Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
1 Kommentar

Sänger, Songschreiber, Dichter und Übersetzer wird 60: Interview mit Heinz Rudolf Kunze: "Deutschlands Sound ist ein ziemliches Gemisch"

Er ist Sänger, Songschreiber, Dichter und Übersetzer: Heinz Rudolf Kunze ist seit Jahrzehnten ungeheuer produktiv. Heute wird er 60 Jahre alt.
Heinz Rudolf Kunze wird 60. Foto: Rolf Vennenbernd (dpa) Heinz Rudolf Kunze wird 60.

Über 40 Platten hat Heinz Rudolf Kunze in 35 Jahren veröffentlicht. Und die Ideen gehen ihm nicht aus, wie die aktuellen Alben „Deutschland“ und „Meisterwerke“ beweisen. Kunze schreibt poetische, ironische, aufwühlende, teils bitterböse Songs. Und überzeugt mit Worten, nicht durch Lautstärke. Olaf Neumann sprach mit ihm.

Herr Kunze, was ist das für ein Gefühl, 60 zu werden?

HEINZ RUDOLF KUNZE: Es hat ja keinen Sinn, den Kopf in den Sand zu stecken und diesen symbolischen Geburtstag zu ignorieren. Natürlich hat diese Null eine Suggestivkraft. Aber mein alter Trompeter Dick hat gesagt: „Heinz, es ist besser als die Alternative, oder?“

Ihre Musik war von Anfang an stark mit Deutschland verbunden.

KUNZE: Thematisch beschäftige ich mich mit dem Land, in dem ich lebe. Musikalisch bin ich dagegen mit England und Amerika verbunden. Ich weiß nicht, was das sein soll: deutsche Rockmusik.

Welchen „Sound“ hat denn die deutsche Gesellschaft?

KUNZE: Ich glaube nicht, dass man da mit einem Sound hinkommt. In einem großen Land wie Deutschland mit sehr viel verschiedenen Menschen klingen einige Sounds durcheinander. Allein die mentalen Unterschiede in den einzelnen Regionen sind so groß, dass der Bayer sicherlich nicht den Sound des Ostfriesen hat. Wenn dann noch die Menschen aus anderen Ländern und Regionen dazu kommen, dann wird das ein ziemliches Gemisch.

„So einfach ist es nicht, dieses Land zu lieben“, heißt es im Song „Deutschland“. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihrer Heimat beschreiben?

KUNZE: Auf jeden Fall so, dass es für mich nie in Frage käme, Zeilen abzusondern wie: „Ich bin stolz darauf, ein Deutscher zu sein“. Das wäre mir zu platt. Ich verstehe aber Menschen, die so etwas singen. Irgendeine Metal-Band hat es mal gemacht und dafür auch gleich Beifall von der falschen Seite bekommen. Ich teile das Bedürfnis, ein entkrampftes Verhältnis zu seinem Land zu haben. Aber das ist nicht so einfach. Es gibt Legionen von Künstlern, die unter Deutschland gelitten haben und ihre Heimat aus dem Exil betrachten mussten. Von Heinrich Heine bis Bertolt Brecht und Thomas Mann. Ein gebrochenes Verhältnis zu Deutschland habe ich schon, aber ich könnte mir nicht vorstellen, ans Mittelmeer zu ziehen und dann immer wieder mal rübergeflogen zu kommen, um hier zu arbeiten. Ich brauche die ständige Nähe zu dieser Sprache und dieser Gemengelage hier.

Mit ihrem „Wir schaffen das“ steht Merkel in der Flüchtlingsfrage derzeit ziemlich alleine da. Die Stimmung unter den Bürgern kippt. Wie rechts ist Deutschland?

KUNZE: Deutschland ist nach wie vor ein sehr buntes und sehr gemischtes Land. Man sollte nicht vergessen, wie viele Menschen in den letzten Monaten ihre Freizeit geopfert haben und bis an die Grenzen der Belastbarkeit gegangen sind, um zu helfen. Das kommt manchmal etwas zu kurz. Ich sehe im Helfen und im Verteidigen unserer Grundwerte auch keinen Widerspruch. Es gibt sowohl Menschen, die unseren Schutz verdienen, als auch andere, die hier nicht hingehören, weil sie sich nicht an die Regeln halten und deshalb wieder raus müssen.

Für welche Ideale haben Sie als junger Mensch gekämpft?

KUNZE: Tue ich das nicht eigentlich immer noch? Ich möchte durch meine Beiträge die Welt ein bisschen abwechslungsreicher und schöner machen.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse