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Comeback-Tour: Interview mit Helmut Lotti : „Ich bin nicht mehr so egozentrisch“

Er ist ein Wanderer zwischen den Welten: Ob Klassik, Jazz oder Rock-Pop – Helmut Lotti beherrscht alle Stile und Genres. Nach seiner Auszeit kehrt er mit einer Tournee zurück, die ihn auch in die Frankfurter Jahrhunderthalle führt.
Ein bisschen Schmusesänger ist Helmut Lotti immer noch – auch nach seiner musikalischen Auszeit. Ein bisschen Schmusesänger ist Helmut Lotti immer noch – auch nach seiner musikalischen Auszeit.

Und plötzlich war er weg. Abgang von der Bühne, Scheinwerfer aus, keine Schlagzeilen mehr: Helmut Lotti hatte genug vom Stress und Druck des Musikgeschäfts, wollte einfach Ruhe und Zeit für sich haben. Fast sechs Jahre lang hat sich diese Schaffenspause hingezogen – nun ist der alte Charmeur wieder da, nach dem Comeback-Album folgt die Comeback-Tour. Und doch ist der 48-jährige Belgier nicht mehr (allein) jener Schwiegermutter-Traum wie vor seiner Auszeit – und das nicht nur ob seines Verzichts auf sein Toupet. Geblieben ist hingegen das Lampenfieber, denn: „Dieses Adrenalin brauche ich, das gibt mir Energie“, wie Lotti vor seinem Auftritt in der Frankfurter Jahrhunderthalle am 16. Dezember Christoph Forsthoff erzählt hat.

Herr Lotti, „Ungeduldig, leicht gereizt, egozentrisch, ziemlich faul“: So haben Sie mir vor zehn Jahren auf die Frage nach Ihren Schwächen geantwortet – wie hat sich der Mensch Helmut Lotti seither verändert?

HELMUT LOTTI: Ich bin nicht mehr so egozentrisch. Die drei anderen Eigenschaften hingegen treffen durchaus noch zu.

Wer Ihren aktuellen Tourplan sieht, kann sich Faulheit bei Ihnen kaum vorstellen.

LOTTI: Ich brauche diese Faulheit, um dann plötzlich die Dinge sehr intensiv zu machen. Hätte ich diese Faulheit nicht und könnte nicht Nein sagen zu manchen Sachen, dann wäre ich nicht in der Lage, anderes so konzentriert und fokussiert anzugehen.

War dies auch ein Grund für Ihre mehrjährige Auszeit?

LOTTI: Nein, der Grund war, dass der Vertrag mit meiner Plattenfirma damals auslief und es für mich in dem Moment einfach mal reichte. Ich wollte wissen und entdecken, was es sonst noch gab in meinem Leben und auch darüber nachdenken, wie es kam, dass es bei mir privat immer schiefgelaufen ist und ob das etwas mit meiner Karriere zu tun hatte – heute weiß ich, dass das nicht der Fall ist.

Ist es für Künstler schwieriger, dauerhaft in einer glücklichen Beziehung zu leben?

LOTTI: Das hat nichts damit zu tun – auch wenn ich Müllmann gewesen wäre, wären meine drei Ehen gescheitert. Ich habe ganz einfach immer nur die falschen Entscheidungen getroffen.

Inwiefern falsche Entscheidungen?

LOTTI: Falsch insofern, als ich eigentlich dreimal von Anfang an wusste, was schiefläuft. Doch ich dachte: Ich mache weiter und löse das. Aber wenn es schon an der Basis Sachen gibt, die nicht okay sind – und damit meine ich nicht, dass meine Partnerinnen nicht okay gewesen wären: Es fehlte einfach die Grundlage für eine dauerhafte Beziehung. Und da hätte ich eigentlich gleich sagen sollen: Schluss damit – und das habe ich dreimal nicht gemacht.

Aber Sie haben die Hoffnung auf die große Liebe dennoch nicht aufgegeben?

LOTTI: Nein, natürlich nicht – ich werde nur künftig nicht mehr eine Beziehung eingehen, wenn diese schon am Anfang nicht hundertprozentig stimmt. Das hat einfach keinen Sinn, denn Männer und Frauen sind ja schon von Natur aus unterschiedlich genug.

Eine Erkenntnis Ihrer Auszeit – und was haben Sie sonst in diesen Jahren gemacht?

LOTTI: Ich habe ganz viel über mich selbst nachgedacht, und ich wollte auch künstlerisch mal etwas ganz Anderes machen – und das habe ich auch, und zwar lokal in Belgien.

Dort haben Sie ein Album auf Niederländisch mit einer Rockband herausgebracht .

LOTTI: Ja, und das hat Spaß gemacht, nur hat es für meine Karriere nichts gebracht. So aber weiß ich jetzt, was für mich möglich und was nicht möglich ist, und ich habe Frieden mit meiner eigenen inneren Unruhe geschlossen und kann mit noch mehr Überzeugung auf die Bühne klettern und meine Sache machen.

Wenn Sie viel über sich und Ihr Leben nachgedacht haben – müssen wir uns dann einen vor sich hin sinnierenden Helmut Lotti vorstellen?

LOTTI: Oh nein, ich habe viel Spaß gehabt! Ich habe schöne Reisen unternommen und bin kulturell in Belgien sehr aktiv gewesen. So war ich Jury-Vorsitzender unseres wichtigsten Theaterfestivals, saß in der Jury eines Filmfestivals, habe auf der Bühne Poesie und Musik miteinander kombiniert gebracht mit Liedern dazwischen – und vor allem selber auch ganz viele Kulturveranstaltungen besucht.

Welcher Art?

LOTTI: Tanz und Oper etwa – wobei ich jedes Mal, wenn ich etwas gesehen hatte, immer gleich überlegt habe: Wie kann ich daraus etwas für meine eigene Show machen? Ja, nicht selten hatte ich Lust, einfach selbst auf die Bühne zu springen und mitzumachen.

Und wie haben diese Jahre den Künstler Helmut Lotti verändert?

LOTTI: Ich glaube, ich habe mich nicht so sehr verändert – und das werden die Menschen auf meiner Tour auch erfahren. Ich bin immer noch der gleiche Helmut.

Das Image des Schmusesängers tragen Sie also nach wie vor mit sich.

LOTTI: Ich weiß nicht, was genau dieses Image bedeuten soll, aber natürlich werde ich Lieder singen, die sich schon früher in meinen Programmen gefunden haben, und im ersten Teil des Abends gibt es wie immer Songs von meinem neuen Album. Insofern wird meine Show sein wir früher – und ich bin auch wieder auf Tour mit dem Golden Symphonic Orchestra.

Seinerzeit galten Sie als Traum aller Schwiegermütter – und heute?

LOTTI: Wissen Sie, all das habe ich nicht erfunden und ich beschäftige mich nicht mit solchem Blödsinn.

Auf jeden Fall haben Sie damals polarisiert: Die einen liebten Sie, die anderen mochten Sie gar nicht.

LOTTI: Auch das ist etwas, das ich selber nicht kontrollieren kann und möchte.

Jahrhunderthalle Frankfurt

Pfaffenwiese 301. 16. Dezember,
20 Uhr. Karten von 56,45 bis 76 Euro unter Hotline 0 18 05-3 60 12 40.
Internet www.jahrhunderthalle.de

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