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Bullyparade: Interview mit Michael Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian: "Wir haben eine Schmerzgrenze"

Die drei Komödianten bringen alles, was sie als Sketch ins Fernsehen gebracht haben, nun als Großformat auch in die Filmtheater. Mit erneuertem Humor.
Michael „Bully“ Herbig als Winnetou (Mitte) mit Rick Kavanian (links) und Christian Tramitz in der Episode „Der Schuh des Manitu“. Foto: Marco Nagel Michael „Bully“ Herbig als Winnetou (Mitte) mit Rick Kavanian (links) und Christian Tramitz in der Episode „Der Schuh des Manitu“.

Von 1997 bis 2002 erfreute eine Fernsehshow, in der etliche Klassiker der Filmgeschichte veralbert wurden: von „Star Trek“, über „Winnetou“, bis hin zu „Sissi“. Hinter den Sketchen dieser „Bullyparade“ standen Michael „Bully“ Herbig, Rick Kavanian und Christian Tramitz. Die auf den beliebtesten Figuren der Reihe basierenden Kinofilme „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ belegen die ersten beiden Plätze auf der Liste der erfolgreichsten deutschen Filme (ohne DDR). Zum 20. Geburtstag der „Bullyparade“ laden die wiedervereinten kreativen Köpfe nun zu einer leinwandfüllenden Sketch-Parade mit alten und neuen Charakteren. André Wesche traf die Herren Herbig (49), Kavanian (46) und Tramitz (62) in Berlin zum Gespräch.

Herr Herbig, Herr Tramitz, Herr Kavanian, Sie haben mit zwei Filmen deutsche Kinogeschichte gemacht. Ein Gefühl, das so süchtig macht, dass Sie es gern noch einmal erleben möchten?

RICK KAVANIAN: Nicht in kommerzieller Hinsicht.
CHRISTIAN TRAMITZ: Doch!
KAVANIAN: Wir haben den Film nicht gemacht, um an die Zahlen von damals heranzureichen, sondern weil es schön ist, nach so langer Zeit zu jener Sache zurückzukehren, mit der wir angefangen haben. Es war ja gar nicht klar, wo die Reise hingehen würde. Nach all den Jahren, in denen wir getrennte Wege gegangen sind, hat es immer noch so viel Spaß gemacht. Das ist etwas ganz Besonderes. Wir hatten untereinander das Gefühl, das wir dieselbe Temperatur erreichen können wie früher – natürlich mit neuen Geschichten und einer Weiterentwicklung des Humors. Diese Zahlen von damals zu erreichen, ist vielleicht nicht unmöglich, aber sehr schwer.
MICHAEL HERBIG: „Süchtig“ ist nicht das richtige Wort, wir sind ja keine Junkies. Wenn man wirklich süchtig wäre, hätte man ohne Skrupel sofort einen zweiten Teil von beiden Filmen gemacht. Diese Pause hat uns unheimlich gut getan. Jeder von uns hat sie optimal genutzt. Es war der neuen Zusammenarbeit sehr förderlich, dass man wieder mit so einer Frische herangehen konnte.

Als Außenstehender hat man die romantische Vorstellung, dass die Mitglieder einer Lieblingstruppe oder einer Lieblingsband auch nach der Arbeit die dicksten Freunde sind. Wie würden Sie Ihr Verhältnis untereinander beschreiben?

TRAMITZ: Der Abstand, von dem Bully gesprochen hat, hat uns allen wahnsinnig gut getan. Wir haben für sechs Staffeln „Bullyparade“ lange sehr eng zusammengearbeitet. Und dann kam noch das Radio dazu. Wir haben wirklich jeden Tag aufeinander gehockt, geschrieben und gespielt. Da langt es einem dann irgendwie. Trotzdem kann man sagen, dass wir befreundet sind. Dazu müssen wir uns nicht täglich anrufen. Es ist nicht wie bei den „Oasis“-Brüdern Gallagher, die immer mal wieder sagen, wir müssen uns zusammenraufen, um sich sofort darauf wieder gegenseitig den Schädel einzuhauen.

Bully, Sie waren immer für Ihren Perfektionismus berühmt-berüchtigt. Können Sie es mittlerweile lockerer angehen lassen?

HERBIG: Ich weiß inzwischen, dass man diesen einen Superfilm, den man gern machen möchte, einfach nicht hinkriegt. Wenn man das akzeptiert und 80 oder 90 Prozent von dem erreicht, was man sich vorgenommen hat, kann man zufrieden sein. Es ist sehr schwer, die Dinge eins zu eins auf die Leinwand zu kriegen, die man im Kopf hat. Oft scheitert man an Kleinigkeiten. Oder die Kohle und die Zeit sind nicht da. Ich bin zufrieden, wenn man die Idee wiedererkennt. Aber es geht mir schon so, dass ich die Fehler in einem Film mit ein wenig Abstand nicht mehr sehe. Wenn ich mir nach sechzehn Jahren den „Schuh des Manitu“ anschaue, dann fallen mir die Dinge, die mich damals gestört haben, gar nicht mehr groß auf.

Gab es jemals Pläne, mit der „Bullyparade“ live vor Publikum aufzutreten?

KAVANIAN: Denkbar ist das schon. Wir haben die „Bullyparade“ ja auch live vor Publikum aufgezeichnet. Aber es wäre ein wahnsinniger Aufwand.

Im Film gibt es eine sehr nette Strip-Nummer, aber insgesamt geht es nicht sehr deftig zu. Wo haben Sie sich bei den Witzen geschmackliche Grenzen gesetzt?

HERBIG: Die berühmte „Gürtellinie“ definiert jeder anders, die einen haben sie am Knöchel und die anderen am Hals. Das, was man unter „Fäkalhumor“ versteht, haben wir nie gemacht. Vielleicht kitzeln wir mal die Grenze eines Tabus ein bisschen an. Der „Frische Spargeltee“ aus „(T)Raumschiff Surprise“ markiert unsere Schmerzgrenze.

Bullyparade – Der Film

Vom 17. August an in den Kinos

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