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Film „Tiere“: Interview mit Birgit Minichmayr: „Wie ein Bild von M.C. Escher“

Der Koch Nick (Philipp Hochmair) und die Kinderbuchautorin Anna (Birgit Minichmayr). Foto: - (Filmkinotext) Der Koch Nick (Philipp Hochmair) und die Kinderbuchautorin Anna (Birgit Minichmayr).

Mit „Alle anderen“ von „Toni Erdmann“-Regisseurin Maren Ade gelang Birgit Minichmayr 2009 der Durchbruch, auf der Berlinale erhielt sie dafür einen Bären. Zu weiteren Filmen der Österreicherin gehören „Das Parfum“ von Tom Tykwer, „Kirschblüten“ von Doris Dörrie, „Das weiße Band“ von Michael Haneke oder „Unter Feinden“ von Lars Becker. Zu den Theaterarbeiten gehören Engagements an der Berliner Volksbühne, am Wiener Burgtheater sowie dem Münchner Residenztheater. Bevor sie im Januar als Polizistin an der Seite von Moritz Bleibtreu in „Nur Gott kann mir vergeben“ zu sehen ist, spielt Minichmayr in dem geheimnisvollen Liebesdrama „Tiere“ eine Frau, deren Eifersucht sich Wirklichkeit und Wahn vermischen. Mit der Schauspielerin unterhielt sich unser Mitarbeiter Dieter Oßwald.

Frau Minichmayr, was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

BIRGIT MINICHMAYR: Beim Lesen des Drehbuchs fand ich diese Geschichte extrem spannend und undurchsichtig. Zudem ist sie unglaublich humorvoll.

„Extrem undurchsichtig“ trifft zu. Haben Sie alles verstanden?

MINICHMAYR: Am Anfang wusste ich nicht, was das alles soll. Dann habe ich verstanden, dass es darum gar nicht geht. Regisseur Greg Zglinski gibt dazu einen Rat, den er in den Notizen des verstorbenen Drehbuchautors Jörg Kalt gefunden hatte: Man muss sich den Film wie ein Bild von M.C. Escher vorstellen, in dem Stufen in verschiedene Richtungen gehen. Aus der Nähe betrachtet wirkt alles sehr logisch, sobald man einen Schritt zurückgeht, sieht man nur Chaos.

Mögen Sie Leinwand-Rätsel?

MINICHMAYR: Nicht immer. Oft ist Koketterie mit dem Nicht-Verstehen eitel: Das Publikum wird im Ungefähren gelassen nach dem Motto ,Das ist Kunst, und zwar, weil ihr es nicht versteht!‘ Diese Tendenz hatte „Tiere“ aber nie.

Ist es schwieriger, wenn man nicht weiß, wohin die Reise geht?

MINICHMAYR: Vor allem für den Regisseur. Beim Drehen habe ich bisweilen zu Greg gesagt: ,Schneiden möchte ich diesen Film nicht!‘ Keine leichte Aufgabe, die richtige Balance mit diesem Paar zu finden und zu halten. Treibt der Mann die Frau in den Wahnsinn? Oder ist es umgekehrt? Für mich steht das sinnbildlich für all die Gefühle, die auftauchen, wenn man mit einem Betrug in der Beziehung konfrontiert wird. Die Erschütterung der eigenen Realität sowie jenen ungefähren Umgang mit der Wahrheit kenne ich aus eigener Erfahrung.

Erzählen Sie mehr davon . . .

MINICHMAYR: Ich persönlich kann anders mit einem Betrug umgehen, wenn man mir das sofort eingesteht, als wenn erst noch zur Ablenkung auf meiner Intuition herumgetrampelt wird, bis dann doch alles gestanden wird.

Was, wenn dieser ambitionierte Film beim Publikum weniger gut ankommt als der Popcorn-Krimi „Nur Gott kann mich richten“, mit dem Sie im Januar im Kino sind?

MINICHMAYR: Das kann man so noch nicht sagen. Für mich ist es ein Glück, in solch völlig verschiedenen Projekten spielen zu dürfen. Ich habe kein Problem damit, dass man Dinge nicht mag. Auch meine Person kann nicht allen gefallen. Das ist etwas, was man in diesem Beruf sehr schnell kapiert. Darum kann es auch gar nicht gehen. Es gibt große Schauspiel-Karrieren, die darauf basieren, bei Premieren ausgebuht worden zu sein.

Sind sperrige Stoffe auf dem Rückzug?

MINICHMAYR: Mein Beruf wird immer merkantiler. Auch beim Theater nimmt das Schielen nach Auslastung zu, was auf Kosten von risikofreudigeren Projekten geht. Völlig unverständlich sind mir die neuen Streaming-Angebote von Bühnen: Mit dem Live-Augenblick nimmt man dem Theater das, was es einzigartig macht.

Stehen Sie lieber auf der Bühne als vor der Kamera?

MINICHMAYR: Mir macht es total Spaß, vor der Kamera zu arbeiten. Aber ich brauche immer wieder die Heimkehr zu meinem eigentlichen Beruf. Ich genieße es, zwei Stunden lang eine Rolle durchzuspielen. Und sie nicht, wie im Film, auf sechs Wochen verteilt nur in Fetzen darzustellen. Das lange Warten bei Dreharbeiten ist leider kein Klischee, sondern Wirklichkeit. Ich habe früher stark darunter gelitten, dass es im Film immer nur darum geht, die nächste Szene im Kasten zu haben. Abends bin ich im Bett gelegen und hab mir gedacht, Scheiße, das habe ich vollkommen falsch gespielt. Das hat mich fast zwangsneurotisch besetzt, wie ein Dämon. Heute mache ich Filme und Theater sehr gern.

Was ist die wichtigste Qualität in Ihrem Beruf?

MINICHMAYR: Man braucht viel Hingabe und eine gewisse Durchlässigkeit. Man darf nicht zu verkopft sein, sondern sollte in der Situation immer auf alle Dinge reagieren können.

Vom 16. November an in den Kinos

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