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K. D. Schmidt inszeniert Ibrahim Amirs Komödie „Stirb,: In der Küche prallen die Kulturen aufeinander

Von In der Komödie „Stirb, bevor du stirbst“ am Staatstheater Mainz hebt sich der moralische Zeigefinger und deutet auf Toleranz.
Sie sind neue Nachbarn und haben einiges miteinander zu besprechen: Magda (Lilith Häßle, l.) und Gertrud (Andrea Quirbach). Sie sind neue Nachbarn und haben einiges miteinander zu besprechen: Magda (Lilith Häßle, l.) und Gertrud (Andrea Quirbach).
Mainz. 

Man ahnt es schon, dass einem an diesem Abend das Lachen im Halse stecken bleiben könnte. Denn der kurdische Autor Ibrahim Amir hat für seine Komödie „Stirb, bevor du stirbst“ ein aktuelles Thema gewählt, das Angst und Sorge bereitet. Auffällig viele junge Deutsche zieht es nach Syrien, um sich dort als Kämpfer für den Dschihad ausbilden zu lassen. Damit ist schwer zu spaßen.

Im Kleinen Haus des Mainzer Staatstheaters versucht Regisseur K. D. Schmidt es trotzdem. Es beginnt alles ganz harmlos, in einer Wohnküche, in der eine skurrile ältere Dame (Andrea Quirbach) sich einer Art Gymnastik widmet. Doch noch bevor das Auge sich einen genaueren Überblick über ihr Umfeld verschafft hat, blickt es schon wieder ins Dunkle.

Häufige Blackouts

An diese Blackouts muss man sich gewöhnen, sie unterbrechen vor allem in der ersten Hälfte immer wieder die Handlung. Vorher frieren die Personen für einen kurzen Moment, gerne mit zum Publikum gewandter Grimasse, ein. Dann ertönt orientalische Musik, man sieht Schatten, hört das eine oder andere Rumpeln, und wenn das Licht wieder angeht, haben sich die Protagonisten in neuen Posen arrangiert.

Es entwickelt sich eine Geschichte, die auch als Lehrstunde über Vorurteile durchgehen könnte. Philipp (Henner Momann), der Enkel der bereits beschriebenen und, wie zu erfahren ist, leicht dementen Gertrud, soll nach Auffassung eines in Fremdsprachen bewanderten Polizisten (Sebastian Brandes) gemeinsam mit einem Freund (Jaschar Markazi Noubar) Richtung Mittlerer Osten aufgebrochen sein, um sich dort zum Selbstmordattentäter ausbilden zu lassen. Seine Mutter (Anna Steffens), eine völlig überarbeitete und hysterische Krankenschwester, ist darüber so entsetzt, dass sie sogar Frieden mit der ungeliebten neuen Nachbarin Magda (Lilith Häßle) schließt. Schließlich stammt diese vermutlich aus dem Libanon und kann Arabisch lesen. Gemeinsam und verschleiert besuchen die drei Frauen den Imam (Murat Yeginer) der Moschee, in der der junge Mann offenbar angeworben wurde. Er versucht gerade verzweifelt, das Chaos zu beseitigen, das einige wüste Rechtsradikale in dem Gebetshaus angerichtet haben.

Gehobener Zeigefinger

Inmitten der sich daraus ergebenden Turbulenzen wird oft der Zeigefinger gehoben und an die Toleranz appelliert. Gängige Meinungen wie die, dass sich der Vorsteher einer islamischen Glaubensgemeinschaft nicht scheiden lassen darf, werden widerlegt, über Verallgemeinerungen und kulturelle Unterschiede heftig diskutiert. Dabei geht es oft sehr laut und lebendig zu, große Gesten und andere Übertreibungen werden genutzt, um die selten zündenden Pointen zu unterstreichen.

Immerhin kommt die befreiende Auflösung ungeahnt, und man erfährt dabei gleich noch etwas über andere, harmlose Strömungen innerhalb des islamischen Kulturkreises. Alles scheint also auf ein Happy End zuzulaufen. Doch das wäre zu einfach gewesen für ein Stück, in dem es darum geht, dass nicht alles so ist, wie es zu sein scheint.

Das Lachen ist den Leuten während der 100 Minuten zwischen Mieterstreitereien und Kulturkonflikten meistens in der Kehle stecken geblieben. Das hatte zwar nicht nur mit dem Thema zu tun, entsprach aber den Erwartungen.

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