Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 17°C

Der Siegerfilm „Moonlight&ldquo polarisiert: Jung, schwarz und homosexuell

Eines zeigte die Golden-Globe-Gala in Los Angeles überdeutlich: Der künftige US-Präsident Trump hat auch Hollywood in Alarmbereitschaft versetzt.
Casey Affleck wurde „bester Schauspieler in einem Filmdrama“. Bilder > Foto: MIKE NELSON/EPA/REX/Shutterstock (Rex Features) Casey Affleck wurde „bester Schauspieler in einem Filmdrama“.

In Zeiten von Donald Trump scheint auch in der Filmkunst nichts mehr zu sein wie früher. Glich die Verleihung der Golden Globes in den vergangenen Jahren eher einer großen Party, beherrscht von einer ausgelassenen Stimmung, in der sich Hollywood-Größen um ihrer Kunst willen selbst feiern konnten, war die diesjährige Gala so stark politisiert wie nie zuvor. Mit der Wahl von „Moonlight“ des Regisseurs Barry Jenkins, einem Drama um einen schwarzen Homosexuellen, zum „besten Filmdrama“ gab die Jury, die aus knapp 100 Journalisten besteht, die seit langem in Hollywood arbeiten, bewusst ein politisches Statement ab: gegen Rassismus und für die Rechte von Minderheiten – und gegen Donald Trump und dessen Populismus. Es schien, als wollte die links-intellektuelle Filmbranche noch kurz vor der Vereidigung von Donald Trump als neuem US-Präsidenten bewusst ein Zeichen setzen – mit einem Abgesang auf die liberale Obama-Ära.

Klare Worte

Wie sehr die Schauspielzunft in den USA schockiert und verunsichert ist in der Frage, was die Wahl Trumps für das Land und die Filmbranche bedeuten kann, zeigte die Schauspielerin Meryl Streep, die bei der Gala in Los Angeles mit dem Cecil-B.-Demille-Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde – und ihren Auftritt auf der Bühne für klare Worte über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump nutzte. „Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle“, sagte die 67-Jährige.

Der eindrücklichste Auftritt des Jahres sei für sie gewesen, als Trump in einer Wahlkampfrede die Bewegungen eines körperlich Behinderten nachgeäfft habe. „Es hat mein Herz gebrochen, als ich es gesehen habe.“ Schließlich gebe das anderen Menschen vermeintlich die Erlaubnis, dasselbe zu tun: „Respektlosigkeit lädt zu Respektlosigkeit ein, Gewalt animiert zu Gewalt.“

Streep betonte in ihrer Rede, dass es in Hollywood nur so vor Außenseitern und Ausländern wimmele, und dass es, „wenn sie uns rauswerfen, nichts mehr zu gucken gibt außer Football und Kampfkünste, die keine Kunst sind!“. Auch rief Meryl Streep ihre Kollegen dazu auf, sich für die Pressefreiheit stark zu machen.

Streeps mahnende Worte blieben nicht nur bei den Galagästen im Saal nicht ohne Wirkung, sie lösten eine politische Diskussion aus. So lobten über Twitter einige Kollegen Streeps Rede: „Ein überwältigender Moment, wie wir ihn selten im Fernsehen sehen“, schrieb etwa Regisseur Michael Moore.

Und auch Donald Trump reagierte prompt, zeigte sich aber wenig überrascht von Meryl Streeps Kritik. Er sei schon früher von „liberalen Filmleuten“ attackiert worden, sagte er laut „New York Times“ in einem Telefoninterview. Außerdem bezeichnete Trump die dreifache Oscar- und achtfache Golden-Globe-Gewinnerin Meryl Streep als „eine der überbewertetsten Schauspielerinnen in Hollywood“. Sie sei eine „Dienerin“ von Trumps früherer Konkurrentin Hillary Clinton, die „in großem Stil verloren“ habe, schrieb Trump auf Twitter.

Eine Problematik offenbart die Diskussion um Meryl Streep und Donald Trump jedenfalls überdeutlich: Sollte sich ein Politiker überhaupt öffentlich über Schauspieler äußern und deren Kunst bewerten, von der er augenscheinlich wenig versteht? Und auf der anderen Seite stellt sich die Frage: Wie sinnvoll ist es, dass Künstler in der Öffentlichkeit über Politiker urteilen? Von staatlicher Zensur in Sachen Kunst sind die USA glücklicherweise noch entfernt – noch! md

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse