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Ausstellung in der Frankfurter Galerie Parisa: In die Stille mischen sich Geräusche

Der frühere Städelschüler Hannes Michanek ist ein akribischer Künstler. Manches Geheimnis behalten seine bis ins Kleinste durchgestalteten Bilder auch lieber für sich.
In seiner sechsteiligen Bilderserie „1 moon 1000 stars, at least (as in amount)“ zeigt Hannes Michanek eine Landschaft, von dunkler Nacht bis zum helllichten Tag. In seiner sechsteiligen Bilderserie „1 moon 1000 stars, at least (as in amount)“ zeigt Hannes Michanek eine Landschaft, von dunkler Nacht bis zum helllichten Tag.
Frankfurt. 

„Es gibt einen Grund für alles, und alles ist miteinander verbunden.“ Im künstlerischen Universum von Hannes Michanek gibt es keinen Platz für Unbedachtes. Akribisch arbeitet der 1979 in Kristianstad (Schweden) geborene, in Frankfurt lebende Künstler an einem stetig wachsenden, konzeptuell ausgeklügelten Werk. Michaneks Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen sind aber nicht in erster Linie Konzeptkunst. Der Gedanke und die Idee stehen nicht im Mittelpunkt. Gleichwohl möchte Hannes Michanek, der von 2007 bis 2012 an der Städelschule bei Michael Krebber studierte, den Betrachter zum Fragen anregen.

Figuren träumen

Bei der Frankfurter Galerie Parisa Kind zeigt Michanek nun achtzehn neue Werke. Es ist seine erste Ausstellung als Künstler der Galerie, deren Räume sich seit September in der Kaiserstraße befinden. Als Maler arbeitet Hannes Michanek meist gegenständlich. Seine Bilder sind einladend und dennoch voller Rätsel. Oft sind es in schummeriges Licht getauchte hügelige und bergige Landschaften, bevölkert von verträumten Figuren und unergründlichen Lebewesen, bebaut mit spielzeughaft-bunten Häusern. Die Landschaftsbilder sind so etwas wie Michaneks künstlerisches Wiedererkennungszeichen. Doch er will keineswegs stehen bleiben: „Ich versuche, mich selbst herauszufordern, andere Richtungen einzuschlagen.“

So fällt beispielsweise eine Serie aus mehreren weiß grundierten Gemälden ins Auge. Die Bildmotive sind lakonisch. Ein Paradiesvogel taucht auf jedem Bild auf, zu sehen sind außerdem wogende Farbstreifen. Die Gemälde sind in polierte Kupferrahmen eingefasst, die ihnen eine objekthafte Anmutung verleihen. Denkbar leise sind diese Arbeiten. In die Stille mischen sich indes sanfte Musikgeräusche. Woher kommen sie? Etwa aus der dunkelblau lackierten wellenförmigen Skulptur, die inmitten des Raums platziert ist? Die Welle, die entfernt auch an einen Vogelschnabel erinnert, wirkt rätselhaft. Eine weiße Schnur geht von ihr aus, schlängelt sich durch den Raum und endet an einem Ventil. „Spielzeug“ heißt die Skulptur.

Ebendiese mysteriöse Welle taucht in einem anderen Raum der Galerie auf dem großformatigen Gemälde „Embraced Limp (Does: Bird in Wood, Stone in glass house)“ wieder auf. Sie wird von einer winzigen Figur durch eine winterlich anmutende Landschaft gezogen. Des Weiteren entdeckt man auf dem Bild: Figuren, die Berge besteigen und Fahnen hissen, an eine Fata Morgana erinnernde Erscheinungen, riesenhafte Vögel und die schon vertrauten Spielzeughäuser. Man beginnt zu ahnen, dass an Michaneks eingangs zitierter Aussage etwas dran sein könnte.

Vögel fliegen

Im selben Raum findet sich eine experimentelle Serie aus sechs gleich großen Gemälden. Jedes Bild zeigt den Ausschnitt einer Landschaft zu einer jeweils anderen Tageszeit. Das erste Gemälde ist noch nächtlich-düster. Fast unbemerkt wandelt ein Paradiesvogel durch die vom Sternenhimmel schwach illuminierte Szenerie. Eine entrückt wirkende Figur steht in der Landschaft. Zum Schmunzeln ist der Titel, eine Aufzählung des Bildinventars: „1 moon 1000 stars, at least (as in amount)“. Wie überhaupt die Titel für Hannes Michanek ein „Einstieg in das Konzept“ sind. Sie bieten dem Betrachter kleine Hinweise. Die folgenden fünf Gemälde der Serie werden allmählich heller. Dominant sind die verschiedenen Blautöne des Himmels. Im letzten Bild sorgt ein sinkendes Schiff für elegische Stimmung. In der Zusammenschau entsteht eine sechsteilige Szenenfolge, ein erzählerisches Format zwischen Kino und Comic. Unterdessen funktionieren die Bilder auch einzeln.

Hervorzuheben sind zudem zwei abstrakte Gemälde, die unter dem Titel „back and forth, closed up so far“ als ein Werk fungieren. Sie schimmern bläulich und grünlich, als hätte man in einen von den Lichtern der Stadt verschmutzten Himmel gezoomt. Der Blick schweift weiter durch die Ausstellungsräume auf der Suche nach immer neuen, noch unentdeckten Details, Motiven und Querverbindungen. Hannes Michaneks Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen entziehen sich einer flüchtigen Betrachtung. Sie fordern zum genauen Hinsehen und Nachdenken heraus. Man sollte sich nicht vornehmen, all ihre Rätsel zu lüften. Michaneks Kunst widersetzt sich diesem Wunsch.

 

Galerie Parisa Kind, Kaiserstraße 4, Frankfurt. Bis 27. Januar, Di bis Sa, 12–17 Uhr. Telefon (069) 29 80 14 60.
Internet www.parisakind.com

 

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