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Performance: Jugendliche gehen mit neugierigen Blicken durchs Museum für Moderne Kunst

Von „Locals play global“ vom Jungen Schauspiel Frankfurt schickte junge Leute durch die Ausstellung „A Tale Of Two Worlds“ im Museum für Moderne Kunst.
Spielerisch: Junge Menschen entwickeln aus der Begegnung mit Kunst eine Theaterperformance. Foto: Jessica Schäfer Spielerisch: Junge Menschen entwickeln aus der Begegnung mit Kunst eine Theaterperformance.
Frankfurt. 

Am besten ist die unter Leitung von Martina Droste (Schauspiel) und Katharina Mantel (MMK) erstellte Performance, wenn die acht Mädchen und Jungen den musealen Kontext nebst kuratorischen Zimperlichkeiten einmal vergessen lassen und sich assoziativ den szenischen Bildern, der Bühnentugend der Naivität, einem Hauch spielerischen Exzesses hingeben. Also: weg vom referatartigen Dialog und dem kommentierenden Modus, der dem Kunstdiskurs nur nachkadavert. Und hin zum Austanzen eines Bildes aus gemalten Tanzschritten, zum Eiertanz, zur Kostümierung in Farben einzelner Räume. Titelgemäß dürfen diese „Locals ein bisschen Global spielen“ (Droste), was objektiv herablassend gedacht ist. Glänzen tun sie gerade nicht im Nachvollzug „großer“ Kunst, sondern sobald sie den Status als After-Künstler einmal aufkündigen und ihre Subjektivität vor der Kunstmarkt-auratisierten der Künstler behaupten.

Zwischen den Welten

Wie sieht die museale Setzung aus, von der sich dieser Absprung momenthaft ereignet? „A Tale Of Two Worlds“ stellt auf Anregung der Bundeskulturstiftung derzeit Werke der MMK-Sammlung und solche des Museo de Arte Moderno de Buenos Aires einander gegenüber. Eine Brückenstellung unter gut hundert Künstlern mit 500 Arbeiten der 40er bis 80er Jahre nimmt Lucio Fontana (1899–1968) ein, der als mehrfacher Aus- und Rückwanderer Italien–Argentinien in sich und seiner Produktion die Isoliertheit der Kunst aus Europa und Nordamerika hier, aus Lateinamerika dort durchsticht, fast wie sonst seine Leinwände. Globalisiert wie Fontanas ästhetischer „Schmiereffekt“ zwischen den Welten ist der Hintergrund der Jugendlichen: Lea, Noa, Leon und Tara, Maxime, Luis, Siar und Tamoor.

Ausstellung und Performance bespielen alle Stockwerke im Hollein-Bau, dessen Grundriss und Aufbau dank Dreier-Dialektik und kommunizierenden Lichts in sehr ungleichen Räumen nervöse Spannung zeugt. Die erste Halle wird so zur Bühne mit Balkonen und Blick-Schießscharten und lässt mit dem kleinen Absatz im Schnittpunkt darüber an Ovids „Metamorphosen“ denken: den Raum der Fama inmitten des Weltbaus, den alle Stimmen und Bilder passieren müssen. Darunter nehmen die Jugendlichen im Prolog und Epilog Aufstellung in teils monochromen Kostümen aus der Schauspiel-Schneiderei, deren Grundfarben (Rot, Grün, Rosa, Gold/Bronze) einzelne Exponat- und Raumfarben vorwegnehmen.

Einstweilen sieht man sich noch den Metallic-Ballungen der „Raumkunst“ Fontanas gegenüber, die wie übergroße Manganknollen aus der Tiefsee anmuten, und mit dem Refrain „Ich erinnere mich an eine Welt“ an der Hand genommen. Später wird das Grüne in den Kanälen des von Nicolás Garcia Uriburu fotografierten „Green Venice“ wiederkehren und ein Streitgespräch auslösen, ob die Färbung in der Lagune ein Artefakt des Künstlers nur im Bild sei oder realiter vor Ort erzeugt.

Therapeutische Zwecke

In getrennten Gruppen geht es durch die Räume. Mal lassen die Acht oder einige davon sich einfallen, Plexiglasscheiben vor den körperlichen Kontakt zu schieben.

Dann wieder motiviert der „politische“ Saal mit On Kawaras „Date paintings“ und Anna Maria Maiolinos Quasi-Minenfeld aus Eiern die Jugendlichen zu Aussagen darüber, „was mir wichtig ist“. Die eigene Selbstgerechtigkeit rauszulassen („Die Hindus haben Moslems getötet!“), kann dazugehören – und erfüllt zumindest therapeutische Zwecke.

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