit zu sein. Undine Schmiedl und Andreas Wellano erproben die Möglichkeit, auf einer Insel zu stranden und nur noch zu zweit zu sein.
Frankfurt. 

Die Ausgangssituation ist keine unbekannte: Ein Mann erleidet Schiffbruch und erwacht auf einer einsamen Insel in der Südsee. Allerdings hat Wolfgang dies selbst verschuldet, ist sein Luxusdampfer doch nicht unter-, sondern nur er selbst im Vollrausch über die Reling gegangen. Erinnerungen an Robinson Crusoe oder den vom US-Schauspieler Tom Hanks in ähnlicher Lage dargestellten Chuck Noland werden wach, zumal am Strand ein bemalter Ball namens Wilson liegt.

Doch der in die Rentnerjahre gekommene Gestrandete hat auch menschliche Gesellschaft: Eine weitaus jüngere Frau, die er als seine „Jane“ identifiziert, lebt auf dem Eiland. Warum und wie die beiden miteinander auskommen, das erzählt Michael Herl in seinem neuen Stück „Captain’s Dinner“.

Der künstlerische Leiter des kleinen Stalburg-Theaters im Frankfurter Nordend hat dafür neben Ensemble-Mitglied Undine Schmiedl, die zuletzt schon in „Gut gegen Nordwind“ eine tragende Rolle in der Beziehungskomödie übernommen hatte, den am Main bestens bekannten Andreas Wellano auf die Bühne geholt. Die Rolle des erfolgreichen Unternehmers im Ruhestand, der sich nun als Abenteurer bewähren muss, hat Herl dem 68-Jährigen auf den Leib geschrieben. So darf Wellano sich anfangs in einem quälend langen Monolog ergehen. Er outet den Protagonisten als unsympathischen Pascha, während seine Partnerin wie eine lauernde Wildkatze um ihn herumschleicht. Dabei geht es auf und ab, denn mehrere als Rampen angelegte Podestteile verwandeln die Bühne (Gestaltung: Mo Bauer) in unwegsames Gelände, während im Hintergrund hängende, löchrige Fischernetze für geisterhaft maritime Stimmung sorgen.

Erwartungsgemäß entwickelt sich unter der Regie von Katja Lehmann eine Studie über Geschlechterrollen und Urinstinkte. Der in seiner heilen Welt verwöhnte Großindustrielle passt sich überraschend schnell seinem neuen Umfeld an und entpuppt sich als geschickter Jäger, der aus rohem Fisch schmackhaftes Sushi zubereitet, und dem selbst ein durch das Naturparadies hoppelnder Hase nicht entgeht. Den Widerstand seiner Mitbewohnerin, die den „gut gewässerten“ und dennoch nach Alkohol riechenden Herrn im zerrupften Smoking (Kostüme: Petra Gismann) partout nicht ins Eigenheim lassen will, kann er so brechen. Allmählich freunden sich die beiden an, üben gemeinsam ein bisschen Gesellschaftskritik und zerlegen einander in Einzelteile.

Zündende Pointen sind dabei allerdings Mangelware. Die Witze sind vorhersehbar und bewegen sich auf seichtem Niveau à la „Nicht überall, wo ein Meer ist, ist auch ein Rettich“. Wer darüber noch lachen kann, verlebt einen unterhaltsamen Abend.

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