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Nachwuchstalent: Interview mit Schauspieler Jonas Dassler: „Das Gefühl muss einfach stimmen“

Der Berliner Schauspieler gehört zu den großen Nachwuchstalenten des deutschen Films und Theaters. Nun spielt er einen jungen Blogger mit Liebeskummer.
Karl (Jonas Dassler) lässt sich hängen. Er ist unglücklich verliebt und hat Bilder seiner früheren Freundin in seinem Blog veröffentlicht. Das war ein Fehler. Karl (Jonas Dassler) lässt sich hängen. Er ist unglücklich verliebt und hat Bilder seiner früheren Freundin in seinem Blog veröffentlicht. Das war ein Fehler.

Es läuft gut bei Jonas Dassler. Vom Bayerischen Filmpreis über den First Steps Award bis zum Festival „Achtung Berlin“ reicht der Karriere-Kickstart des 22-jährigen Newcomers, der von der Schauspielschule Ernst Busch direkt zum Ensemblemitglied am Maxim-Gorki-Theater Berlin vorrückte. Vor kurzem erst war Dassler in „Das schweigende Klassenzimmer“ von Lars Kraume zu sehen, im Oktober kommt er an der Seite von Tom Schilling in „Werk ohne Autor“ von Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck in die Kinos. In dem Social-Media-Drama „Lomo – The Language of many others“ gibt der Schauspieler nun unter der Regie von Julia Langhof den rebellischen Helden Karl, dem aus Liebeskummer sein eigener Blog durcheinander gerät. Mit Jonas Dassler unterhielt sich Dieter Oßwald

Herr Dassler, gibt es verwandtschaftliche Verbindungen zur Turnschuh-Dynastie Dassler aus Herzogenaurach?

JONAS DASSLER: Schön wär’s, aber leider nein!

Ist Ihnen der aktuelle Preisregen nicht ein bisschen unheimlich?

DASSLER: Ja, schon! Ich mache diesen Beruf ja nicht, um Preise zu bekommen. Und dann kommt plötzlich so eine Welle der Aufmerksamkeit auf einen zu, mit der man erst einmal lernen muss, umzugehen – das fällt manchmal leichter und bisweilen schwerer. Umso schöner ist, dass es diese Preise für Projekte gab, die mir sehr viel bedeutet haben.

Wie reagiert man auf die plötzlichen Schulterklopfer und Lobesredner?

DASSLER: Über Preise freut man sich am Abend der Verleihung, das geht dann schneller vorbei, als man schauen kann. Der Anstieg des Dopamin-Spiegels jedenfalls hält nicht länger als zwei Tage, danach kommen die Selbstzweifel und die Arbeit wieder. Wobei für mich die eigentliche Erfüllung in der gemeinsamen Arbeit besteht.

Wie groß ist die Gefahr, dass einen der Erfolg abheben lässt?

DASSLER: Die Gefahr sehe ich eigentlich nicht. Zum einen habe ich meine Freunde, zum anderen die Kollegen. Mit diesem sozialen Leben funktioniert das ganz gut für mich. Wenn ein Projekt vorbei ist, beginnt wieder die alltägliche Normalität – und die würde ich nur ungern aufgeben.

Ist gutes Aussehen eher nützlich oder schädlich für eine Schauspielkarriere?

DASSLER: Keine Ahnung. Ich sehe so aus, wie ich aussehe.

Im Unterschied zu Ihrer Figur Karl in „Lomo“ sind Sie in sozialen Medien kaum unterwegs. Warum?

DASSLER: Ich bin in sozialen Netzwerken nicht aktiv. Mir fehlen die Zeit, die Lust und die Muse, diese Kanäle mit Fotos von mir oder Berichten von irgendwelchen Aktivitäten zu füttern. Bei Karl im Film besteht die Motivation für seinen Blog darin, aus seiner realen Welt zu fliehen und sie aus der Distanz zu verstehen. Klar gibt es dabei eine narzisstische Seite der Selbstdarstellung. Zugleich ist es aber die Suche nach Gleichgesinnten.

Würden Sie mit Karl gern ein Bier trinken gehen, oder wäre der Ihnen etwas zu schrullig?

DASSLER: Ich glaube, ich muss mit jeder meiner Figuren gerne ein Bier trinken gehen.

Wonach suchen Sie Ihre Projekte aus?

DASSLER: Es ist nicht so, dass ich mir komplett aussuchen könnte, was ich spielen möchte. Man ist schon darauf angewiesen, dass ein gutes Angebot kommt. Entscheidend sind zunächst Drehbuch und Regie. Und dann ist es ein Gefühl, ob man die Rolle spielen möchte oder nicht. Ich kann gar nicht genau erklären, wie dieser Prozess abläuft: Man weiß es einfach.

Warum sind Sie Schauspieler geworden?

DASSLER: Auf den Geschmack am Schauspielen kam ich durch die Theater AG an meiner Schule. Danach bewarb ich mich an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch – und das hat dann gleich geklappt! Das war natürlich ein Riesenglück. So ein Jahrgang wird jedes Mal unterschiedlich zusammengestellt. Viele Bewerber werden abgelehnt, weil sie in den Augen der Dozenten in diesen Jahrgang nicht passen. Bei mir hat es damals irgendwie anscheinend funktioniert.

Was wäre der Plan B gewesen?

DASSLER: Einen Plan B hatte es bei mir nicht gegeben! Ebenso wenig habe ich einen Plan für die Karriere. Ich lasse mich tatsächlich überraschen von dem, was kommt.

Wenn Angebote für Serien oder Seifenopern kämen, würden Sie die Nase rümpfen oder zugreifen?

DASSLER: Das kann ich so allgemein gar nicht sagen, es kommt immer auf die Umstände an. Prinzipiell würde ich vor nichts unbedingt die Nase rümpfen. Das Gefühl muss für mich einfach stimmen.

Was ist die wichtigste Eigenschaft für Ihren Beruf?

DASSLER: Offenbleiben und neugierig sein – damit versuche ich es zumindest. Es gibt dieses sehr bekannte russische Eiskunstlaufpaar. Die machen Kunststücke, bei denen es nie sicher ist, ob sie ihnen gelingen. Aber wenn sie es schaffen, dann kann sie keiner mehr einholen. Und genau das macht für mich das Schauspiel aus. Natürlich gehe ich beim Spielen ran, um gut zu sein, aber das Risiko, diese sichtbare Unsicherheit, die muss immer da sein.

Sie gehören seit kurzem zum Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters. Nennt man die Schauspieler dort tatsächlich Gorki-Spieler?

DASSLER: Kann man sagen – aber eigentlich haben wir alle Namen!

Lomo – The Language
of many others

Vom 12. Juli an in den Kinos

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