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Popstar: In Anastacias Konzert steckt noch ganz schön viel Liebe drin

„Evolution“ ist das Motto ihrer aktuellen Tournee. Aber auf welcher Entwicklungsstufe sich die US-amerikanische Sängerin derzeit befindet, vermochte sie mit ihrem Konzert in der Alten Oper nicht wirklich zu beantworten.
Anastacia – cool und sexy nach wie vor. Foto: Sven-Sebastian Sajak Anastacia – cool und sexy nach wie vor.

Wenn das Wetter besser wird, kommt Leben in die Stadt. Vor der Alten Oper hat sich ein Straßenmusiker aufgebaut. „Je suis Youri“ steht auf einem kleinen Schild. Er singt voller Inbrunst Leonard Cohens „Hallelujah“. Ein kleines Mädchen stibitzt ihm zum Dank zwei 5-Euro-Scheine aus seinem Gitarrenkoffer, der Papa bringt es verschämt lächelnd zurück. Kinder eben. Ein erstes Vorprogramm für die Fans auf dem Weg zum Anastacia-Konzert.

Ein zweites heißt Lauren Ray und darf im Großen Saal ein paar Kostproben vom Debütalbum „We Will Need Courage“ geben. Allein am E-Piano wird es mit angenehmer Stimme zu schönen Balladen ein fast lieblicher Einstieg in den Abend. Eine gute Wahl.

Nach einer halbstündigen Pause kommt Anastacias Evolutionstheorie wie eine Beschwörungsformel gesprochen vom Band. Eine trotz all der Schicksalsschläge, die die Sängerin seit 2003 zu bewältigen hatte, positive Botschaft an die Zuschauer, Tenor: Wir wachsen an unseren Aufgaben und entwickeln uns zu einem besseren Selbst.

Ein Kessel Buntes

Die Band zelebriert dazu ein fast dramatisches Intro, für das Carl Orff Pate gestanden haben könnte. Es sind – im Vergleich zur großen Besetzung bei der Studioproduktion von „Evolution“ – nur fünf Musiker, Anders Grahn (E-Gitarre), Orefo Orakwue (Bass), Holly Petrie und Gary Sanctuary (Keyboards) und Steve Barney (Schlagzeug), aber mit ein paar elektronischen Tasteninstrumenten lassen sich heute ja problemlos selbst opulente Orchestrierungen erzielen.

Die Lightshow variiert passend zur Thematik DNA-Stränge, die zudem die Podeste zieren – auf so eine Idee muss man erst mal kommen. Nachdem der Gazevorhang gefallen ist, wird der Blick frei auf ein Bühnenbild mit drei Ebenen.

Anastacia agiert zunächst über den Köpfen der Band, trägt zur Jeans ein Bolerojäckchen über der Corsage. Casual Wear mit extravaganten Extras, könnte man sagen. So ähnlich hält sie es auch mit ihrer Musik. Da sind es auf Wirkung bedachte Arrangements mit markant gesetzten Breaks, überraschenden Pausen, nicht minder unerwarteten Einsätzen wie sie vor allem Metalbands bevorzugen. So kann man den Mainstream pimpen. Den beherrscht die zur Pop-Ikone aufgestiegene Anastacia Lyn Newkirk in fast allen erdenklichen Facetten: Soul, Funk, Disco, Blues und Rock’n’Roll. Ein Kessel Buntes mit Medleycharakter. Mit Christina Andrea und Sarah Seville stehen ihr zwei singende Tänzerinnen zur Seite, androgyne Schönheiten, die die Chefin im Ring zu sportlichen Choreographien anspornen.

Beim „Funk Medley“ in der Mitte des neunzigminütigen Sets, das Anastacia die Zeit gibt für einen Kostümwechsel, übernimmt Holly Petrie die Leadstimme und das Ganze mutiert zu einem x-beliebigen Showact. Manchem fehlt hier die Musikerkennungs-App. Das Prince-Zitat mit „Kiss“ ist unverkennbar, aber wem wird zudem eine Referenz erwiesen? Kool And The Gang? Den Temptations? Stevie Wonder? Orefo Orakwueb packt den dicken Daumen aus und zeigt, dass er Slap-Techniken auf seinem Bass beherrscht.

Feine Nuancen

Mit „Nobody Loves Me Better“ übernimmt Anastacia danach wieder das Zepter. Auch sie versteht sich aufs Groovige. Wann immer Stücke wie „Pieces Of A Dream“ oder die Piano-Slow-Songs „My Everything“ und „Why“ der Sängerin Raum lassen, die Stimme fliegen zu lassen, erkennt man, dass die Powerfrau auch die feinen Nuancen beherrscht. Ihr dann dunkles Timbre kann in den Tiefen Gänsehaut erzeugen, wenn sie zwischen Sentiment und Laszivität changiert. Wie passt dieses Organ zur schrillen Kleinmädchen-Piepsigkeit in ihren „Sing-with-me“-Animationen, die sie vom Opener „Left Outside Alone“ an konsequent durchzieht? Sie fordert die Leute im gediegenen Ambiente der Alten Oper sofort auf, sich von ihrem Platz zu erheben. Und sie bleiben brav stehen zwischen den Stuhlreihen. Zum Tanzen lädt die Enge nicht ein. Also: Wenn man als Veranstalter weiß, dass die Künstlerin die Fans in Bewegung sehen möchte, warum bucht man sie dann in ein solches Haus? Der Stimmung tut es letztlich keinen Abbruch. Anastacia erfreut sich des Lebens und geht auf Kuschelkurs mit ihrem treuen Publikum. Auch wenn sie in der letzten Zugabe behauptet „I’m Outta Love“ zu sein, so freut sie sich doch darüber, dass sie so viel Liebe im Auditorium spüre.

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