Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Im Stehen oder waagerecht?

Die Berliner Band „Mia“ bewegt sich auf ihrem neuen Album „Biste Mode“ zwischen den Koordinaten Ich und Du.
Auch „Mia“-Frontfrau Mieze Katz besingt die Liebe. Foto: H.Flug Auch „Mia“-Frontfrau Mieze Katz besingt die Liebe.

Das Warten hat ein Ende. Tja, wo ist er denn nun, der neue Missgriff von „Mia“, auf den schon alle sehr gespannt waren? Im Video zur ersten Single „Lauffeuer“ versteckt? Fehlanzeige. Was ist mit der Covergestaltung des neuen Albums „Biste Mode“? Nichts zu holen. Vielleicht bietet eine Textzeile Potenzial für eine nächste Welle der Entrüstung. „Ich gründe einen neuen Staat / der alte hält grad Winterschlaf“, heißt es gleich im zweiten Song. Reicht das? Ist da eine Beleidigung von Bundesmutti Merkel herauszuhören? Oder ein Aufruf zum Umsturz? Eine Kritik der sozialen Eiseskälte womöglich?

Ach nein, so richtig ist dann doch keiner der Tatbestände erfüllt. Das zitierte Stück trägt den Titel „United States of Ich und Du“ und verhandelt mehr die Zweisamkeit und die Formel des gemeinsamen Glücks. Die Berliner Band „Mia“ scheint mittlerweile ihre schrägen Geistesblitze und schrillen Gefühlsausbrüche im Griff zu haben und unterläuft damit die Erwartungshaltung. Sie ist aktuell nicht auf Ärger aus, diesen Eindruck vermittelt zumindest ihr sechstes Album, das mit 15 Songs allerhand bietet, kurze und lange, laute und leise Wortmeldungen, nur keinen Anlass für Ärger. Ist das nun gut oder schlecht?

Schon das Feld, welches inhaltlich beackert wird, hält nicht allzu großes Konfliktpotenzial bereit. Getextet wird in Deutsch, Englisch und Berlinerisch über das Verhältnis von Ich und Du in seinen vielfältigen Erscheinungsformen, von Bekanntschaft, Freundschaft, Liebschaft bis Partnerschaft. Das reicht von „Zu mir kannste immer wieder kommen“ über „Ich meine es gut mit dir“ bis „Ich will’s konkret, ich will es echt / im Stehen oder waagerecht“. Für das erste – kumpelige – Angebot liefert Chanson den musikalischen Rahmen, bei der letzten – expliziten – Ansage ist es Techno. Hier die zart gezupften Saiten der Akustikgitarre und die sachte angeschlagenen Tasten des Klaviers, dort das stumpfe Hämmern des Beats: zwei Formen von Leidenschaft. Texterin und Sängerin Mieze Katz hastet in der ihr eigenen aufgekratzten Art immer wieder der Liebe nach. Mal ist die Liebe im Kommen, mal ist sie im Gehen, mal ist sie platonisch, mal ist sie körperlich.

Mit Felix Räuber, vor Jahren bei „Polarkreis 18“ aktiv, begibt sich „Mias“ Mieze sogar durch die Liebeshölle („Schick mich“). Die Sprache ist dabei an einigen Stellen etwas platt und plump geraten, die Musik auch. Für die Vertonung der mannigfachen Emotionen begeben sich „Mia“ in den Club. Ihr bewährter Elektropop, der sich mit Elektropunk und Elektrorock mischt, gibt auch House oder Eurodance eine Chance. NDW ist sowieso mit drin. Fanfarige Synthies, „Ideal“-Gitarrenakkorde, Dub-Rhythmen, Mainstream-Pop-Melodien dürfen es neben- oder miteinander versuchen.Manchmal wird die Zweisamkeit auch weiter gefasst: um auf die Suche nach dem anderen zu gehen, um für die Freiheit des anderen zu kämpfen, um gemeinsam Wut und Mut zu teilen. Einen Kommentar auf ihr ramponiertes Image kann sich die Sängerin der 1997 gegründeten Band allerdings nicht verkneifen: „Das Feuilleton zerreißt mich / weil ich, ach Gott, was weiß ich“. Das Stück heißt „Berg und Tal“, es geht um das Auf und Ab in Leben, Liebe und dem Rest. Der Erfolg immerhin hält sich bei „Mia“ längst auch ohne den Ärger. Dazu wird das brave Album „Biste Mode“ seinen Teil beitragen.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse