Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Im Kino: Ich, Daniel Blake: Kampf um Hilfe macht hilflos

Von In „Ich, Daniel Blake“ erzählt der englische Regisseur Ken Loach von einem krankgeschriebenen Handwerker, der am Sozialamt verzweifelt.
Daniel (Dave Johns) muss auf dem Sozialamt finanzielle Unterstützung beantragen. Katie (Hayley Squires) begleitet ihn. Foto: Prokino (dpa) Daniel (Dave Johns) muss auf dem Sozialamt finanzielle Unterstützung beantragen. Katie (Hayley Squires) begleitet ihn.

Eine regelrechte Arbeiterliteratur oder einen Arbeiterfilm hat es in der Bundesrepublik Deutschland seit dem Krieg kaum gegeben. Beides ist vor allem der DDR überlassen geblieben. Anders in Großbritannien: Hier hat sich eine ganze Stilrichtung herausgebildet, die das Leben aus der Sicht der Unterschicht betrachtet, wobei die Oberschicht und der Staat nicht gut wegkommen. Eine namhafte Frontfigur dieses ungeschönten Arbeiterkinos ist der Regisseur Ken Loach („Carla’s Song“, „The Wind that shakes the Barley“). Mal hat er ein ganzes gesellschaftskritisches Panorama von Ungleichheit entworfen, mal nur auszugsweise eine sehr persönliche Geschichte von Benachteiligung erzählt. In „I, Daniel Blake“ ist es ihm nun gelungen, das eine mit dem anderen übereinzubringen.

Gelernter Zimmermann verzweifelt

Was dem gelernten Zimmermann Daniel Blake aus Newcastle widerfährt, könnte einem Upperclass-Millionär aus London zwar nicht in genau dieser Weise widerfahren. Aber auch letzterer könnte sich in einer Bürokratie verfangen, die den Bürger zur Verzweiflung bringt. Daniel Blake (einnehmend natürlich gespielt von Dave Johns) ist ein Arbeiter mit Arbeiterstolz. Drückebergerei liegt ihm fern. Nach seiner schweren Herzkrankheit möchte er schnellstmöglich zurück an die Werkbank. Doch die Ärztin hält ihn für noch nicht gesund.

Also braucht Blake Sozialhilfe, denn Arbeitslosenhilfe ist nur für Arbeitslose da, nicht für Arbeitsunfähige. Beim Beantragen der finanziellen Unterstützung gerät der Mann in ein Durcheinander aus Gutachterwesen, Sachbearbeiterversagen und Schlamperei. Hinzu kommt, dass Blake, der bislang nur mit Hobel und Säge gearbeitet hat, ohne Computerkenntnisse den Forderungen der Verwaltung mit ihren digitalen Formularen kaum noch nachkommen kann.

Ken Loach geht es vor allem um die Empfindungen des von den Behörden Hin- und Hergeschubsten. Obwohl der britische Wohlfahrtsstaat der Allgemeinheit Fürsorge bietet, kann der Einzelne darin unversorgt bleiben und sich gedemütigt fühlen.

In kleinen, gut nachvollziehbaren Schritten erzählt „I, Daniel Blake“, wie der rechtschaffene Holzarbeiter immer tiefer in Not gerät und dennoch seinerseits Hilfsbereitschaft und Mitgefühl aufrechterhält, vor allem gegenüber einer alleinerziehenden Mutter in seiner Siedlung. Anderenfalls käme sich Daniel Blake nämlich nicht nur arbeitsunfähig, sondern auch menschlich unfähig vor. Er ist die achtenswerte Titelfigur einer kleinen, solide inszenierten Tragödie. Annehmbar

 

Frankfurt: Cinema (D+E).
Mal seh’n (OmU)

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse