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„Ich will nicht nochmal zwanzig sein“: Juliette Binoche über ihren neuen Kinofilm „Wie die Mutter, so die Tochter“

In der Komödie, die am Donnerstag anläuft, spielt die Französin eine Mama, die auf die Schwangerschaft ihrer Tochter auf besondere Weise reagiert: Die künftige Oma wird selbst nochmals schwanger.
Sehr verschieden und gleichzeitig schwanger: Avril (Camille Cottin) und ihre Mutter Mado (Juliette Binoche). Sehr verschieden und gleichzeitig schwanger: Avril (Camille Cottin) und ihre Mutter Mado (Juliette Binoche).

Sie zählt zu den großen Kino-Stars der Grande Nation. Für „Der englische Patient“ bekam Juliette Binoche den Oscar. Mit „Chocolat“ präsentierte sie Wohlfühl-Kino vom Feinsten. Und auch Regie-Größen holen die populäre Schauspielerin regelmäßig vor die Kamera. Nach einer kleinen Rolle in „Maria und Joseph“ von Jean-Luc Godard folgt die eindrucksvolle Karriere bei namhaften Regisseuren. Krzysztof Kieslowski engagierte sie für „Drei Farben: Blau“. Für Abbas Kiarostami stand Binoche bei „Shirin“ und „Die Liebesfälscher“ vor der Kamera, mit Michael Haneke drehte sie „Code unbekannt“ sowie „Caché“ und für David Cronenberg spielte sie in „Cosmopolis“. Nun zeigt sich die 53-Jährige von ihrer komischen Seite. Mit der Schauspielerin unterhielt sich Dieter Oßwald.

Madame Binoche, macht es für Sie einen Unterschied, ob Sie in anspruchsvollen Kunstfilmen wie „Der englische Patient“ oder einer Komödie wie dieser spielen?

JULIETTE BINOCHE: Für mich macht das Genre keinen Unterschied. Ich stecke mein Herz in jede Rolle, die ich spiele. Wobei mir zunächst gar nicht klar war, wie komisch „Wie die Mutter, so die Tochter“ ausfallen würde. Das war eine echte Entdeckung für mich.

Die Situation ist doch denkbar ulkig, weshalb waren Sie überrascht?

BINOCHE: Als Schauspielerin kommt es mir vor allem darauf an, wahrhaftig zu sein. Deshalb war mir das komische Potenzial während des Drehs nicht so deutlich, da zählte für mich nur die Echtheit meiner Figur und der Situation.

Was ist das wichtigste Element für eine Komödie?

BINOCHE: Wahrhaftigkeit ist entscheidend. Man merkt dem Drehbuch an, dass es aus Erfahrung geschrieben wurde. Und ich habe meine eigene Erfahrung ebenfalls in die Rolle gebracht. Die Wirklichkeit ist einfach die beste Basis für eine Komödie, erst recht, wenn die Geschichte derart witzig geschrieben ist. Die Figuren entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern entwickeln sich aus der Situation heraus.

Mögen Sie die Figur, die Sie spielen? Würden Sie mit Mado gerne ausgehen? Oder wäre die Ihnen zu schrill?

BINOCHE: Ich finde Mado überhaupt nicht schrill! Das ist eine Frau, die endlich eine funktionierende Partnerschaft haben möchte. Sie ist sehr unsicher, weil ihre bisherigen Beziehungen nicht funktioniert haben. Sie fühlt sich einsam und setzt nun alles auf eine Karte. Ich glaube, damit können sich viele Zuschauer identifizieren.

Für eine Frau, die mit Mitte vierzig schwanger werden möchte, spielt das Alter naturgemäß eine Rolle. Wie erleben Sie die Altersfrage als Schauspielerin? Haben es Ihre männlichen Kollegen damit einfacher?

BINOCHE: Ich glaube nicht, dass für Männer das Alter keine Rolle spielt. Der Eindruck entsteht wohl nur deswegen, weil es in Frauenzeitschriften fast ausschließlich um das Altersproblem bei Frauen geht. Das setzt sich fort, in Interviews werde ich fast immer darauf angesprochen. Offensichtlich glauben die Medien, die Menschen wären brennend daran interessiert. Mich überrascht das, weil für mich selbst das Alter gar kein großes Thema ist.

Wie sieht Ihre Philosophie des Alters aus?

BINOCHE: Wenn man die verschiedenen Stadien seines Lebens durchlaufen hat, will man doch nicht zurück. Man sollte sein Leben in die Zukunft und nicht nach der Vergangenheit ausrichten. Zumal sich die Werte verändert haben: Was mir als Zwanzigjährige noch ganz wichtig war, ist mir mit fünfzig längst nicht mehr bedeutsam. Ich wünsche mir diese Zeit auch nicht mehr zurück. Mein Alter mit zwanzig war viel schmerzhafter als mit dreißig oder vierzig.

Sie werden in Frankreich als „La Binoche“ verehrt – was macht einen Schauspieler zum Star?

BINOCHE: Schauspieler müssen offen und verfügbar sein. Sie sollten Risiken nicht scheuen und eine Figur auf eine Weise präsentieren, die dem Publikum einen Zugang zu ihr ermöglicht. Wir Schauspieler sind wie ein Katalysator. Und der Star? Der Star ist wie das Licht.

Wie steht es um den Schatten? Erschwert die Berühmtheit nicht das ungestörte Privatleben?

BINOCHE: Ich bin ja nicht Michael Jackson! (lacht) Tatsächlich werde ich in der Öffentlichkeit gar nicht sehr häufig erkannt. Und falls doch einmal, fällt es mir nicht schwer, die Bitte um ein Foto oder Autogramm zu erfüllen.

Sie haben schon etliche Prominente im Alltag entdeckt, darunter den Ex-Präsidenten Francois Mitterand . . .

BINOCHE: Zufällig, in einem Buchladen, und später nochmals in einem Restaurant. Und mit Meryl Streep saß ich einmal im selben Zugabteil. Und Leonardo DiCaprio traf ich auf der Straße.

Wenn Sie zufällig Emmanuel Macron treffen würden, worüber würden Sie mit dem Präsidenten plaudern? Über Filme, Politik oder über Mode?

BINOCHE: Über Mode sicher nicht, das Thema würde ihn wohl kaum interessieren (lacht). Macron ist tatsächlich ein Hoffnungsträger. Viele wünschen sich, dass er mit seinen Zielen Erfolg haben wird.

Würden Sie, gemäß dem Filmtitel „Wie die Mutter, so die Tochter“, Ihren Beruf auch den eigenen Kindern empfehlen?

BINOCHE: Das ist der schönste Beruf der Welt. Ich würde meinen Kindern auf alle Fälle empfehlen: Wenn das dein Traum ist, dann verwirkliche ihn unbedingt. Go for it, Baby!

 

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