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Ideen stehen im Raum

Die einstige Schülerin von Gerhard Richter an der Düsseldorfer Kunstakademie entwirft raumgreifende Skulpturen für Gebäude, Brücken und Plätze.
Modell zu Isa Genzkens „Rose“ (1993), geschaffen aus Kunststoff, Holz und Acrylfarbe für den Park der Villa Schriever in Baden-Baden. Foto: Nick Ash Modell zu Isa Genzkens „Rose“ (1993), geschaffen aus Kunststoff, Holz und Acrylfarbe für den Park der Villa Schriever in Baden-Baden.

Wie stellt man Arbeiten einer Künstlerin aus, die ganze Gebäude, Brücken oder Plätze umfassen? Isa Genzken, einer der vielseitigsten deutschen Künstlerinnen, sprengt mit ihren Außeninstallationen die Ausmaße jedes Ausstellungsortes. Die Bundeskunsthalle in Bonn hat es nun dennoch geschafft, 35 ihrer wichtigsten Entwürfe in eine Ausstellungshalle zu packen: Denn sie zeigt lediglich die kleinen Modelle.

Unter dem Titel „Isa Genzken. Modelle für Außenprojekte“ sind bis zum 17. April Entwürfe von realisierten und nicht verwirklichten Skulpturen und architektonischen Arbeiten der 1948 geborenen Künstlerin zu sehen. „Es ist eine Mini-Retrospektive, aus der klar wird, wie Isa Genzken sich über die vergangenen 30 bis 40 Jahre immer wieder erneuert hat“, sagt der Leiter der Bundeskunsthalle, Rein Wolfs. Die in Berlin lebende Künstlerin gilt als äußerst vielseitig. Frühe Arbeiten zeigen Einflüsse von Minimalismus und Konzeptkunst. Später stellt sie auch Bezüge zum Realismus und zur Pop Art her. Sie arbeitet mit Stahl, Beton, aber auch mit Textilien, Papier oder Industriematerial. „Ihre Arbeiten ermöglichen immer wieder überraschende, manchmal auch irritierende Erfahrungen“, sagt Kuratorin Susanne Kleine. Genzken versteht es, durch ihre Installationen die Proportionen im öffentlichen Raum zu verschieben. Großes wird klein, Schweres wird leicht. Eines ihrer bekanntesten Werke in Deutschland ist die naturgetreue Rosen-Skulptur, die sie für den Park des Kunstsammlers Frieder Burda entwarf, von der aber auch ein Abguss vor der Neuen Messehalle in Leipzig steht. Aus der kleinen, federleichten Blume machte die Künstlerin eine schwere stählerne Skulptur, die mit ihren über zehn Metern Höhe Menschen plötzlich klein aussehen lässt.

Über der Autobahn

Die Ausstellung zeigt auch eine Reihe unverwirklichter Vorhaben, etwa den Entwurf von 1988 für eine Skulptur am Autobahnstadtring in Amsterdam. Genzken schwebten 30 Meter lange Stahl-Tulpen vor, deren Stängel über der Autobahn schwingen sollten. Doch daraus wurde nichts. Die Amsterdamer Kommission habe sich offenbar veralbert gefühlt, sagt Genzken. Außerdem wäre das Projekt wohl zu teuer geworden. Einen Gegensatz zu den poetischen Blumenskulpturen bilden Genzkens Arbeiten mit Beton. Rohbau-Konstruktionen seien ihr lieber, „weil das rationale Denken der Ingenieure mehr mit der Wahrheit zu tun hat, als das routinemäßige Verdecken der Fassaden mit pseudoedlen Materialien. Für einen Standort in Bonn entwarf Genzken einen raumgroßen, rechteckigen Betonbrunnen, der aber nie gebaut wurde.

Andererseits kontrastiert sie die mächtigen Betonkolosse der Städte mit feingliedrigen Arbeiten, wie etwa im Entwurf für die Verbindung zweier Frankfurter Hochhäuser durch eine Wäscheleine. Vor der gotischen Kirche Unserer Lieben Frauen in Münster inszenierte sie 2007 anlässlich der Ausstellung „Skulptur-Projekte“ in Münster zwölf aus Sonnenschirmen, Puppen und Kinderwagen bestehende Skulpturen zu einem Passionsspiel. Ein aktuelles Modell zeigt Genzkens Pläne für die „Skulptur-Projekte“ im kommenden Jahr: Hier scheint die Künstlerin Anleihe bei der Pop Art zu machen. Sie möchte Figuren aus der New Yorker Macy’s Parade nach Westfalen holen. Die Comicfiguren, die als riesige Ballons an Seilen durch die weiten Boulevards New Yorks gezogen werden, sollen dann durch die engen Straßen Münsters geschleust werden. Dabei dürften die Häuser dann plötzlich recht klein erscheinen.

Vorstellungskraft gefragt

Die Bonner Schau kann nur eine Ahnung von der Wirkung der Installationen Genzkens vermitteln. Zwar werden auch Fotos gezeigt, aber der Besucher sollte viel Vorstellungsvermögen mitbringen. Die Schau gewährt einen Überblick über Genzkens Außeninstallationen. Damit erschöpft sich die Vielseitigkeit ihres Werkes, das derzeit auch im Amsterdamer Stedelijk-Museum zu sehen ist, allerdings noch lange nicht. Die 67-jährige schuf auch Filme, Fotografien, Malereien und Arbeiten auf Papier. Sie vertrat Deutschland 2007 bei der Biennale in Venedig und ist dreifache Documenta-Teilnehmerin. Ihr Werk wurde unter anderem 2013 im Museum of Modern Art in New York.

Bundeskunsthalle, Museumsmeile, Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn. Bis 17. April, dienstags und mittwochs 10–21 Uhr, donnerstags bis sonntags 10–19 Uhr. Telefon (0228) 91 71-200.
Internet www.bundeskunsthalle.de

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