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22. Festival des italienischen Films: Italienisches Filmfestival in Frankfurt: Vier Töchter und ein Todesfall

Heute startet im Deutschen Filmmuseum "Verso Sud", das 22. Festival des italienischen Films. Im Programm: aktuelle Werke, eine Hommage und ein sardischer Abend.
In Stefano Sollimas „Suburra“ geht auch um Mafia-Gewalt. Bilder > In Stefano Sollimas „Suburra“ geht auch um Mafia-Gewalt.
Frankfurt. 

Bis zum 8. Dezember gelangen 21 Filme zur Vorführung, jeweils im Original mit Untertiteln. Die Hommage gilt Cristina Comencini, die am Samstag selbst ihren neuen Spielfilm „Latin Lover“ vorstellt. Weitere Filme Comencinis stammen aus den Jahren 1996, 2005 („La bestia nel cuore“, Thema: Kindesmissbrauch) und 2011. Mit 60 Jahren erzählt sie, Tochter des Filmregisseurs Luigi Comencini und einer Hochadligen, in ihrer turbulenten Komödie „Latin Lover“, wie im apulischen Heimatdorf beim Totengedenken für den legendären fiktiven Schauspieler Saverio Crispo die vier Töchter nebst Witwen zusammenkommen – jede aus einem anderen Land. Keine der Töchter kannte den Vater wirklich, jede hat ihr eigenes Bild.

Zum allgemeinen Programm zählen noch zwölf weitere Spielfilme und Dokumentationen. Zur Eröffnung in Anwesenheit Giuseppe M. Gaudinos wird dessen zweiter Spielfilm aufgeführt: „Aus Liebe zu euch“. Hauptdarstellerin Valeria Golino erntete hymnische Kritiken und wurde mit Anna Magnani verglichen. Die Kritik empfand das subtil nuancierte, melancholische Melodram als frischen Hauch. Golino spielt die Neapolitanerin Anna: eine Seele von Mutter, die sich angesichts der Wuchergeschäfte ihres Mannes, selbstsüchtiger Eltern und entfremdeter Kinder klar darüber wird, wie grau und fremdbestimmt ihr Dasein ist.

Für den sardischen Filmabend (3. Dezember) wurden der Klassiker „Padre padrone“ der Brüder Taviani (1977) und zwei Neuproduktionen ausgewählt. Giovanni Coda stellt seinen Historienfilm über den „rosa Winkel“ und die Homosexuellen im KZ vor („Das nackte Rosa“). Gianfranco Cabiddus „Der Stoff der Träume“ verpflanzt Shakespeares „Sturm“ auf eine Gefängnisinsel und in ein Milieu aus Bühnenschauspielern und Mafiosi.

Das Hauptprogramm präsentiert neue Werke von Laura Bispuri, Pietro Marcello, Gabriele Mainetti, Pierfrancesco Li Donni, Francesco Munzi, Edoardo Falcone, Stefano Sollima, Alessandro Piva, Paolo Virzì, Bruno Colella, Marco Tulliano Giordana und Claudio Caligari. Wiederkehrendes Thema: die Mafia, kriminelle Subkultur. Sollimas „Suburra“ und Caligaris „Tu nichts Böses“ spielen mit den verrufenen Vierteln Roms . Pivas Gangsterfilm „Milionari: The Prince of Crime“ führt einen langsamen Aufstieg in Neapels Camorra vor. Giordanas „Lea“ verfilmt den wahren Fall einer Mutter, die in den Zeugenschutz geht und ihren Clan ans Messer liefert. Ähnlich gelagert: Munzis Thriller „Schwarze Seelen“.

Im Irrenhaus

Gut vertreten sind aber auch Reisen aller Art. Marcellos „Reise durch Italien“ schickt den archetypischen Diener Pulcinella aus der „Commedia dell’arte“ durchs schöne, verlorene, zerrissene Italien von heute. Colellas „My Italy“ führt eher von einem Filmförder-Fleischtopf Europas zum nächsten. Ähnlich dokumentarisch ist Piero Li Donnis „Die aus Neapel“ gemacht, Thema: die Gründung eines Fußballvereins für Flüchtlinge.

Reflexe des alten Italien finden sich auch bei Comencini, die am Rande Roms mehrere Generationen einer Sippschaft vereint („Der schönste Tag in meinem Leben“) oder aber eine Frau aus Amerika nach Italien zurückholt, um in Rückblenden dem Tagebuch der Großmutter zu folgen („Geh, wohin dein Herz dich trägt“). Laura Bispuris hochpoetische „Sworn Virgin“ beginnt im archaischen Albanien und reist nach Italien: ein Spiegel archaischer Zeiten. Paolo Virzìs „Die Überglücklichen“ führt aus dem Irrenhaus raus und wieder rein und nebenher durch die halbe Toskana: starke Frauen und alltäglicher Wahnsinn in einem der, laut „Messaggero“, schönsten Filme des Jahres.

Falcones „Um Himmels Willen“ spießt das vielleicht letzte Skandalon der lauen Bürgergesellschaft auf, indem er den Entschluss eines Medizinstudenten, Priester zu werden, an den irritierten Reaktionen seiner Umwelt misst. Mainetti lässt in „They Call Me Jeeg Robot“ den kleinkriminellen Enzo von der Engelsbrücke stürzen und zum Manga-Comichelden werden. So bunt kann es zugehen im italienischen Film unserer Tage.

 

25. November bis 8. Dezember im Deutschen Filmmuseum (Kino), Schaumainkai 41. Info und Karten: Tel. (069) 961220220. Internet: www.deutsches-filmmuseum.de.

 

(dek)
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