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Musiker lässt sich zu seinem neuen Konzeptalbum von der französischen Nationalheiligen inspirieren: Interview mit Frank Bornemann: „Jeanne d’Arc fasziniert mich“

„The Vision, The Sword And The Pyre“ heißt die monumentale Rock-Oper, dessen ersten Teil Frank Bornemann jetzt mit der Band „Eloy“ verwirklicht hat.
Da kann sich Frank Bornemann, Gründer der Band „Eloy“, erst mal ganz entspannt im Sessel zurücklehnen: Der erste Teil seiner monumentalen Rock-Oper über die französische Nationalheilige Jeanne d’Arc ist fertig. Da kann sich Frank Bornemann, Gründer der Band „Eloy“, erst mal ganz entspannt im Sessel zurücklehnen: Der erste Teil seiner monumentalen Rock-Oper über die französische Nationalheilige Jeanne d’Arc ist fertig.

Immer wieder ließen sich Künstler von der Gestalt Jeanne d’Arcs inspirieren. „Eloy“-Mastermind Frank Bornemann widmet der französischen Nationalheiligen eine zweiteilige Rock-Oper, ein „spectacle musical“ sowie einen Roman. Für das ambitionierteste Projekt in der fast 50-jährigen Geschichte der Artrock-Band „Eloy“ hat der Hannoveraner seine musikalischen Kräfte gebündelt. „The Vision, The Sword And The Pyre – Part 1“ ist ein in jeder Hinsicht wuchtiges Werk über die Jungfrau und Heilige, die den königlichen Truppen zu einem Sieg über die Engländer und Burgunder verhalf und 1431 nach einem Schauprozess auf dem Scheiterhaufen endete. Der 72-jährige Sänger, Gitarrist und Songschreiber Bornemann hat offenkundig sorgfältig gearbeitet. Das Album klingt füllig, auch mal wuchtig und trotzdem differenziert und niemals überladen. Olaf Neumann traf Frank Bornemann in dessen Studio in Hannover.

Herr Bornemann, Jeanne d’Arc glaubte, von der Heiligen Katharina, der Heiligen Margarethe und dem Erzengel Michael den Befehl erhalten zu haben, Frankreich von den Engländern zu befreien. Welche Stimme sagte Ihnen, dieses Projekt machen zu müssen?

FRANK BORNEMANN: Da ist kein Befehl von oben gekommen. Das zu behaupten, wäre maßlos übertrieben. Ich nenne es eher einen sehr intensiven inneren Beweggrund, für den ich keine rationale Erklärung abliefern kann. Jeanne selbst sagte im Verurteilungsprozess 1431 aus, dass es diese Heiligen waren, deren Rat und Weisungen sie befolgte. Um diesen Punkt streiten sich seit jeher alle, die sich damit beschäftigen.

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„The Vision, The Sword And The Pyre“ nennt sich ein neues Album der deutschen Artrock-Band „Eloy“. Bandgründer Frank Bornemann ist damit ein Meisterwerk gelungen.

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Sehen Sie sich eher als Entertainer oder als Vermittler historischer Fakten?

BORNEMANN: Ich halte mich sehr eng an die historischen Fakten. Jeanne d’Arc hat zum Beispiel nicht nur eine Schlacht geschlagen – wie die in Orléans, wovon immer die Rede ist, wenn ihr Name fällt –, sondern deren viele. Am Ende hat Charles VII. jedoch verhindert, dass Jeanne mit ihrer Armee auch in Paris erfolgreich einmarschiert ist. Sie begann daraufhin, ohne den König zu handeln, und versuchte, bedrohten Städten zu Hilfe zu kommen. Dabei wurde sie selber gefangengenommen.

Warum inspiriert Jeanne d’Arc bis heute so viele Künstler?

BORNEMANN: Die ganze Geschichte ist voller Rätsel und unerklärlicher Dinge und hat mich so sehr fasziniert, dass ich gar nicht anders konnte, als endlich damit zu beginnen, ein episches musikalisches Werk dazu auf die Beine zu stellen. Ich wollte dieses Projekt unter allen Umständen machen, egal, was sich mir da in den Weg stellt. Dafür habe ich mein Studio aufgegeben und meine Verlagsarbeit eingefroren. Ich brauchte einen völlig freien Kopf. Ich kann solch ein komplexes Werk nicht erstellen, wenn ich Nebenschauplätze habe. Ich muss ja auch das Buch noch schreiben.

Was können Sie über das Buchprojekt schon verraten?

BORNEMANN: Es wird „Die Vision, das Schwert und das Feuer“ heißen und inhaltlich dem entsprechen, was ich auch auf die beiden Alben bringe. Ich habe mir lange überlegt, wie ich überhaupt über Jeanne d’Arc ein Buch in Form eines Romans schreiben kann, und kam auf die Idee, dabei mit Jean de Metz einen engen Gefährten in den Mittelpunkt zu stellen. Er schildert die Geschehnisse so, wie er sie an ihrer Seite erlebt hat. Wenn ich mich einem solchen Thema zuwende, muss der Text wirklich durchdrungen sein von dem, was ich ausdrücken möchte.

Welcher Aspekt ihrer Persönlichkeit fasziniert Sie besonders?

BORNEMANN: Diese Entschlossenheit, dieses kraftvolle und mitreißende Element, welches sie entfesselt, wenn sie die Soldaten motiviert, die Generäle beeindruckt und ihren König überzeugt. Aber sie fällt auch immer wieder in sich zusammen, und es kommen hin und wieder Selbstzweifel bei ihr auf. Sie ist sehr betrübt darüber, dass so viele Menschen ums Leben kommen, weil diese Schlachten geschlagen werden. Ihr Mitleid wird sogar den Feinden zuteil.

In Frankreich ist es vor allem der Front National, der den Kult um die Nationalheilige Jeanne d’Arc heute betreibt. Er meint, Jeanne, die gegen die englischen Eindringlinge in den Krieg zieht, stünde auch für die Angst vor dem Fremden.

BORNEMANN: Das ist alles Unsinn. Die politische Vereinnahmung von Jeanne durch den Front National ist völlig pervers, und der Kirche gehört sie auch nicht. Sie stand mit der Art, wie sie ihren Glauben lebte, noch über den Klerikern, die sie später verhörten. Das war eine heuchlerische Meute. Jeanne d’Arc hatte eine hohe Spiritualität; alles andere klammere ich hier völlig aus. Man muss sie mit ihrem Verständnis von Glauben in ihrer Zeit sehen. Die einzige Historikerin, die das geschafft hat, war Régine Pernoud. Leider gibt es ihr Buch nicht mehr in Deutsch. Für die Rolle der Jeanne muss man sich berufen fühlen, um sie wirklich überzeugend spielen zu können. Viel Überzeugendes habe ich da bislang nicht gesehen oder gehört, aber mein Werk habe ich entsprechend besetzen können.

Sie planen zudem, in Frankreich ein „spectacle musical“ rund um Jeanne d’Arc auf die Bühne zu bringen. Was haben Sie da vor?

BORNEMANN: Auf keinen Fall ein schnulziges Musical, ich will etwas kreieren in der Art von „Le Roi Soleil“ über den Sonnenkönig Ludwig XIV., welches ich als DVD zuhause habe und was mich sehr angeregt hat. Bei dem Stück führt Molière durch die Handlung, und bei mir ist Jean de Metz der Erzähler. Er war Jeannes engster Vertrauter und starb viele Jahre nach ihr – als Junggeselle. Sie hatten ein intensives Verhältnis wie Vater und Tochter oder Bruder und Schwester.

Gegen welche Weltmächte würde Jeanne d’Arc heute kämpfen?

BORNEMANN: Ich fürchte, gegen gar keine, weil wir eine vergleichbare Situation heute nicht haben. Aber ich glaube, mit ihrer Charakterfestigkeit und Wahrhaftigkeit, ihren Tugenden und Werten hätte sie uns heute noch etwas zu sagen.

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