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„Rückkehr nach Montauk“ frei nach Max Frisch: Interview mit Volker Schlöndorff: „Das Scheitern beutelt einen“

Nina Hoss und Stellan Skarsgård spielen in „Rückkehr nach Montauk“ das frühere Paar, das sich nach vielen Jahren wiedersieht. Mitproduzent des Films ist Til Schweiger.
Max (Stellan Skarsgård) und Rebecca (Nina Hoss) haben sich lange nicht gesehen. Bei einem Spaziergang am Strand von Montauk erinnern sie sich an die Zeit, als sie noch ein Paar waren und fragen sich, warum ihre Liebe zerbrochen ist. Foto: Franziska Strauss (Wild Bunch Germany/Berlinale) Max (Stellan Skarsgård) und Rebecca (Nina Hoss) haben sich lange nicht gesehen. Bei einem Spaziergang am Strand von Montauk erinnern sie sich an die Zeit, als sie noch ein Paar waren und fragen sich, warum ihre Liebe zerbrochen ist.

Mit „Der junge Törless“ gab Volker Schlöndoff 1966 sein Kinodebüt, mit der Heinrich-Böll-Verfilmung „Die verlorenen Ehre der Katharina Blum“ schuf er 1975 einen Klassiker des Polit-Kinos. Vier Jahre später gab es für „Die Blechtrommel“ einen Oscar. Nach Literaturverfilmungen wie „Tod eines Handlungsreisenden“ oder „Geschichte der Dienerin“ wechselte Schlöndorff 1992 vom Regiestuhl auf den Chefsessel des Studios Babelsberg, wo er fünf Jahr tätig war. Mit der Literaturverfilmung „Der Unhold“ meldete er sich nach der Kinopause zurück. Nun hat der in Wiesbaden geborene Schlöndorff zum zweiten Mal nach „Homo faber“ ein Werk von Max Frisch verfilmt. In der autobiografisch angehauchten Liebesgeschichte „Rückkehr nach Montauk“ geht es um einen Autor (gespielt von Stellan Skarsgård), der in New York seine frühere Geliebte (Nina Hoss) trifft. Mit dem 78-jährigen Schlöndorff unterhielt sich Dieter Oßwald.

Herr Schlöndorff, man hat den Eindruck, diese Liebesgeschichte könnte Ihr persönlichster Film geworden sein. Einverstanden?

VOLKER SCHLÖNDORFF: Bei der Auswahl meiner Filme gab es nie die Entscheidung, der eine wird politisch, und der andere wird persönlich. Diese Bälle hat mir das Leben einfach so zugespielt. Vor kurzem hat mir Fanny Ardant erzählt, dass Truffaut sehr viel von dem, was sie ihm einmal gesagt hätte, in seinen Filmen später verwendet habe. Ich habe mich das immer nicht so getraut. Ich benötige einen großen Abstand, bevor ich etwas Eigenes erzählen kann.

Hat es eine therapeutische Wirkung, das eigene Scheitern in der Liebe in einem Film zu verarbeiten?

SCHLÖNDORFF: Ob das nun therapeutisch ist oder neue Wunden reißt, kann ich noch nicht einschätzen. Beim Schreiben gibt es durchaus diesen Moment der Katharsis, wo man auf einmal den Schmerz zulässt und überlegt, was man falsch gemacht hat. Da beutelt es einen schon ganz schön. Dann folgt der Moment, wo Schauspieler das lesen und anfangen, zu spielen. Damit rückt alles weiter von einem weg: Das ist jetzt deren Problem, mit dem sich Nina Hoss und Stellan Skarsgård herumschlagen sollen. Erst später im Schneideraum geht einem die Sache wieder richtig an die Nieren.

Regisseur Volker Schlöndorff (78) bei der Premiere seines Films in Berlin. Bild-Zoom Foto: Jens Kalaene (ZB)
Regisseur Volker Schlöndorff (78) bei der Premiere seines Films in Berlin.

Was macht die Qualität von Nina Hoss für Sie aus?

SCHLÖNDORFF: Nina Hoss wirkt im Kino überlebensgroß. Sie hat einfach Star-Qualität. Sie ist eine Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht, bietet aber andererseits die perfekte Projektionsfläche für die Rolle der Rebecca also. Rebecca ist ja eine Romanfigur, eine Fantasiegestalt: Max, der Schriftsteller, hat sie seit 17 Jahren nicht mehr gesehen und arbeitet in seinem Roman die verpasste Liebe mit ihr auf. Er hat sich ein romantisches Bild von ihr gemacht. Das entspricht aber keineswegs der realen Frau, der er dann in New York gegenübersteht.

Warum legen Sie so großen Wert darauf, dass dies keine Verfilmung von Max Frisch sei?

SCHLÖNDORFF: Der Verlag selbst kam nach der Lektüre des Drehbuchs zu diesem Schluss. Unsere Geschichte ist so eigenständig, dass gar kein Rechtevertrag dafür notwendig wurde. Aber die Inspiration zu dieser Geschichte kommt natürlich von meinem Freund Max Frisch.

Haben Sie bei der Arbeit bisweilen an Frisch gedacht?

SCHLÖNDORFF: Das ist unvermeidlich. Oft habe ich mir vorgestellt, wie Max sich erst einmal eine Pfeife stopfen und dazu ein Glas guten Rotwein einschenken würde. Er ist nicht die Figur unseres Films. Aber dass er vollkommen überrascht ist, als die Frau ihm die Augen öffnet, und seine Begleiterin ebenfalls klarmacht, wie wenig er sich in Wirklichkeit für sie interessiert hat, da ist mir schon sehr Max Frisch eingefallen – der ja vielleicht auch nicht so begabt war für den Umgang mit Frauen. Aber wer ist das schon, außer Casanova?

Es gab Probleme mit der Finanzierung für dieses Projekt. Bei einem Oscar-Preisträger wirkt das etwas überraschend.

SCHLÖNDORFF: Mich überrascht das schon lange nicht mehr, weil das bei fast jedem Film so schwierig geworden ist. Was zählt, sind allein die Einspielergebnisse: Der Regisseur ist immer nur so viel wert wie sein letzter Film. Meine „Diplomatie“ hatte in Frankreich eine halbe Million Besucher, deshalb gab es dort große Unterstützung. Hierzulande war das Werk weniger erfolgreich, folglich sagten alle „Ach, was will der denn wieder?“.

Und dann kam Til Schweiger und hat sein Portemonnaie geöffnet?

SCHLÖNDORFF: Ja, es ist schon selbst eine schöne Filmgeschichte, dass es in der Branche diese Solidarität untereinander gibt. In meiner Karriere habe ich das ganz häufig erlebt. In meinen ersten Filmen wurde ich vom Produzenten Franz Seitz unterstützt, der durch seine Heimat- und Paukerfilme bekannt war. Später war es Horst Wendtland. Und jetzt ist es die sehr erfahrene Regina Ziegler, die über 400 Filme produziert hat.

Bei Til Schweiger hört die Solidarität oft schnell auf, mehr Häme erlebt kaum einer im deutschen Kino.

SCHLÖNDORFF: Es hat mich überrascht, wie sehr ihn das getroffen hat. Es geht Schweiger ja gar nicht so sehr um das Geld, sondern wie alle Menschen möchte er anerkannt sein.

Müssen Sie sich noch etwas beweisen nach all Ihren Preisen und Auszeichnungen?

SCHLÖNDORFF: Trotz aller Preise hat man bei jedem Film den Wunsch und die Hoffnung, es möglichst gut zu machen. Die Frage ist: Wem will man etwas beweisen? Sich selbst? Oder den anderen? Die Antwort darauf weiß ich selbst nicht so genau.

 

Vom 11. Mai an in den Kinos

 

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