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Italiens Blues-Rock-Superstar kommt zum Hessentag nach Rüsselsheim: Interview mit Zucchero: „Die Oper hat mich geprägt“

Hits wie „Senza una Donna“, „Cosi Celeste“ oder „Baila“ machten ihn weltberühmt. Am 16. Juni tritt Adelmo Fornaciari, besser bekannt als Zucchero, in der Rüsselsheimer Hessentagsarena auf.
Wenn Zucchero auf der Bühne steht, wie hier im vergangenen Jahr in der Frankfurter Festhalle, geht er ganz in der Musik auf. Foto: Sven-Sebastian Sajak Wenn Zucchero auf der Bühne steht, wie hier im vergangenen Jahr in der Frankfurter Festhalle, geht er ganz in der Musik auf.

Zucchero, Italiens internationales Rock-Aushängeschild mit mächtiger Bluesstimme, ist mit seinem Album „Black Cat“ auf Welttournee. Gerade erst wurde er für seine dreistündigen Bühnenspektakel mit dem „Live Entertainment Award 2017“ ausgezeichnet. Seine Band setzt sich zusammen aus Musikern, die schon mit Superstars wie Prince, Sting, Mark Knopfler, Eric Clapton und Keith Richards gearbeitet haben. Am 16. Juni kommt Zucchero zum Hessentag nach Rüsselsheim und gestaltet gemeinsam mit Gianna Nannini und Niccolò Fabi „Una notte italiana“. Olaf Neumann sprach mit dem Sänger.

Zucchero, Sie haben voriges Jahr elf ausverkaufte Shows in der berühmten Arena von Verona gespielt, nun legen Sie dort noch einmal mehrere Konzerte nach. Wollen Sie mit dieser Serie Rockgeschichte schreiben?

ZUCCHERO: Natürlich ist es eine Art Rekord, diese Arena elf Mal in Folge auszuverkaufen. Zumal es einer der schönsten Auftrittsorte in Europa ist. Aber schon vor ein paar Jahren bin ich hier sieben Mal in Folge aufgetreten. Wissen Sie, dieser wunderschöne Ort ist bei Rockkonzerten gar nicht so leicht zu handhaben, weil er hauptsächlich für Opernaufführungen genutzt wird. Wir haben aber einen Weg gefunden.

Ihre aktuelle Band bezeichnen Sie als die derzeit beste in Europa. Wie fühlt es sich an, mit Koryphäen zu spielen, die bereits mit Prince und Keith Richards gearbeitet haben?

ZUCCHERO: Ich bin darüber sehr glücklich. In meiner Band sind neben Leuten, mit denen ich schon sehr lange zusammenarbeite, auch sieben neue Gesichter. Die habe ich unter anderem über Eric Clapton und Mark Knopfler kennengelernt. Wenn du eine Band zusammenstellst, musst du darauf achten, dass die Chemie stimmt. Es sollte sich gut anfühlen, wenn man so lange und so eng zusammen ist. Manchmal klappt das nicht, aber diese Band ist sehr „together“.

Welche musikalische Farbe hat diese Band?

ZUCCHERO: Die der amerikanischen Südstaaten. Mein aktuelles Album „Black Cat“ ist in Nashville, New Orleans und Los Angeles entstanden, und ich bin viel in Texas und Tennessee unterwegs gewesen. Ich liebe den rauen Sound des Blues-Deltas. Meine Musiker kommen größtenteils aus den Südstaaten und haben diesen Sound einfach drauf. Ich orientiere mich nicht mehr an dem, was im Radio läuft, ich mache lieber mein eigenes Ding und folge meinem Herzen.

Für Ihre Arena-Konzerte wurden Sie mit dem „Live Entertainment Award 2017“ ausgezeichnet. Welches ist Ihre Philosophie als Entertainer?

ZUCCHERO: Ich will die Menschen unterhalten. Sie sollen Spaß an meiner Musik haben, die ich gern überall auf der Welt vorstellen möchte. Dieses Jahr spiele ich zu Hause in Italien, in Europa, Australien, Japan und in Nordamerika.

Was können Sie uns verraten über die Psychologie eines Performers?

ZUCCHERO: Es geht darum, Gefühle durch die eigene Musik auszudrücken. Wenn einer meiner Songs es schafft, beim Publikum Emotionen auszulösen, kann ich manchmal vor Rührung nicht mehr singen. Es gibt Songs, die Menschen ein Leben lang begleiten, weil sie ihnen wirklich wichtig sind. Ich treffe immer wieder Paare, die mir erzählen, dass sie ein bestimmtes Stück von mir zu ihrem Lied erkoren haben, weil sie damit gemeinsame Erinnerungen verbinden. Das ist überwältigend.

Woran denken Sie, wenn Sie auf der Bühne stehen?

ZUCCHERO: Ich widme mich voll und ganz dem Moment. Ich konzentriere mich auf die Show um mich herum, auf den Beat und die Noten. Und ich beobachte das Publikum und die Musiker. Wenn ich eine Up-tempo-Nummer spiele, versuche ich immer, die Leute zum Tanzen zu bringen. Ich will, dass sie Spaß haben. Bei meinen Balladen soll man sich einfach zurücklehnen und die Musik genießen. Ich möchte das Publikum dazu bringen, meine Musik wirklich zu fühlen.

Verschwinden Sie manchmal so sehr in der eigenen Musik, dass der Song Sie singt und nicht Sie ihn?

ZUCCHERO: Ich gehe immer sehr in meiner Musik auf, wenn ich singe. Es ist aber nicht so, dass ich dabei die Kontrolle verliere. Durch die Kopfhörer kann ich die Musik besser hören. Gleichzeitig spüre ich, welche Kraft sie hat.

Wie kommt das italienische Element in Ihrer Musik zum Tragen?

ZUCCHERO: Meine Familie war begeistert von der Oper, und ich hörte als junger Mann immer Rock und Blues. Deshalb mixe ich heute afroamerikanische Grooves mit italienischen Melodien. In der Region, in der ich groß geworden bin, wuchsen auch Pavarotti und Puccini auf. Die Opernkultur hat mich musikalisch geprägt, das ist im Grunde genommen meine Musik. Ich war an insgesamt zwölf „Pavarotti-&-Friends“-Konzerten beteiligt. Der Maestro und ich nahmen sogar einen Song zusammen auf, er heißt „Miserere“.

Sie sind nicht bekannt als besonders religiöser Mensch. Wer oder was hat Sie zu dem Gebet „Hey Lord“ inspiriert, das sich auf Ihrem aktuellen Album befindet?

ZUCCHERO: Es ist das Gebet eines Heiden und nicht zwangsläufig das eines Christen. Für mich als Italiener ist die gegenwärtige Flüchtlingskrise ein großes Drama, Lampedusa spielt dabei ja keine unwesentliche Rolle. Jeden Tag sehe ich im Fernsehen, wie Kinder sterben. Diese Bilder kann ich nicht mehr vergessen, sie sind einfach zu stark. Man muss darüber sprechen. Als ich „Hey Lord“ schrieb, versuchte ich, mich in die Lage eines Flüchtlings zu versetzen, der dafür betet, dem Krieg zu entkommen und ein neues Leben im Land der Hoffnung zu bekommen. Das Flüchtlingsdrama ist aber nicht nur ein italienisches Problem, wir brauchen dringend die Hilfe anderer Länder.

Wie kann dieses Problem gelöst werden?

ZUCCHERO: Hm. Darüber zerbreche ich mir schon lange den Kopf, eine Lösung habe ich noch nicht gefunden. Die Mächtigen in der Weltpolitik müssen eine Antwort finden, mit der alle zufrieden sind. Es kann nicht sein, dass ein Land Flüchtlinge aufnimmt und das andere sich einmauert. Die Situation ist leider sehr, sehr heikel.

Wäre es an der Zeit für ein neues Benefiz-Festival à la „Live Aid“, an dessen Fortsetzung Sie beteiligt waren?

ZUCCHERO: Ich persönlich halte es für dringend notwendig, die Menschen mit Hilfe eines Charity-Festivals für die Katastrophe in Syrien zu sensibilisieren. Ich wundere mich, dass noch niemand aus der Riege der großen Stars, die damals „Live Aid“ oder Ähnliches gemacht haben – Bob Geldof, Peter Gabriel, Bono –, etwas unternommen hat. Sehr merkwürdig. Ich war bei „Live 8“, dem „Freddie Mercury Tribute Festival“ und dem Festival für Mandela dabei. Damals engagierten sich viele Künstler für den Frieden, die Dritte Welt oder die Bekämpfung von Aids. Aber niemand von denen spricht heute über die Flüchtlinge. Jesus Christus, die Zeiten haben sich geändert!

Wie erklären Sie sich diese Zurückhaltung? Haben die großen Stars Angst, Fans zu verlieren, wenn sie sich zu sehr für Flüchtlinge engagieren?

ZUCCHERO: Ich weiß es nicht. Wir sind einfach alle mit unserem eigenen Kram und Leben beschäftigt. Ich habe das Gefühl, dass wir gerade dabei sind, das Mitleid für unsere Mitmenschen zu verlieren. Das macht mich sehr traurig.

1997 spielte Bob Dylan im Vatikan für Papst Johannes Paul II. Würden Sie für den gegenwärtigen Papst Franziskus spielen und auf diese Weise ein Zeichen setzen wollen?

ZUCCHERO: Das wäre großartig, ich mag diesen Papst, auch wenn ich nicht katholisch bin.

 

Hessentagsarena Rüsselsheim,
16. Juni, 18 Uhr. Karten von 61,60 bis 88 Euro unter Hotline 01 80-6 05 04 00. Internet www.fnp.de/ticketshop

 

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