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Portugiesische Sängerin gab Konzert in Mainz: In Mariza Timbre schwingt die Sehnsucht nach der Heimat mit

Von Ein Weltstar, der seine Musik lebt: Die portugiesische Fado-Sängerin Mariza brachte einen Hauch von Wehmut und viel Lebenslust in die Mainzer Zitadelle.
Kraftvoll und melancholisch zugleich singt Mariza in Mainz von ihrer Sehnsucht nach ihrer Heimat. Foto: Sven-Sebastian Sajak Kraftvoll und melancholisch zugleich singt Mariza in Mainz von ihrer Sehnsucht nach ihrer Heimat.
Mainz. 

Sie gilt als eine der größten Stars des traditionellen Fado-Gesangs. Sie erhielt diverse Auszeichnungen und eine Grammy-Nominierung. Und wer sie hat einmal live erleben dürfen, weiß warum. Denn Mariza, mit bürgerlichem Namen Marisa dos Reis Nunes, singt nicht nur – sie lebt ihre Musik. Ein kleiner Indikator ist sicherlich ihre linke Hand, die stets eine Gestik vollführt, wenn Mariza fordernd auf das Publikum zeigt, die Hand auf die Brust legt oder auch zum Himmel reckt. Dabei weiß man zunächst gar nicht so recht, was das Beste am diesem kühlen Sommerabend in der Mainzer Zitadelle ist. Die Präsenz von Mariza? Ihre fantastische Stimme, die mal druckvoll-fordernd, mal zart-wehklagend ertönt? Die Begleitband, die schon alleine den Eintritt wert ist?

Kurz nach acht Uhr betreten Mariza und ihre Begleitmusiker die Bühne. Sie steht mit kurzgeschorener blonder Frisur und einem breiten, vereinnahmenden Lächeln und wehendem Sommerkleid zunächst nur da und singt die Eröffnungsballade ohne Begleitung. Vermutlich könnte sie den ganzen Abend so gestalten, das Publikum wäre immer noch begeistert. Und doch hat sie virtuose Musiker an Gitarren und Schlagwerk mitgebracht, die die facettenreiche Stimme der 43-Jährigen perfekt ergänzen. Ihre Begleitmusiker dürfen kurz nach der Solo-Performance einsteigen, und so entfaltet sich ein Abend, der die Heimatstadt der Sängerin, Lissabon, ein ganzes Stück näher an Mainz heranbringt. Das liegt freilich nicht an den eleganten Fotobannern im Hintergrund, die Häuser und auch die berühmte Straßenbahn der portugiesischen Hauptstadt zeigen.

Liebesbekundungen

Mariza und ihre Musiker beglücken an diesem Abend das Publikum mit ihrer Mischung aus Folklore, Pop- und Weltmusik, die auf einzigartige Weise Sehnsucht, Leidenschaft und Lebenslust miteinander kombiniert. Früh im Konzert gibt Mariza ihren Lieblings-Fado, „Fado Primavera“, zum Besten, sie singt Liebesbekundungen an ihre Heimat, an die Sehnsucht und an die portugiesischen Frauen. Mariza redet zwischen den Stücken immer wieder gerne. Meist auf Englisch, gelegentlich auch auf Portugiesisch, da doch ein großer Teil des Publikums zumindest portugiesisch-stämmig ist. Ihre Fans hat sie dabei gleich zu Beginn des Konzerts in ihren Bann gezogen. „Das letzte Mal war ich 2003 hier“, sagt sie, also vier Jahre sei das nun her. Was daran so lustig sei, fragt sie mit aufgesetztem Ernst.

Nicht ganz so scherzhaft ist sie, wenn sie sich bei ihren Fans bedankt – denn Mariza hatte zwischendurch eine Auszeit genommen, einen Sohn zur Welt gebracht, nun belebt sie ihre Karriere wieder. Die Sorge, dass ihr das nicht gelingen könnte, dürfte allerspätestens nach dem Auftritt in der Zitadelle verflogen sein. Mariza gibt sich als Grand Dame des Fado, ihre Eleganz und Körperhaltung überragen neben ihrer Stimme. Dabei ist sie aber nicht unnahbar, sie begibt sich gegen Ende des Konzerts ins Publikum und weint – scheinbar vor Ergriffenheit – sogar kurz vor Schluss, so dass sie ein Lied abbrechen und neu beginnen muss.

Ihren Musikern räumt sie auch immer wieder Solo-Parts ein, bei denen sie ihr außerordentliches Können an den Akustik-Gitarren und dem Schlagzeug demonstrieren. Der Höhepunkt eines ohnehin an Höhepunkten reichen Abends ereignet sich allerdings ganz zum Schluss. Denn zum allerletzten Stück wird Mariza und ihren Musikern der Strom abgestellt. Doch diese denkt nicht daran, beleidigt von der Bühne zu stürmen. Sie zieht die Nummer gnadenlos mit ihren Musikern durch und schafft es auch so, den Hof der Mainzer Zitadelle mit ihrer Stimme mit Weh- und mit Wohlklang zu füllen.

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