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Shirley MacLaine spielt in „Zu guter Letzt“ eine Unausstehliche: Immer Ärger mit Harriet

Von Mark Pellingtons Gesellschaftskomödie „Zu guter Letzt“ handelt von einer denkbar unbeliebten Frau, die sich vor Ende ihres Lebens noch einen guten Nachruf verschaffen will.
Sicherlich hat Harriet (Shirley MacLaine) von ihrer Großmutter gehört, dass sie die Zunge nicht rausstrecken soll. Doch gehört Harriet zu den Frauen, die das schon als kleines Mädchen sehr schnell wieder vergessen haben. Foto: Beth Dubber Sicherlich hat Harriet (Shirley MacLaine) von ihrer Großmutter gehört, dass sie die Zunge nicht rausstrecken soll. Doch gehört Harriet zu den Frauen, die das schon als kleines Mädchen sehr schnell wieder vergessen haben.

Harriet ist eine so unausstehliche wie wohlhabende Alte, die wie ein Geier auf ihren Erfolgen hockt. Von ihrem Ehemann ist sie geschieden, mit ihrer Tochter hat sie sich entzweit, und auch ihre Werbeagentur hat sie im Krach verlassen. Jetzt kann die pensionierte Anzeigenfachfrau nur noch den Gärtner zusammenstauchen, weil er die Hecke nicht ordentlich stutzt.

Dass Harriet (Shirley MacLaine) auf ihrer Beerdigung ziemlich allein bleiben könnte, weil niemand ihr eine Träne hinterherweinen wird, lässt sie trotzdem nicht kalt. Wenn all die anderen gestorbenen Unausstehlichen ihrer Kleinstadt die reinsten Lobeshymnen in der örtlichen „Bristol Gazette“ erhalten, warum dann nicht sie? Am besten diktiert sie die posthume Würdigung gleich selbst, meint Harriet und macht sich auf in die Redaktion. Doch die zuständige Journalistin Anne (Amanda Seyfried) sträubt sich noch: Harriet muss ihr missratenes Leben erst so korrigieren, dass im Nachruf nicht allzu schamlos gelogen werden muss.

Nun beginnt die mühsame Zähmung einer widerspenstigen alten Frau durch eine kaum willfährigere junge Frau, und Regisseur Mark Pellington („Arlington Road“) findet genau die richtige Tonlage dafür. Wenn Reporterin Anne ihrer unbeliebten Auftraggeberin ironisch mehr Engagement für ein „sozial benachteiligtes Kind“ empfiehlt, weil das jeden Nachruf extrem gut schmückt, dann ist das noch gar nichts im Vergleich zu den Sarkasmen, mit denen Harriet um sich schlägt. Unterm Strich haben von dem erzwungenen Miteinander aber beide Frauen etwas: Kaum muss sich die strebsame Anne ausnahmsweise über ihr unfertiges Leben ausheulen, hat Harriet ein paar lebenskluge Bosheiten bereit. Die Versöhnlichkeit wird hier mit Beherztheit, aber nie mit vorauseilendem Gehorsam bedient.

Unterdessen geht die Handlung von Drehbuchautor Stuart Ross Fink so rasant wie zielstrebig voran und lässt nebenbei wissen, dass in Harriets starkem Charakter letztlich große Ehrlichkeit liegt, was in Zeiten gesichtsloser Massenangleichung von kaum überschätzbarer Liebenswürdigkeit zeugt. Shirley MacLaine, die das Filmemachen vor über 60 Jahren unter Alfred Hitchcock begann und „Immer Ärger mit Harry“ drehte, lässt nun sozusagen „Immer Ärger mit Harriet“ folgen. Blicke blitzen, und Ellenbogen fahren aus. Sollte „Zu guter Letzt“ zufällig ihr letzter Film sein, könnte in dem Nachruf auf ihr Lebenswerk stehen, dass sie mit 82 noch ganz auf der Höhe ihrer tollkühnen Kunst war. Sehenswert

 

Frankfurt: Cinema (D+OmU).
Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach: Cinemaxx. Mainz: Cinestar

 

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