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Trompetenvirtuose: Interview mit Gabor Boldoczki: „Böhmens Blasmusik ist festlich“

„Bohemian Rhapsody“ hat der Trompeter Gabor Boldoczki seine neue CD betitelt: Stücke daraus wird er auch bei seinem Konzert in Frankfurt spielen.
Ein Lächeln trägt Gabor Boldoczki nicht nur im Gesicht. Auch seine Trompetentöne lässt der 41-jährige Ungar gerne strahlen. Am 4. Dezember gastiert er mit klassischer Musik aus Böhmen in der Alten Oper Frankfurt. Ein Lächeln trägt Gabor Boldoczki nicht nur im Gesicht. Auch seine Trompetentöne lässt der 41-jährige Ungar gerne strahlen. Am 4. Dezember gastiert er mit klassischer Musik aus Böhmen in der Alten Oper Frankfurt.
Frankfurt. 

Gabor Boldoczki kommt in die Alte Oper! Für die „Pro-Arte“-Konzerte wird der Schüler des in Frankfurt noch immer beliebten Reinhold Friedrich am 4. Dezember Stücke von seiner neuen CD spielen. Sie heißt „Bohemian Rhapsody“ und beinhaltet nicht barocken Glanz, sondern klassische Festlichkeit. Mit dem ungarischen Trompeter sprach Andreas Bomba.

Herr Boldoczki, viele dieser Werke vor allem böhmischer Komponisten hat man noch nicht gehört. Wo haben Sie die Konzerte von Neruda, Vanhal oder Dittersdorf gefunden?

GABOR BOLDOCZKI: Eine CD-Aufnahme ist immer eine schöne Möglichkeit, sich in ein Thema zu vertiefen. Diese entstand in Zusammenarbeit mit dem Orchester „Prague Philharmonia“, es hat mir eine erstaunlich große Liste mit Musik böhmischer Komponisten vorgelegt. Wir haben dabei barocke Meister außen vor gelassen und uns auf Musik der Klassik, also vor allem des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, konzentriert.

Gab es da viel zu entdecken?

BOLDOCZKI: Ja, vor allem viele Verbindungen zur Wiener Klassik. Wer weiß schon, dass es einst ein Quartett gab mit Carl Ditters von Dittersdorf als Primarius, Joseph Haydn als zweitem Geiger, Mozart mit der Bratsche und Johann Baptist Vanhal am Cello?

Eine All-Star-Band sozusagen! Vanhal und Dittersdorf kommen auch auf Ihrer CD und im Konzert vor; deren Werke haben Sie aber von anderen Instrumenten auf die Trompete transponiert. Am spektakulärsten ist das Vanhal-Konzert, ursprünglich für Kontrabass geschrieben, während Sie es mit dem Flügelhorn spielen. Geht das eigentlich?

BOLDOCZKI: Das war eine interessante Herausforderung, denn der Kontrabass klingt ja sehr tief und das Blasinstrument nicht. Aber eigentlich musste ich nicht viel tun, nur alles einen Ton höher spielen. Es ist insofern ein anderes Konzert geworden, als der schwerfällige Kontrabass über 20 Minuten braucht – und das Horn nur eine Viertelstunde.

Was ist denn der Unterschied zwischen einer Trompete und einem Flügelhorn?

BOLDOCZKI: Die Bauart ist fast identisch, das Flügelhorn gehört zur Trompetenfamilie; ein paar Teile sind größer gebaut, in Richtung Horn. Die Folge ist: Es klingt etwas weicher, dunkler als die Trompete, das passt gut zu meditativer Musik an trüben Herbsttagen.

In der Barockmusik ist die Trompete ein strahlendes Instrument, eine Klangkrone des Orchesters. Denken wir nur an Bachs Weihnachts-Oratorium! Wie ist es im klassischen und romantischen Repertoire?

BOLDOCZKI: Schon anders! Aus dem Symbol der Festlichkeit im Barock wird nun ein Orchesterinstrument. Zu Bachs Zeiten konnte die Trompete aber nur eine begrenzte Zahl von Tönen spielen, die sogenannten Naturtöne. Später hat man Ventile eingebaut, mit denen man die Länge des Rohres verändern und alle Töne spielen konnte, in der Höhe wie in der Tiefe. Es hat dann ein bisschen gedauert, bis Komponisten auf den Geschmack gekommen sind, für dieses veränderte Instrument wieder Solo-Literatur zu schreiben. Noch Schubert, Schumann und Brahms benutzen die Trompete nicht in dem modernen Sinne. Erst bei Berlioz, Verdi und Wagner ändert sich das.

Die böhmische Blas- oder Bläsermusik hat aber eine große Tradition!

BOLDOCZKI: Ja, man hört hier auch eine gewisse Festlichkeit, und genau das hat uns zu dieser Aufnahme inspiriert.

Haben Sie eine Vergangenheit im Orchester? Oder spielen Sie von Anfang an Trompete solo?

BOLDOCZKI: Ich habe im Alter von 20 Jahren einige Wettbewerbe gewonnen, zum Beispiel 1996 in Genf. Und erst da habe ich mich überhaupt entschieden, Musiker zu werden. Kein Solist, sondern einfach Musiker! 1967 kam dann der erste Preis beim Maurice-André-Wettbewerb, und da ist der Startschuss zu meiner Karriere gefallen. Schritt für Schritt, ohne Druck, so hat das begonnen.

Was hätten Sie denn gemacht, wären Sie nicht Musiker geworden?

BOLDOCZKI: Das weiß ich gar nicht mehr. Meine Mutter war Lehrerin für Mathematik und Physik. Aber es ist gut, wie es gekommen ist!

Sie haben auch Werke in Auftrag gegeben und uraufgeführt. Wird denn eigentlich noch viel komponiert für Trompete? Vor allem im Hinblick auf ein breites, nicht auf Neue Musik spezialisiertes Publikum?

BOLDOCZKI: Aus der Barockzeit haben wir viele Werke. Aus Klassik und Romantik viel weniger. Berühmt ist das Konzert von Joseph Haydn. Es steht also in der Verantwortung von uns Musikern, Kontakte mit Komponisten zu suchen und zu pflegen. Was dann dabei herauskommt, weiß man immer erst, wenn die Noten da sind. Wenn man ein Stück übt und vorbereitet, bekommt man ein Gefühl dafür, ob das neue Werk Tiefe hat, einen Bogen, oder ob es einfach Neuigkeiten zeigt.

Der berühmte Geiger Joseph Joachim hat viele Violinkonzerte des 19. Jahrhunderts begutachtet, sie meistens den Komponisten zur Verbesserung zurückgegeben, oder sie haben ihn gleich um Rat gefragt. Ist es denn vergleichbar schwer, für Trompete zu komponieren?

BOLDOCZKI: Jeder Komponist ist anders, deshalb ist diese Zusammenarbeit sehr spannend. Der Komponist muss das Instrument ja kennen und auch wissen, was ein Solist überhaupt spielen kann. Aber generell gewinnt immer der Komponist: Was er sich vorstellt, müssen wir spielen! Krzysztof Penderecki zum Beispiel habe ich alle meine Instrumente vorgespielt, und so kam er auf die Idee, in seinem Konzert gleich mehrere Instrumente zu verwenden! Und es hat uns beiden gleich gefallen, da musste nichts verändert werden!

Dann ist es also fast einfacher, auf bewährte Werke zu setzen und sie „neu“ auf der Trompete zu spielen?

BOLDOCZKI: Durchaus. Für die CD habe ich ein Oboenkonzert von Johann Nepomuk Hummel transkribiert; von diesem Meister gibt es ja auch ein berühmtes Original-Trompetenkonzert. Das Konzert hat schöne Melodien, dazu eine unglaubliche Dramatik, fast wie eine kleine Oper. Auch hierfür benutze ich mehrere Instrumente.

Und genauso dann auch beim Auftritt in der Alten Oper?

BOLDOCZKI: Ja, da steht das Konzert auch auf dem Programm, und ich bringe dazu mehrere Trompeteninstrumente mit auf die Bühne. Darauf kann sich das Publikum sehr freuen!

CD und Konzert
„Bohemian Rhapsody“ – Gabor Boldoczki und „Prague Philharmonia“ spielen Konzerte von Johann Baptist Neruda, Dittersdorf, Hummel und Vanhal, dazu eine Liedtranskription von Antonín Dvorák. Anspruchsvolle Unterhaltung zum Genießen!
Sony 88985443362
Alte Oper Frankfurt, 4. Dezember,
20 Uhr. Karten von 35 bis 65 Euro unter Telefon (069) 1 34 04 00.
Internet www.alteoper.de

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