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"Call me by your Name": Im Land, wo die Zitronen blühn

Von Mit der stilvoll inszenierten Begegnung zweier Männer vollendet Regisseur Luca Guadagnino in der Lombardei seine „Trilogie des Verlangens“.
Elio (Timothée Chalamet, links) begrüßt den amerikanischen Ferienhospitanten Oliver (Armie Hammer, rechts), in den er sich verlieben wird. Foto: - (Sony Pictures Entertainment Deut) Elio (Timothée Chalamet, links) begrüßt den amerikanischen Ferienhospitanten Oliver (Armie Hammer, rechts), in den er sich verlieben wird.

Wieder ist es eine stilvolle Villa auf einem Anwesen im sommerlichen Italien, die den Schauplatz abgibt. Wieder ist es eine kleine Gruppe von Menschen, die sich in der ländlichen Abgeschiedenheit zusammengefunden haben. Wieder wird sich unter den Ereignissen der gemeinsam verbrachten Wochen alles verändern und doch so vieles gleich bleiben. Weil die Kunst des Erzählens auch darin besteht, die Gegenwart so zu schildern, dass Vergangenheit und Zukunft mit in ihr geborgen sind.

Der Italiener Luca Guadagnino gehört zu den Regisseuren, die meisterhaft elegische Stimmungen heraufbeschwören und inszenieren können. Bei ihm geht es um alles, was nicht unmittelbar greifbar und doch vorhanden ist. Alles, was zwischen Männern und Frauen entstehen und vergehen kann. Nach „Ich bin die Liebe“ und „A bigger Splash“ (mit Tilda Swinton, Ralph Fiennes und Matthias Schoenaerts) widmet sich der Filmemacher nun einer homosexuellen Sommerliebe auf einem Gut in der Lombardei und vollendet damit seine „Trilogie des Verlangens“.

Der 17-jährige Elio (Timothée Chalamet) verbringt mit seinen Eltern seine Ferien in der Nähe von Crema. In der Sonne liegen, tagträumen, lesen, Klavier spielen und sich mit Marzia (Esther Garrel) aus dem Städtchen treffen – das sind die Beschäftigungen des jungen Mannes. Der Vater als Kunstprofessor und die Mutter als Deutschübersetzerin bieten das kultivierte liberale Zuhause dafür. Als der amerikanische Sommerhospitant Oliver (Armie Hammer) eintrifft, wird Elio von Verwirrung erfasst.

Blond und braun

Er, der schmale, blasse Dunkelhaarige, ist gebannt von dem hochgewachsenen, gut gebauten, gebräunten Blonden, der sich so selbstsicher in die neue Umgebung einfindet. Allmählich beginnt Elio, seine homoerotische Zuneigung zu erkennen. Und es fängt jene Phase der Erkundung an, die klären soll, inwiefern seine Gefühle erwidert werden.

Es ist kein Drama, das Luca Guadagnino hier nach dem Roman des Amerikaners André Aciman entwickelt hat, nur eine Zustandsbeschreibung. Es gibt keinen Ärger, keine Zerwürfnisse, keine großen Enttäuschungen. Es gibt lediglich stille Sehnsucht, tiefen Genuss, zarte Wehmut und schmerzliches Bedauern.

Dass dennoch eine starke Spannung über dem Geschehen liegt, hat ebenso mit den entstehenden und sich verändernden Beziehungen zu tun wie mit der sommerlichen Sinnlichkeit. Sie erfüllt die Körper, die Seelen und die Natur ringsum. Die Gewässer reizen zum Schwimmen, die Aprikosenbäume geben ihre Früchte, der gefangene Fisch bewegt noch das Maul, wenn er in die Küche getragen wird, und immer wieder wird auf der Terrasse oder unter den Bäumen der Esstisch gedeckt. Dazwischen gibt es kleine Hinweise auf die Antike, in der die Homoerotik bereits als allumfassendes Empfinden gefeiert wurde – bis zum Untergang dieser Kultur.

Keine Handys

Der Filmtitel „Call me by your Name“ steht für die Vereinigung des Paars. „Ruf mich bei deinem Namen“ bedeutet für Elio und Oliver: Aus dem Ich und dem Du ist ein Wir geworden. Das Suchen und Finden des jeweils Anderen spielt sich hier gemäß der Romanvorlage in den 80er Jahren ab. Und auch diese Datierung bringt eine ganz eigene filmische Atmosphäre hervor: Es gibt noch keine Handys, keine Tablets, keine Computer. Allenfalls ein Tischtelefon. Das alles zusammen wirkt wie eine Rückkehr zur Ruhe. Oder in ein ungestörtes, beschauliches Arkadien. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+OmU), Harmonie (D+OmU), Metropolis (OF)

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