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Zwei Klassik-Stars im Gespräch: Interview mit Julia Fischer und Daniel Müller-Schott: „Uns verbindet die Demut“

Sie war einst in Frankfurt Deutschlands jüngste Professorin an der Musikhochschule – er wurde von Anne-Sophie Mutter gefördert: Heute geben die Geigerin Julia Fischer und der Cellist Daniel Müller-Schott einen Kammermusikabend in Weilburg.
Mit neun Jahren begann sie ihr Violinstudium, mit zwölf spielte sie im Duett mit Yehudi Menuhin: Heute ist Julia Fischer 34 Jahre alt und ein Weltstar auf der Geige. Ihre besondere Liebe gehört dabei der Kammermusik. Mit neun Jahren begann sie ihr Violinstudium, mit zwölf spielte sie im Duett mit Yehudi Menuhin: Heute ist Julia Fischer 34 Jahre alt und ein Weltstar auf der Geige. Ihre besondere Liebe gehört dabei der Kammermusik.

Selten so viel gelacht: Auf der Bühne sind Julia Fischer und Daniel Müller-Schott die künstlerische Ernsthaftigkeit in Person – doch im Doppelinterview kommen die Geigerin wie der Cellist ebenso entspannt wie gelöst daher. Was sicher auch an der gemeinsamen bayerischen Heimat und deren „herzlicher Stimmung“ liegt, wie der 40-jährige Schott konstatiert – vor allem aber daran, dass die beiden seit 20 Jahren nicht nur auf den Bühnen eine künstlerische, sondern auch eine persönliche Freundschaft verbindet. Die nun in ein Trio-Programm mit dem Pianisten Herbert Schuch gemündet ist. Vor ihrem gemeinsamen heutigen Auftritt bei den Weilburger Schlosskonzerten hat Christoph Forsthoff die beiden Weltstars getroffen.

Frau Fischer, Herr Müller-Schott, erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung?

DANIEL MÜLLER-SCHOTT: Das war im Juni 1996. Wir saßen beide in einer Talk-Runde des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel „Hochbegabt – was dann?“, und es wurde diskutiert, wie man mit Hochbegabung und besonderem Talent umgehen soll.

Und was war damals Ihr erster Eindruck vom anderen?

MÜLLER-SCHOTT: Ich war sehr beeindruckt von der Bestimmtheit, wie Julia schon damals in der Podiumsdiskussion ihre Thesen vermittelt hat. Du warst 13, doch ich hatte den Eindruck, Du warst Deiner Jugend weit voraus und hattest schon ganz klare Vorstellungen, wie es mit Schule und Studium bei Dir weitergehen sollte.

Der 1976 in München geborene Cellist Daniel Müller-Schott gehört ebenfalls zur Weltklasse und ist Kammermusikpartner von Julia Fischer. Bild-Zoom Foto: uwe arens
Der 1976 in München geborene Cellist Daniel Müller-Schott gehört ebenfalls zur Weltklasse und ist Kammermusikpartner von Julia Fischer.

JULIA FISCHER: Ich fand Daniel damals eher introvertiert – vor allem im Vergleich zu mir. Und ich glaube, das ist bis heute so, wenn wir in der Öffentlichkeit auftreten: Ich rede einfach lauter als Du. Damals gab es aber zudem noch ein echtes Missverhältnis: Ich war halt 13 und noch ein Kind – und Daniel war 19 und schon ein Erwachsener.

MÜLLER-SCHOTT: Du kamst damals gerade vom Eurovisionswettbewerb für junge Instrumentalisten in Lissabon, den Du gewonnen hattest – ich hatte mit 15 Jahren solch ein Erlebnis gehabt beim Tschaikowsky-Jugendwettbewerb und war danach regelrecht in den Musikerberuf hineingezogen worden. Dann, mit 19, stand ich vor der Frage: Wie gehe ich mit diesem Beruf um? Und wahrscheinlich hast Du mich damals deshalb auch so wahrgenommen, weil ich viel zugehört und versucht habe, meinen eigenen Weg zu finden.

Nun ist bei Ihnen aus dieser ersten Begegnung ja schon recht bald eine echte musikalische Freundschaft entstanden. Was zeichnet den anderen musikalisch aus?

FISCHER: Daniel ist wahnsinnig neugierig – in jeder Hinsicht: musikalisch wie auch im Repertoire und im Ausprobieren von Instrumenten, Bögen und Saiten. Er ist einer derjenigen, die immer weiter suchen – und das finde ich schon beeindruckend.

Wie äußert sich das konkret?

FISCHER: Einmal haben wir das Brahms-Doppelkonzert gespielt, und eine Stunde danach klopfte Daniel an meine Tür mit Partitur und Aufnahme des Konzerts und meinte: „So können wir das morgen nicht spielen, das geht nicht“. Und dann wurde diskutiert. Wir haben uns das angehört, jeder mit einem Ohrstöpsel und den Noten, und haben das Werk dann bis in die Nacht hinein studiert.

Nun verbindet Sie beide inzwischen ja weit mehr als nur die Musik.

MÜLLER-SCHOTT: Das ist ganz wichtig, denn ich glaube, dass es über die Musik hinaus noch viel mehr geben muss. Die menschliche Seite ist einfach untrennbar von der Musik – und wenn man sich da versteht und das Gefühl hat, dass es ein Vertrauen gibt und man sich gegenseitig unterstützt, dann ist das die Basis dafür, dass dies über Jahre und Jahrzehnte, ja vielleicht sogar ein ganzes Leben hält und man immer Freude hat, miteinander zu musizieren.

Wer Sie auf der Bühne sieht, erlebt stets zwei sehr ernste Künstler – verbindet Sie auch eben diese große Ernsthaftigkeit, mit der Sie sich der Musik nähern?

MÜLLER-SCHOTT: Ja, ganz sicher.

FISCHER: Ich glaube, uns verbindet die Demut, mit der wir uns der Musik nähern.

MÜLLER-SCHOTT: Und wir sind natürlich auch in demselben kulturellen Umfeld groß geworden: Wir hatten Lehrer, die uns die Großartigkeit der Komponisten und der Musik nahegebracht haben – und das ist etwas, das in der Arbeit eine große Rolle spielt. Wir wollen uns wirklich um die Musik kümmern – und das ist natürlich leichter, wenn man quasi dieselbe Generation ist, zumal wir ja auch beide in Bayern aufgewachsen sind: Dadurch begegnet man sich leichter. Auch von den Familien haben wir Ähnliches erlebt: Julias Mutter ist Pianistin, der Vater Naturwissenschaftler – bei mir ist es genauso, meine Mutter kommt vom Tasteninstrument, mein Vater ist Mathematik- und Physiklehrer.

FISCHER: Unsere beiden Väter sind Mathematiker.

MÜLLER-SCHOTT: Da fällt der Kontakt schon mal von Haus aus leichter (lacht). Im Ernst: In der Musik öffnet man sich in jedem Bereich und ist gänzlich ungeschützt – was einerseits schön ist, aber andererseits eben auch dazu führen kann, dass man manchmal Unterstützung braucht; und gerade im gemeinsam Musizieren kann man sich dann in vielen Dingen helfen.

Ist diese gegenseitige Hilfe auch ein Grund, dass es Sie beide immer wieder zur Kammermusik zieht, obwohl Sie es sich ja als erfolgreiche Solisten bequemer machen und sich auf die Solokonzerte konzentrieren könnten?

MÜLLER-SCHOTT: Alle Komponisten haben die Kammermusik stets als inneres Zentrum ihrer Musik gesehen. Die Kammermusik ist nun einmal der Ursprung und die intimste Form des Musizierens.

FISCHER: Wenn man den Beruf des Musikers ergreift, um es dann einfach zu haben, ist das sicher nicht der richtige Weg. Man muss sich immer weiterentwickeln und dazulernen wollen – und hierbei ist die Kammermusik der Weg mit der größten Inspirationsmöglichkeit.

 

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