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Neuer Kino-Film „Florence Foster Jenkins“: Interview mit Stephen Fears: „Ich recherchiere nicht“

Meryl Streep spielt jene sonderbare „Florence Foster Jenkins“, die im New York der 40er Jahre zur „schlechtesten Sängerin der Welt“ wurde, weil sie ihre Fähigkeiten überschätzte.
Sängerin Florence (Meryl Streep) unterhält sich mit Schauspieler Bayfield (Hugh Grant) über das Dasein als Künstler. Singen kann Florence nach Meinung vieler Kollegen nur schlecht, aber sie selbst möchte nicht davon lassen. Foto: Constantin Film (Constantin Film) Sängerin Florence (Meryl Streep) unterhält sich mit Schauspieler Bayfield (Hugh Grant) über das Dasein als Künstler. Singen kann Florence nach Meinung vieler Kollegen nur schlecht, aber sie selbst möchte nicht davon lassen.

Mit dem „Wunderbaren Waschsalon“ machte Stephen Frears auf sich aufmerksam. Provokativ blieb der Brite anschließend mit dem Schwulendrama „Prick up your Ears“ oder seinem subversiven England-Bild in „Sammy und Rosie tun es“. Sein Hollywood-Ausflug mit „Gefährliche Liebschaften“ geriet kommerziell und künstlerisch zum großen Erfolg, Oscar inbegriffen. Vor zehn Jahren folgte „Die Queen“, ein großartiges Porträt der englischen Königin Elizabeth II., gespielt von Helen Mirren. Nun ist eine andere bedeutende Schauspielerin dran: Meryl Streep. Sie gibt in „Florence Foster Jenkins“ jene selbsternannte Diva, die als schlechteste Sängerin der Welt Furore machte und im New York der 40er Jahre zur Kultfigur aufstieg. Dieter Oßwald sprach mit Stephen Frears.

Mister Frears, wenn Sie die Wahl hätten: Würden Sie lieber mit Maria Callas oder Florence Foster Jenkins in ein Pub gehen?

STEPHEN FREARS: Die würden kaum in ein Pub gehen. Natürlich würde ich mich klar für die Callas entscheiden. Aber fragen Sie mich nicht, weshalb.

Immerhin scheint Florence Foster Jenkins so interessant, dass Sie einen Film über die Dame gemacht haben.

FREARS: Ich habe sehr gerne diesen Film über Florence Foster Jenkins gemacht. Ihr Gesang war völlig lächerlich. Aber zugleich war sie sehr berührend und mutig.

Das Publikum scheint Versager zu mögen. Das war beim talentlosen Ski-Springer „Eddie the Eagle“ ja ganz ähnlich.

Regisseur Stephen Frears (75) gibt den Darstellern Regieanweisungen. Bild-Zoom
Regisseur Stephen Frears (75) gibt den Darstellern Regieanweisungen.

FREARS: Mangelnde Perfektion ist eine gute Sache.

Sie haben schon etliche Lebensverfilmungen gedreht. Ist das wahre Leben am Ende doch interessanter, als es sich ein Drehbuch-Autor überhaupt ausdenken kann?

FREARS: Ich glaube, bei Geschichten, die auf dem wahren Leben beruhen, kann man mehr Fantasie einsetzen als bei reiner Fiktion. Bloße Fiktion ist eine leichte Übung, da lässt sich alles ohne große Probleme machen. Wenn man es hingegen mit dem realen Leben zu tun hat, gibt es Grenzen. Auf dieser Basis seine Fantasie einzusetzen, scheint mir viel interessanter.

Wie wahrheitsgetreu muss man bei der Porträtierung realer Menschen sein? Wieviel kreative Freiheit kann man sich nehmen?

FREARS: Bei meinem Film über Lance Armstrong habe ich sehr viel recherchiert, bei Florence schien mir die Vorstellungskraft ziemlich ausreichend zu sein. Ich erinnere mich an eine Podiumsdiskussion mit Oliver Hirschbiegel zu „Der Untergang“ in Berlin. Dort erzählte er endlos über die ganzen Nachforschungen, die er unternommen habe. Danach fragte man mich nach den Recherchen für „Die Queen“, und ich antwortete: „Überhaupt keine!“ Ich kenne die Queen mein ganzes Leben lang.

David Bowie war stolzer Besitzer einer Platte von Florence Foster Jenkins.

FREARS: Ebenso wie Elton John. Wenn man Jenkins zum ersten Mal singen hört, ist das ein großartiges Erlebnis.

Für manche ist es Trash, über den sich leicht lustig machen lässt.

FREARS: Jenkins war ja auch lächerlich. Allerdings war sie gleichzeitig rührend. Diese Widersprüchlichkeit macht sie gerade interessant. Wobei es wichtig ist, dass man diesem Menschen seine Würde lässt.

Als Werbegag zum Film gibt es Ohrstöpsel.

FREARS: Schockierend! Dafür können Sie mich aber nicht verantwortlich machen.

Gibt es noch andere Personen, deren Leben Sie gerne verfilmen würden? Donald Trump vielleicht? Oder Kim Jong-un?

FREARS: Nein, das sind beides lächerliche Menschen. Ich wäre sehr überrascht, wenn ich bei denen etwas Großartiges entdecken würde.

Zu Beginn Ihrer Karriere haben Sie radikale, politische Film gedreht. Sind die Zeiten für dieses Kino vorüber?

FREARS: Ich kann ja nur solche Filme machen, die mir angeboten werden. Und ich habe kein gutes politisches Drehbuch mehr gelesen seit „Doppelspitze“ aus dem Jahr 2003. Ich würde gern mal ein starkes Skript lesen. Wenn Sie mir vielleicht eines schicken möchten? Aber politische Filme sind sehr schwierig zu schreiben.

Wie wichtig sind Stars in der Besetzung?

FREARS: Zum einen sind Stars sehr gute Schauspieler, zum anderen bringen sie die Zuschauer in die Kinos. Meryl Streep und Hugh Grant sind sozusagen meine Versicherung für diesen Film.

Haben Sie das Gefühl, noch etwas beweisen zu müssen?

FREARS: Dieses Gefühl habe ich ständig. Ich bin überrascht, dass man mich in meinem Alter überhaupt noch Filme drehen lässt. Das Leben gehört heute schließlich den Jungen.

 

Vom 24. November an in den Kinos

 

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