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Israel feiert Nettas ESC-Sieg bis zur Ekstase

Israel ist im Netta-Fieber. Der ESC-Sieg der 25-jährigen Israelin löst in ihrem Heimatland eine Welle der Begeisterung aus. Rechte Politiker feiern ihn auch als Niederlage der Boykottbewegung gegen Israel.
Favoritin Netta freut sich über ihren Sieg beim ESC. Bilder > Foto: Pedro Fiuza Favoritin Netta freut sich über ihren Sieg beim ESC.
Jerusalem. 

Der Sieg der Sängerin Netta beim Eurovision Song Contest hat in Israel Begeisterung ausgelöst. Regierungschef Benjamin Netanjahu rief die 25-Jährige in der Nacht zum Sonntag in Lissabon an, um ihr zu gratulieren. In Tel Aviv feierten Tausende von Menschen bis in die frühen Morgenstunden ausgelassen auf der Straße.

Netta sagte dem israelischen Fernsehen, sie könne ihren Sieg noch gar nicht fassen. „Es ist Wahnsinn, was hier passiert ist.” Sie werde es wahrscheinlich „erst in ein paar Tagen verdauen können”. Netta sagte, sie repräsentiere zwar vor allem sich selbst, es sei aber „wunderbar, dass die Eurovision nächstes Jahr nach Israel kommt”.

„Netta, du bist wunderbar!”, sagte Netanjahu der israelischen Siegerin kurz nach ihrem Sieg am Telefon. Sie sei „Israels beste Botschafterin”. Er habe den Eurovision Song Contest gemeinsam mit seiner Familie gesehen und für einen Sieg Nettas gefiebert. „Wir warten auf dich, wir lieben dich”, sagte er. Netta antwortete: „Danke, Bibi, danke!” Bibi ist Netanjahus Spitzname.

„Netta, du bist ein echter Schatz”, schrieb Netanjahu auch bei Twitter. „Du hast dem Staat Israel viel Ehre eingebracht! Nächstes Jahr in Jerusalem!”

Der Wettbewerb wird 2019 voraussichtlich in Jerusalem stattfinden. Bereits nach Israels Sieg beim Eurovision Song Contest vor 20 Jahren wurde der Wettbewerb 1999 dort ausgerichtet.

Israel beansprucht ganz Jerusalem als seine Hauptstadt. Dies ist allerdings international umstritten. US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem im Dezember im Alleingang als Israels Hauptstadt anerkannt. Dies löste schwere Unruhen in den Palästinensergebieten aus, weil die Palästinenser den 1967 von Israel eroberten Ostteil als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates beanspruchen. Am Montag eröffnet in Jerusalem die neue US-Botschaft. Andere Länder wie Guatemala und Paraguay wollen dem Beispiel folgen.

Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat sagte am Sonntag, Nettas Sieg bedeute, dass die internationale Boykottbewegung gegen Israel „total gescheitert” sei.

Verteidigungsminister Avigdor Lieberman nutzte den Sieg des Songs „Toy” für eine verbale Breitseite gegen den Iran, dessen militärische Etablierung im syrischen Nachbarland Israel verhindern will. Syriens Machthaber Baschar al-Assad solle „lernen, was heute passiert” und dem iranischen Ajatollah Ali Chamenei sagen, dass er „nicht sein Spielzeug” sei, schrieb Lieberman bei Twitter. Der Iran habe „nichts in Syrien zu suchen”.

Auch Israels Kulturministerin Miri Regev gratulierte Netta: „Du hast es geschafft und uns alle gerührt”, schrieb Regev auf Facebook. „Du hast unserem Land, das seinen 70. Geburtstag feiert und Jerusalem, das 51 Jahre seit ihrer Befreiung und Vereinigung feiert, ein großes Geschenk gemacht.” Im kommenden Jahr wolle man dem Publikum „das schöne Gesicht des Staates Israel zeigen”.

Kobi Oschrat, der den Song „Halleluja”, komponiert hat, mit dem Israel 1979 bei der Eurovision siegte, bescheinigte Netta ein außergewöhnliches musikalisches Talent. „Sie besitzt eine musikalische Intelligenz in einem Ausmaß, wie man sie lange nicht gesehen hat, weltweit”, sagte Oschrat dem israelischen Fernsehen am Sonntag.

In der Küstenmetropole Tel Aviv feierten die Menschen Nettas Sieg ausgelassen. Auf dem zentralen Rabin-Platz tanzten viele, schwenkten israelische Flaggen und sprangen in ein Wasserbecken. Auf den Straßen fuhren die ganze Nacht lang laut hupende Autos, aus denen der Song „Toy” dröhnte.

Es ist Israels vierter Sieg beim Eurovision Song Contest. Vor genau 20 Jahren gewann Dana International als erste Transsexuelle den Contest. Sie wurde zur Galionsfigur der israelischen Schwulen- und Lesbenszene und ebnete den Weg für weitere unkonventionelle Kandidaten.

(Von Sara Lemel, dpa)
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