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In zwei Minuten durch vierzig Metropolen

Der Künstler Martin Liebscher hat den Fluggasttunnel im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens mit einer riesigen Fotowand ausgeschmückt.
Die mehrere hundert Meter lange Fotoarbeit „Destinations“ von Martin Liebscher erstreckt sich entlang der Laufbänder eines Fluggasttunnels am Frankfurter Flughafen. Foto: Andreas Meinhardt (Andreas Meinhardt/Fraport AG) Die mehrere hundert Meter lange Fotoarbeit „Destinations“ von Martin Liebscher erstreckt sich entlang der Laufbänder eines Fluggasttunnels am Frankfurter Flughafen.

Wer wegfliegen will, ist schon vorher da. Zumindest, wenn es ihn in Großstädte wie Barcelona oder Los Angeles zieht. Der Frankfurter Flughafen verhilft jetzt jedem Passagier zu einer rasanten Reise im Kopf durch die Metropolen der Welt, in nur zwei Minuten. Natürlich kann man sich mehr Zeit nehmen (und das sollte man auch!) für die Fotoinstallation von Martin Liebscher, die von sofort an dauerhaft im Terminal 1 zu sehen ist. Freilich muss man dazu ein Flugticket haben, um den Tunnel zwischen den Abschnitten A und B betreten zu können.

Exakt 270 Meter lang ist der Fluggasttunnel, der in der Mitte einen breiten Laufweg und an beiden Seiten Laufbänder hat. So erstreckt sich Martin Liebschers beidseitige Installation über 540 Meter. Wer die Laufbänder nutzt, ist besonders nah dran an den Fotos im Panoramaformat – und glaubt überdies, ein Film ziehe an ihm vorüber.

Denn der 51-jährige Künstler, der in Frankfurt und Berlin lebt und Fotografie an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung lehrt, lässt die 40 Städte in 62 Fotos, die 180 Zentimeter hoch sind, übergangslos ineinandergehen.

Bayrle-Schüler

Für Kurator Andreas Bee, der das Projekt initiiert und betreut hat, „verschmelzen so Städte und Räume“. Und Bee weiter, in einem Stakkatosatz: „Tokio wird zu New York zu Frankfurt, zu Rom, London, Hongkong, Chicago, Los Angeles, Las Vegas, Berlin, Paris, Barcelona.“ Den Künstler Martin Liebscher, der an der hiesigen Städelschule bei Thomas Bayrle und Martin Kippenberger studiert hat, kennt Bee seit geraumer Zeit. Andreas Bee war viele Jahre am Frankfurter Museum für Moderne Kunst tätig, auch als Vize-Direktor, lehrt jetzt aber an der Kunstakademie.

Freilich hat Martin Liebscher lange für das Werk gebraucht, entwickelte er doch dafür eine spezielle Aufnahmetechnik. Die ersten Fotos entstanden 1993, die letzten in diesem Jahr. Liebscher knipste analog und drehte den Film bei offener Linse weiter. So passen auf einen Film nur drei oder vier Aufnahmen. Und die Motive scheinen extrem bewegt, gedehnt oder gestaucht, mit starker Unter- oder Überbelichtung, mit Verwischungen und Unschärfen. Folglich wirkt die Fotoreihe sehr dynamisch, auch wenn man auf dem Laufband innehält und nur gemächlich weitertransportiert wird. Fast fühlt man sich ein wenig schwerelos, als säße man bereits im Flugzeug. Dabei dient der Tunnel vor allem den jährlich rund 12 000 Transitreisenden, die von Flug zu Flug umsteigen. Aber der Passagier wird schon vorher dank eines klaren Designs, einer grün und siebeneckig gestalteten Wandfläche, auf das Ereignis aufmerksam gemacht und bestens informiert. „Destinations“, also Reiseziele, lautet der Titel des Werkes.

„Passend zu einem internationalen Flughafen sind wir nun auch künstlerisch mit der Welt verbunden“, meint Fraport-Vorstand Anke Giesen. Die Fraport AG sammelt zwar seit langem selbst Kunst und zeigt auch Liebschers Werke in der Unternehmenszentrale. Doch nun geht sie auch in den öffentlichen Bereich.

Martin Liebscher ist von der Installation begeistert: „Ich finde das großartig. Besser als Kunst zu erleben kann die geschenkte Zeit zwischen Security Check und Boarding kaum genutzt werden.“ Und wer im Vorübergehen die teils sehr grellfarbigen Motive nicht so schnell zuordnen kann, dem hilft ein Blick auf die Städte- und Flughafennamen an den Seiten der Laufbänder. Allerdings hat Liebscher nicht immer nur Flughäfen geknipst, viel lieber hat er sich die Metropolen mit ausgefallenen oder abseitigen Motiven vorgenommen und sie stark verfremdet.

Im Guinness-Buch

Diese Panoramaaufnahmen macht der Künstler schon seit 20 Jahren, aber bekannter ist er für seine ähnlich großen Fotos, auf denen er selbst posiert. Damit hat er es 1998 sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft: „Das längste Gruppenfoto der Welt mit einer Person“ zeigt ihn immerhin 205 Mal, auf einer Gesamtlänge von 37 Metern. Das in verschiedensten Posen auftretende Ich ist immer ein Anderer, ob an der Frankfurter Börse oder in der Mailänder Scala.

Flughafen Frankfurt, Terminal 1, Abflugbereich, Fluggasttunnel zwischen den Flugsteigen A und B. Internet www.frankfurt-airport.com

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