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Rockgitarrist mit Soloalbum „Is This The Life We Really Want?“: Interview mit Roger Waters: „Es fällt mir nicht leicht, loszulassen“

Roger Waters, Ex-Mitglied von „Pink Floyd“, hat mit über 70 noch eine prächtige Rock-CD geschaffen, die sich vom Gestern zu verabschieden sucht – zugunsten des Morgen.
Gitarrist Roger Waters (73) ist Perfektionist. Gitarrist Roger Waters (73) ist Perfektionist.

Wie wird er wohl drauf sein? Vor Roger Waters (73) wird bisweilen gewarnt, Grantler sei er, schnell auf ungute Weise zu erregen. Waters, gebürtiger Brite, lebt seit vielen Jahren in New York. Also begab sich Steffen Rüth zum Gespräch in die „Headroom Studios“ mitten in Manhattan, wo der einstige Sänger und Bassist von „Pink Floyd“, der federführend war bei „The Wall“ und im Streit mit Rivale David Gilmour 1985 die Band verließ, die Weltpresse zu Gesprächen über „Is This The Life We Really Want?“ eingeladen hat, sein erstes Rockalbum seit „Amused To Death“ vor 25 Jahren. Gelegentlich knistert das Hörgerät des Musikers, der berufsbedingt keine hohen Töne mehr hören kann, so wie viele andere in seinem Job.

Mr. Waters, wann haben Sie beschlossen, ein weiteres Rockalbum aufzunehmen?

ROGER WATERS: Es begann, als ich vor einigen Jahren während der „The-Wall“-Tour den Song „Déjà Vu“ schrieb. Wir nahmen gleich eine Demoversion mit meiner Band auf, und ich war der Ansicht, dass der Song richtig gut ist und auf ein Album gehört. So schrieben wir weitere Stücke, die ich dann in einer Art Hörspiel zusammenfasste.

Wie kam der Produzent des Albums, Nigel Godrich, mit dazu?

WATERS: Der Schauspieler Shaun Evans hat uns bekanntgemacht und Nigel dazu überredet, den Soundtrack für unseren gemeinsamen Film zu „The Wall“ aufzunehmen. So fingen wir an zu reden, Nigel guckte sich meine Hörspiel-Demos an und reagierte recht trocken. Er sagte sowas wie „Ich mag diese drei Akkorde, und dort ist die Melodie nicht schlecht, diese eine Stelle finde ich auch gut“. Und zum Rest verzog er das Gesicht. Ich merkte, ich kann entweder sagen „Dann verpiss dich“, oder ich reagiere wie ein Erwachsener und fragte ihn, was er denn stattdessen vorschlagen würde.

Wie sind Sie mit Godrich ausgekommen? Sie gelten nicht als besonders kooperativ.

WATERS: Nigel ist wie ich – sehr autokratisch. Um mit ihm arbeiten zu können, musste ich den typischen Kopf-durch-die-Wand-Roger in die Kiste packen und Nigel machen lassen. Jemand anderem so viel Verantwortung und Spielraum zu geben, war ungewohnt für mich, ich hatte das vorher nie in diesem Ausmaß gemacht. Aber jetzt bin ich froh, dass ich mich zurückgenommen habe.

War es hart für Sie, Ihren inneren Autokraten unter Kontrolle zu halten?

WATERS: Sehr. Das war was Neues. Es fiel mir nicht leicht, loszulassen. Aber man ist nie zu alt, um die Dinge auf eine andere Weise anzugehen.

Wie ging es Ihnen privat zu der Zeit?

WATERS: Oje. Ich war in einer dieser On/Off-Beziehungen. Meine Herrn. Das war eine sehr leidenschaftliche Liebesaffäre, bisweilen sehr schmerzhaft und heftig für mich. Das ging also parallel vor sich, und wahrscheinlich war das für die Platte sogar ein Vorteil, weil es mich verletzlicher gemacht hat.

Was nehmen Sie aus der beendeten Beziehung mit der palästinensischen Schriftstellerin und Journalistin Rula Jebreal mit?

WATERS: Dass Leidenschaft ein knappes Gut ist im Leben. Wenn du die Chance hast, Leidenschaft zu erfahren, in welcher Form auch immer, dann nimm diese Chance wahr. Gesellt sich dann der Schmerz zur Freude hinzu, tut er das eben. Denn die Leidenschaft ist jeden Tiefschlag wert.

Sie sind vierfach geschieden. Leidenschaft scheint kein knappes Gut in Ihrem Leben zu sein.

WATERS: Nun ja, eher nicht, nein.

Wer ist das besungene schönste Mädchen der Welt in „The Most Beautiful Girl“?

WATERS: Das ist ganz konkret und sehr traurig ein kleines Mädchen, das bei einem US-Raketenangriff auf sein Dorf im Süden des Jemen getötet worden ist, und zwar noch während der Amtszeit von Obama. Das war eine der Attacken, die das Thema des von Jeremy Scahill produzierten Dokumentarfilms „Dirty Wars“ sind. Dieses unglaublich hübsche Mädchen war eines der vielen, vielen zivilen, unschuldigen Opfer.

Ihr Vater ist im Zweiten Weltkrieg gefallen, Ihr Opa im Ersten Weltkrieg. Sie sind Anti-Kriegs-Aktivist, praktisch seitdem Sie Musik machen.

WATERS: Ja, das stimmt. Leider gewöhnt sich die Menschheit einfach nicht ab, Kriege ohne ersichtlichen Grund zu führen. Obwohl, das ist falsch. Es gibt sehr wohl einen Grund.

Welchen?

WATERS: Geldmacherei. In militärischen Auseinandersetzungen lässt sich so viel Geld verdienen, dass es für viele Staaten ein ökonomisches Desaster wäre, darauf zu verzichten. Krieg ist einfach ein zu gutes Geschäft. Weißhäutige Menschen verdienen ein abartiges Geld damit, braunhäutige Menschen in aller Welt zu töten.

Dabei gäbe es viel sinnvollere Projekte, die wirklich etwas bringen würden. Im Silicon Valley wird daran getüftelt, den Tod zu beseitigen und das ewige Leben zu ermöglichen. Wären Sie gern unsterblich?

WATERS: Ich glaube nicht. Nein. Obwohl, ich muss noch überlegen, ich will mich nicht festlegen. Es hängt viel davon ab, in welchem Zustand du unsterblich gemacht wirst. Nur: Was haben wir davon? Wir werden den Planeten in ungefähr dreißig Jahren zerstört haben, also, das ist müßig.

Wie würden Sie die Erde verlassen wollen?

WATERS: Möglichst spät und möglichst gesund.

 

„Is This The Life We Really Want?“, Sony

 

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