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Französische Filmregisseur über Comics und Fantasie: Interview mit Luc Besson: „Wir träumen nicht mehr“

Starregisseur Luc Besson bringt eine Lieblingsfigur seiner Kindheit ins Kino: den Raum-Zeit-Agenten Valerian, der sich seit 50 Jahren durch Comics kämpft.
Das Volk der Pearls auf seinem Heimatplaneten: In seinem neuen Science-Fiction-Film „Valerian“ inszeniert Regisseur Luc Besson mit der Elite der Tricktechnik atemberaubende Kinobilder. Das Volk der Pearls auf seinem Heimatplaneten: In seinem neuen Science-Fiction-Film „Valerian“ inszeniert Regisseur Luc Besson mit der Elite der Tricktechnik atemberaubende Kinobilder.

Mit den Special Effects von „Das fünfte Element“ beeindruckte Luc Besson vor 20 Jahren Millionen Kinofans. Bei dem Weltraumabenteuer „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ setzt der französische Starregisseur mehr als zehn Mal so viele Tricks ein. Herausgekommen ist ein Blockbuster mit überwältigenden Bildern. Der Science-Fiction-Held Valerian, der erstmals 1967 in Frankreich auftauchte, ist nach einem römischen Kaiser des dritten Jahrhunderts benannt. Der wurde vom Feind gefangen genommen, als lebendiger Hocker gedemütigt, dann ermordet und gehäutet. In der hochpolitischen Comicreihe erschienen über die Jahrzehnte hinweg nicht einmal zwei Dutzend Bände. Doch daraus hat der Franzose großes Popcorn-Kino gemacht. In den Hauptrollen: Die Jungstars Dane DeHaan als Valerian, Cara Delevingne als seine Partnerin Laureline und Popstar Rihanna als sexy Formwandlerin. Beteiligt waren außerdem Tricktechniker der „Star-Wars“-Reihe und der „Herr-der-Ringe“-Saga. Mit Luc Besson (58) sprach Martin Schwickert.

Ein Profi wie „Leon“ in seinem Film: Regisseur Luc Besson. Bild-Zoom Foto: Ian Langsdon (EPA)
Ein Profi wie „Leon“ in seinem Film: Regisseur Luc Besson.

Monsieur Besson, haben Sie sich mit „Valerian“ auch einen Kindheitstraum erfüllt?

LUC BESSON: Mein Vater hat mir, als ich zehn war, ein Comic-Heft namens „Pilot“ mitgebracht, und da waren jede Woche zwei Seiten von „Valerian“ drin. Diese beiden wunderschön kolorierten Seiten waren für mich die einzige Fluchtmöglichkeit aus der Realität. Ich habe geträumt, dass ich mit Laureline durch den Weltraum reise. Sie war meine erste Liebe. Valerian und Laureline sind wie Starsky & Hutch im Weltraum. Zwei Cops, die durch Zeit und Raum reisen. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich daraus einen Film machen würde.

Die Comics von Jean-Claude Mézières und Pierre Christin sollen schon George Lucas zu „Star Wars“ inspiriert haben und auch in das „Fünfte Element“ haben Sie 1997 schon Motive davon verarbeitet . . .

BESSON: Bei den Dreharbeiten zu „Das fünfte Element“ habe ich sogar direkt mit Mézières zusammengearbeitet. Eines Tages fragte er mich: Warum machst du diesen blöden Film? Mach’ doch lieber „Valerian“. Daraufhin habe ich alle Bände noch einmal mit dem Blick eines Filmemachers gelesen und festgestellt, dass es nach damaligem Stand der Technik einfach unmöglich war, diese Welten auf die Leinwand zu bringen. Aber als dann zehn Jahre später „Avatar“ in die Kinos kam und die Technologie einen großen Sprung nach vorne machte, habe ich mich an die Arbeit gemacht.

Viele Comics, die heute auf die Leinwand gebracht werden, haben ihren Ursprung in den sechziger und siebziger Jahren. War das eine besonders kreative Periode in der Comic-Kultur?

BESSON: Nicht nur im Comic-Bereich, auch in der Literatur. Vielleicht liegt das daran, dass damals die kreative Ablenkung durch die neuen Technologien noch nicht existierte und man seine Vorstellungskraft mehr nutzen musste. Wenn ich als 12-Jähriger mein Fenster öffnete, standen da ein paar Kühe, das war’s. Wir hatten kein Internet, kein Smartphone, keine Videospiele, im Fernsehen gab es nur einen Kanal in Schwarzweiß. Deshalb musste man auf die eigene Fantasie vertrauen, wenn man sich weg träumen wollte. Heute mit Millionen von Bildern und Videos, muss man nicht mehr träumen. Man muss nur noch hinsehen.

Im Gegensatz zu zahlreichen Superhelden aus amerikanischen Comic-Verfilmungen, verfügen Laureline und Valerian über keinerlei übernatürliche Fähigkeiten. Fehlt da was?

BESSON:Genau das mochte ich an den beiden immer. Sie sind sehr menschliche Helden. Wenn sie das Raumschiff lenken, streiten sie sich rum wie ein Ehepaar auf Familienurlaub. Ich mag keine Superhelden. Davon gibt es schon so viele. Valerian ist cool, lustig, überheblich und ein Lügner. Dennoch würde er für Laureline jederzeit sein Leben riskieren und sich vor ein 300 Kilo schweres Monster werfen. Wenn es darauf ankommt, ist er ein Held. Den Rest der Zeit kann er ein ganz schöner Blödmann sein. Laureline ist definitiv intelligenter von den beiden. Da wollte ich ein wenig mit den Geschlechterrollen spielen.

Gibt es einen kulturellen Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Comic-Figuren?

BESSON: Solche Fragen sind immer schwer zu beantworten. Nehmen wir z. B. Van Gogh. Van Gogh stammt aus Holland. Die Blumen, die er gemalt hat, sind aus Frankreich, und das Bild hängt heute in einem Museum in New York und wird im Moment gerade von einem Koreaner angeschaut. Und im Grunde ist es völlig egal, woher das Bild kommt. Es ist großartig.

Im Film leben auf dem Planeten „Alpha“ die verschiedensten Alien-Kulturen miteinander und haben ihr gesamtes Wissen in riesigen digitalen Bibliotheken zusammengelegt. Ist das Ihre positive Zukunftsutopie?

BESSON: Es ist eigentlich keine Utopie, sondern spiegelt das wieder, was wir versuchen zu sein. Heute kann man in Berlin sitzen und zu Bob-Marley-Musik Sushi essen. Das ist vollkommen normal. Der Planet „Alpha“ ist vieles in einem: eine Stadt der Wissenschaft, Wall Street, Pigalle und ein riesiges Museum intergalaktischer Weltgeschichte. Mehr als 8000 verschiedene Alien-Arten versuchen hier miteinander in Frieden zu leben. Die Unterschiede zwischen uns Menschen erscheinen relativ marginal.

Blicken Sie selbst optimistisch in die Zukunft?

BESSON: Die Zukunft ist nicht festgelegt. Sie wird von jedem von uns gestaltet. Es kommt darauf an, was wir daraus machen. In Zeiten, in denen man Politikern nicht mehr glauben kann und Sportler ihre Erfolge mit Doping ergaunern, wenden sich die Menschen immer mehr den Künstlern zu, weil diese Verrückten die einzigen sind, die noch die Wahrheit sagen. Künstler haben heute große Verantwortung.

Von wem haben Sie als Künstler am meisten gelernt?

BESSON: Meine Mutter hat mir alles beigebracht, worauf es im Leben ankommt. Und von Delphinen.

Von Delphinen?

BESSON: Delphine machen nur drei Dinge am Tag: essen, spielen und sich lieben. Ich habe versucht, diese Philosophie in mein Leben zu integrieren, aber das ist in der Welt, in der wir leben, sehr schwer.

Besonders wenn man mit „Valerian“ einen Film mit einem Budget von 200 Millionen Dollar stemmt. Wie groß ist der Erfolgsdruck?

BESSON: Meine Sorgen im Drehalltag gelten weniger dem Budget als dem Wetter am Drehtag – oder dem Befinden der Schauspieler.

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