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Mädchenbuch-Verfilmung „Conni & Co 2“: Interview mit Heino Ferch: „Bei Komik droht Absturz“

In der Fortsetzung von „Conni & Co“ spielt Heino Ferch einen üblen Bürgermeister, der sich nicht um Naturschutz schert und so die Kinderbande gegen sich aufbringt.
Bürgermeister Möller (Heino Ferch) muss durchs Gebüsch kriechen. Er will auf der Kanincheninsel eine Hotelanlage bauen lassen, und Connis Bande hat beschlossen, ihm diese Idee mit allen Mitteln auszutreiben. Foto: © NIK KONIETZNY Bürgermeister Möller (Heino Ferch) muss durchs Gebüsch kriechen. Er will auf der Kanincheninsel eine Hotelanlage bauen lassen, und Connis Bande hat beschlossen, ihm diese Idee mit allen Mitteln auszutreiben.

Die namhaften Regisseure, unter denen Heino Ferch gearbeitet hat, ergeben mittlerweile eine ganze Liste: Mit Volker Schlöndorff drehte er „Der Unhold“, mit Tom Tywer „Lola rennt“ und „Winterschläfer“, Wim Wenders engagierte ihn für „In weiter Ferne, so nah!“, bei Joseph Vilsmaier stand er als „Comedian Harmonist“ vor der Kamera. Zu Ferchs zahlreichen Fernsehspielfilmen zählen „Der Tunnel“, „Das Wunder von Lengede“, „Die Luftbrücke“ sowie der Thriller „Spuren des Bösen“. Sein komisches Talent bestätigte der Schauspieler bereits mit der Mädchenbuchverfilmung „Conni & Co“. In deren Fortsetzung spielt er nun unter der Regie von Til Schweiger einen korrupten Bürgermeister, dem sich eine Gruppe Kinder widersetzt, um ein Saurier-Skelett und eine idyllische Insel vor der Zerstörung zu retten. Wie beim ersten Teil spielt Schweigers Tochter Emma die Rolle der coolen Conni. Mit Heino Ferch unterhielt sich Dieter Oßwald.

Herr Ferch, vom Komiker W.C. Fields stammt die Warnung, nicht mit Kindern und Tieren zu drehen, weil man gegen deren natürlichen Charme niemals eine Chance hätte. Sie haben das nun bereits zum zweiten Mal gemacht.

HEINO FERCH: Mit Kindern und Hunden hat man als Schauspieler tatsächlich eine sehr starke Konkurrenz. Da muss man schon schauen, wie man noch seine Punkte machen kann. Zum Glück bietet meine Figur des Bürgermeisters viele Möglichkeiten, als Gegenpol zu agieren, womit sich recht gut eine unterhaltsame Spannung aufbauen lassen lässt.

Wie dick darf man auftragen bei so einer Figur?

FERCH: Die Regieanweisung von Til Schweiger hieß „Gib’ dem Affen Zucker. Der Affe kann gar nicht genug Zucker haben!“. Weil er den Film bereits während der Dreharbeiten zu schneiden begann, konnte man abends sofort sehen, wie die Szenen des Tages ausfielen. Dadurch bekommt man ein sehr gutes Gespür, wie weit man in der Darstellung gehen kann.

Drohen keine Konflikte, wenn der Regisseur zugleich Vater der Schauspiel-Partnerin ist?

FERCH: Nein, überhaupt nicht. Die Dreharbeiten waren von einem großen Schulterschluss geprägt. Til und ich kennen uns schon viele Jahre. Gemeinsam gearbeitet hatten wir bislang allerdings noch nie. Das hat sofort wunderbar funktioniert, wir haben uns nicht nur blendend verstanden, sondern hatten großen Spaß bei diesem Projekt.

Sie drehen sehr viele Filme, aber komische Rollen weniger. Woran liegt das?

FERCH: Es gibt ganz einfach zu wenig Angebote, die meiner Vorstellung von Komik entsprechen. Der Gag mit der Bananenschale allein genügt mir nicht. Viel spannender finde ich das Konzept eines Billy Wilder, wonach das Komische immer mit dem Tragischen zu tun haben sollte – und umgekehrt. Die Not der Situation macht für mich die beste Komik aus. Genau auf dieser Basis bieten sich unserem arroganten Bürgermeister samt seiner selbstverliebten Sturheit ja sehr viele Möglichkeiten.

Wie ernst nimmt man als Schauspieler so eine Rolle in einem Kinderfilm im Vergleich etwa zu „Der Untergang“?

FERCH: Das bewegt sich für mich absolut auf derselben Höhe. Ich muss so eine Rolle genauso ernst nehmen, wenn nicht sogar mit noch größerer Wachsamkeit spielen. Im Komödiantischen kann der Absturz vom Seil wahnsinnig schnell passieren. Es bedarf großer Präzision und eines guten Timings, sonst funktioniert solch eine Figur nicht richtig.

Welche Qualitäten muss ein Kinderfilm bieten?

FERCH: Er muss Szenen und Situationen bieten, in denen sich Kinder wiederfinden – sei es in der Familie oder der Schule. Auf dieser vertrauten Basis entwickelt der Film dann die Konflikte der Story, die Trauer, das Lachen und Weinen, Streit und Versöhnung. Mit diesen Elementen können wir die Herzen der jungen Zuschauer erreichen.

Wann sind Sie von einem Drehbuch überzeugt?

FERCH: Wenn ein Drehbuch nach den ersten 20 Seiten nicht richtig gezündet hat, dann wird es nach meiner Erfahrung schon schwierig – wenngleich es bisweilen Ausnahmen von dieser Regel geben kann. Entscheidend ist für mich vor allem, dass eine Rolle viele Farben und Facetten bietet.

Wäre Hollywood nicht verlockend für Sie?

FERCH: Die Hollywood-Nummer klappt nur, wenn man mit einer großen internationalen Rolle dort hingeht – siehe Maximilian Schell, Klaus Maria Brandauer oder Christoph Waltz. Erst wenn man so etwas vorweisen kann, wird man in den Studios ernsthaft herumgereicht. Die Alternative, als einer unter sehr vielen dort anzufangen und auf eine Karriere zu hoffen, ist ein langer, mühseliger und wenig erfolgversprechender Weg.

Spielen Sie in „Conni & Co“ oder „Hanni und Nanni“ auch deshalb, damit Ihre eigenen Kinder sehen, was der Papa so macht?

FERCH: Es ist schon ein herrliches Gefühl, wenn die eigenen Kinder über einen Film lachen, in dem man auftritt. Wenn auf dem Schulhof die Arbeit des Papas zum Thema wird, macht einen das durchaus ein bisschen stolz.

Würden Sie Ihren Kindern den Beruf des Schauspielers empfehlen?

FERCH: Das müssen sie letztlich selber wissen. Das Fernsehen gaukelt einem heute gerne vor, dass alle Stars werden können und schnell Karriere machen. Aber wir wissen alle, dass dies eine Illusion ist. Wenn die unbedingte Leidenschaft zur Schauspielerei vorhanden ist, dann kann man trotz allem Risiko sagen: Versuche es. Aber wenn du Zweifel hast, dann höre besser wieder auf.

 

Vom 20. April an in den Kinos

 

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