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Regisseur über den sechsten „Alien“-Film: „Covenant“: Interview mit Ridley Scott: „Warum soll ich aufhören?“

Michael Fassbender spielt in „Alien: Covenant“, der Vorgeschichte des ersten „Alien“-Films, einen Androiden, der mit Forschern einen fernen Planeten besiedeln möchte.
Der Android Walter (Michael Fassbender, rechts) schaut sich in seiner neuen Umgebung um. Er ist mit Forschern auf einem fernen Planeten gelandet und muss nun herausfinden, ob sich der Himmelskörper für die Ansiedlung von Menschen eignet. Foto: 20th Cenutry Fox (20th Century Fox) Der Android Walter (Michael Fassbender, rechts) schaut sich in seiner neuen Umgebung um. Er ist mit Forschern auf einem fernen Planeten gelandet und muss nun herausfinden, ob sich der Himmelskörper für die Ansiedlung von Menschen eignet.

Kulissen waren ihm nie genug. Schon als er bei der BBC den Beruf eines Szenenbildners erlernte, wollte Ridley Scott (79) „ganze Welten“ erschaffen. Diesen Traum hat sich der britische Regisseur mehrfach erfüllt, mit einigen der aufwendigsten Filme Hollywoods. 1979 drehte er sein düsteres Science-Fiction-Werk „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“. Es sollte der erste von fünf „Alien“-Filmen werden. Der sechste dieser Reihe, „Alien: Covenant“, spielt nun in der Zeit vor dem ersten Streifen: Eine Gruppe hoffnungsvoller Forscher und Pioniere sowie ein Android (Michael Fassbender) landen auf einem fernen Planeten, um ihn zu besiedeln. Die neue Welt erscheint ihnen als Paradies – bis sie in ihren Höhlen auf Alien-Eier stoßen. Martin Schwickert sprach mit Ridley Scott, dessen Kinowerke „Blade Runner“, „Gladiator“ und „Thelma und Louise“ ebenfalls wegweisend waren.

Mr. Scott, mit „Alien“ haben Sie 1979 Filmgeschichte gemacht, und es folgten viele Nachahmerwerke. Warum haben Sie den Stoff nach 25 Jahren zunächst mit „Prometheus“ und jetzt mit „Alien: Covenant“ wieder selbst in die Hand genommen?

RIDLEY SCOTT: Der erste Alien-Film hat dem Publikum ein Raumschiff gezeigt, das auf einem fremden Planeten gelandet ist, sowie eine Ladung voller Eier, aus denen in Verbindung mit menschlicher DNA ein Alien entstanden ist. In den nachfolgenden Filmen wurde zwar ein Alien nach dem anderen bekämpft, aber niemand hat die Frage gestellt, woher diese Eier eigentlich kommen. Vor zehn Jahren bin ich dann zu den Fox-Studios gegangen und habe gesagt: „Ich kann dieses Franchise wiederbeleben, aber es ist an der Zeit, ein paar Fragen zu stellen“.

Regisseur Ridley Scott (79) bei der Premiere seines Films in London. Bild-Zoom Foto: Ian West (PA Wire)
Regisseur Ridley Scott (79) bei der Premiere seines Films in London.

Das neue Raumschiff heißt „Covenant“, was so viel wie „Abkommen“ oder „Verpflichtung“ bedeutet. Warum dieser Name?

SCOTT: Die Besatzung des Raumschiffes gibt sich gegenseitig das Versprechen, einen neuen Planeten zu besiedeln. Sie sind ein wenig wie die Pilgrim-Fathers, die damals Richtung Amerika in eine neue Welt aufgebrochen sind.

Manche Science-Fiction-Filme wurden von der Wirklichkeit eingeholt. Wie realistisch ist dieser Zukunftsentwurf?

SCOTT: Mittlerweile dauert ein Flug zum Mars etwa sieben Monate. Gut möglich, dass Mitte des nächsten Jahrzehnts der erste Mensch auf dem Mars landen wird. Aber ich glaube nicht, dass der Mars für eine Besiedlung geeignet ist. Die nächste Station von dort aus ist allerdings mindestens ein oder zwei Lichtjahre entfernt. Das heißt, die Menschen im Raumschiff müssten in ein künstliches Koma, eine Art Hibernationsmodus, versetzt werden. Davon sind wir noch weit entfernt.

Seit Ende der 70er Jahre haben sich mit der Digitaltechnik die visuellen Möglichkeiten stark verändert. Was heißt das für einen Monsterfilm wie „Alien“?

SCOTT: Die Arbeit mit den Schauspielern ist im Prinzip gleich geblieben, aber was die Effekte angeht, ist das ein Riesenunterschied. Heute kann man wirklich fast jede Idee visuell umsetzen, wenn man genügend Geld hat. 1979 mussten wir noch einen Schauspieler in diesen Alien-Gummianzug stecken, in dem man es nicht lange ausgehalten hat. Deshalb sieht man das Monster auch nur sehr selten.

Was macht die eigentliche Faszination für diese Filme beim Publikum aus?

SCOTT: Ich glaube, viele Menschen lassen sich gern auf intelligente Weise zu Tode erschrecken.

Lassen Sie sich noch erschrecken?

SCOTT: Nein, nicht richtig. Ich analysiere den Schrecken lieber.

Ihre frühen Filme wie „Blade Runner“ sind damals von den Kritikern verrissen worden und gelten heute als Meilensteine der Filmgeschichte. Erfüllt Sie das mit Genugtuung?

SCOTT: Seit „Blade Runner“ lese ich keine Filmkritiken mehr. Ein Filmemacher muss wie ein Maler sein. Der arbeitet den ganzen Tag im Atelier alleine vor sich hin. Wenn er am nächsten Morgen wiederkommt und sein Werk grässlich findet, wirft er es weg. Wenn es ihm gefällt, entwickelt er es weiter. Genauso muss auch der Filmemacher sich selbst der wichtigste Kritiker sein und sich nicht von der Meinung anderer bestimmen lassen.

War Ihnen beim ersten „Alien“-Film klar, das Sigourney Weaver als Actionheldin das Zeug hatte, damit berühmt zu werden?

SCOTT: Da habe ich mir damals wenig Gedanken drüber gemacht. Ich dachte: „Eine Frau? Warum nicht?“ Mir war schon klar, dass es etwas Besonderes war, eine Frau diese Rolle spielen zu lassen. Aber die Tragweite dieser Entscheidung wurde mir erst bewusst, als der Film herauskam und alle von dieser Heldin total begeistert waren.

Wird Sigourney Weaver in einer der Fortsetzungen noch mal auftreten?

SCOTT: Warum nicht? Schließlich bewege ich mich mit den beiden neuen Filmen chronologisch ja auf den ersten „Alien“-Film zu. Mein Plan besteht darin, keinen Plan zu haben. Und das Studio vertraut mir glücklicherweise. Das Schöne an Science-Fiction ist ja, dass man seine Fantasie frei spielen lassen und die Ideen von einem Film zum anderen weiterentwickeln kann. In diesem Genre kann man fast alles machen. Aber es muss natürlich einen Sinn ergeben, sonst kommt am Ende wieder nur irgendein Action-Bullshit dabei heraus.

In diesem Jahr bringen Sie neben „Alien: Covenant“ als Produzent vier Fernsehserien und fünf Kinofilme heraus. Woher nehmen Sie die Energie?

SCOTT: Das habe ich von meiner Mutter. Sie war eine sehr starke Frau und hat zwei Söhne großgezogen, die beide erfolgreiche Filmemacher wurden.

Sie werden in diesem Jahr 80. Aber Ruhestand scheint für Sie nicht in Frage zu kommen.

SCOTT: Nein. Warum auch?

 

Vom 17. Mai an in den Kinos

 

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