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Illustrator: Jan Buchczik im Frankfurter Bahnhofsviertel für große internationale Medien

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region voller kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: Jan Buchczik.
Der Zeichner Jan Buchczik muss flexibel sein. Foto: Michael Faust Der Zeichner Jan Buchczik muss flexibel sein.

„Eigentlich fühlt es sich gut an, das Kapitel hinter sich zu haben“, sagt Jan Buchczik. Mitte November hat er sein Studium an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung mit der Präsentation einer wandfüllenden Serie von Zeichnungen und Schriftblättern abgeschlossen. Den Übergang in das harte Berufsleben spürt Buchczik indes kaum. Denn er hat schon seit einigen Jahren als freier Illustrator Erfolg.

Seine Zeichnungen erscheinen unter anderem in den Wochenzeitungen „Die Zeit“ und „Der Freitag“, im Londoner „Guardian“ und in der „New York Times“. Im vergangenen Oktober zierte seine Animation die deutsche Startseite der Suchmaschine Google: Anlässlich des 94. Geburtstags des Kinderbuchautors Otfried Preußler ließ Buchczik dessen „kleine Hexe“ durch eine nächtliche Landschaft fliegen.

Jan Buchczik, ein freundlicher und konzentrierter, zunächst etwas zurückhaltend wirkender Endzwanziger, empfängt in seinem Atelier im Frankfurter Bahnhofsviertel. Den kompakten Raum im Atelierhaus „basis“ teilt sich Buchczik mit dem Grafikdesigner Timo Lenzen. Das Atelier wirkt einladend, auch dank der vielen Pflanzen. An der Wand hängen noch Skizzen für Buchcziks Diplomprojekt. Auf einer Tischplatte stehen ein Computer und ein digitales Zeichentablett – ein denkbar schlichter und unspektakulärer Arbeitsplatz. Buchcziks Zeichnungen und Illustrationen entstehen am Rechner. Ihr Stil ist lakonisch, möglich wird er durch einen reduzierten Strich und den flächigen Einsatz von Farbe.

Kreative Freiräume

Beim Arbeiten an einer digitalen Illustration versuche er, „so weit wie möglich das Zeichnen mit der Hand nachzuempfinden“, sagt Buchczik. Denn: Beim Zeichnen treffe man immerzu Entscheidungen. Diesen Denkprozess möchte Buchczik beibehalten, auch wenn er ihn mit einem einzigen Klick umgehen könnte. Die digitale Technik hat indes auch ihre Vorteile. „Ich kann am Zeichentablett alles rückgängig machen und auch mehrere Farben durchprobieren“, sagt Buchczik. Oft ist Schnelligkeit gefragt. Mitunter vergehen nur sechs Stunden vom Auftragseingang bis zur Lieferung einer druckreifen Illustration. Kein Problem für Buchczik: „Eigentlich mag ich schnell.“ Durch den Zeitdruck werde weniger diskutiert. Das eröffnet dem Illustrator kreative Freiräume.

Was passiert, wenn eine Zeitung oder ein Magazin Jan Buchczik kontaktiert und einen Artikel bebildern lassen möchte? „Ich versuche, das Thema auf ganz abstrakte Begriffe herunterzubrechen“, sagt Buchczik. So entsteht zunächst eine Assoziationskette. „Dann schaue ich nach Dingen, die bildlich funktionieren könnten“, fährt er fort. Dabei achtet er darauf, den jeweiligen Gegenstand nicht bloß zeichnerisch wiederzugeben. Vielmehr geht es ihm bei jeder Illustration um eine Bildidee, um ein Spiel der Formen – also ein Stück künstlerischer Freiheit gewissermaßen.

Für die Präsentation seiner Zeichnungen, ob frei oder Auftragsarbeit, nutzt Buchczik vor allem Instagram. Über 3600 Abonnenten folgen ihm auf der zum Facebook-Konzern gehörenden Bilderplattform. Die Instagram-Seite lasse sich schneller aktualisieren als seine normale Website, so der Zeichner. Zudem könne er sich dort über Kollegen informieren.

Die meisten Auftraggeber, für die Jan Buchczik arbeitet, stammen aus dem angelsächsischen Raum. Der Einsatz von Illustration nehme in deutschsprachigen Medien zwar zu, sei aber noch immer nicht auf dem gleichen Niveau wie in Großbritannien und den USA, weiß er. Die Internationalität seiner Auftraggeber führt dazu, dass Buchczik keinen typischen Tagesablauf hat: „Es ist alles flexibel.“ So melden sich US-amerikanische Medien wie die „New York Times“ wegen des Zeitunterschieds erst gegen 17 Uhr. Dann muss Buchczik bis Mitternacht arbeiten. „Manchmal habe ich auch eine Woche lang nichts zu tun“, gibt er zu. Auch in einer freien Woche geht er jedoch ins Atelier. Denn schließlich arbeitet Buchczik auch an eigenen, freien Projekten. Die Auftragssituation kann allerdings auch ganz schnell umschlagen, hat er erlebt: „Dann kommen zwei Wochen, in denen ich nicht weiß, wie ich das alles schaffen soll.“

Ein bisschen Exot

Als Illustrator fühlt sich Buchczik in seiner Geburtsstadt Frankfurt als Exot, jedenfalls sei er „mehr Exot als woanders“. In Städten wie Berlin und New York ist die Szene viel größer – und diese Form von Arbeit selbstverständlicher. Es lauern aber auch mehr potenzielle Ablenkungen. „Ich fühle mich eigentlich ganz wohl in diesem Status“, resümiert Buchczik. Er versucht jedenfalls, sich mit anderen jungen Illustratoren in Frankfurt zu vernetzen. So sind etwa Gruppenausstellungen im „basis“-Projektraum geplant. Auf die Frage, ob er nach dem Studienabschluss vielleicht doch einen Ortswechsel plane, antwortet Jan Buchczik lakonisch und entschieden: „Gerade nicht.“

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